„Am Geld wird es nicht scheitern“
Dubai: Standortwerbung mit Spitzensport

Am Golf spielen sie Golf, Tennis und lassen die Pferde rennen. Die Scheichs kaufen die Prominenz aus allerlei Sportarten ein und haben mittelfristig auch die Formel 1 im Auge. In Dubai wartet auf Tiger Woods, Martina Hingis und andere mehr als nur eine Sieben-Sterne-Herberge.

Gelegentlich präsentiert sich der umtriebige Kronprinz sogar noch einmal selbst als Sportsmann. Mitte letzter Woche saß General Scheich Mohammed Bin Rashid Al Makhtoum, der künftige Lenker des Ölparadieses Dubai und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, hoch zu Ross und nahm an einem 133 Kilometer langen Endurance-Rennen quer durch die Wüste teil. Lange Zeit ritt Scheich Mohammed zwar vorneweg in der Spitzengruppe, doch am dritten Zwischenstopp hatte der Mittvierziger ungewöhnliches Pech zu beklagen und musste wegen einer Verletzung seines Pferdes aufgeben.

Trotzdem eröffnete der charismatische Politiker abends gut gelaunt das traditionelle Shopping-Festival, das stets in den Februar- und Märztagen Hunderttausende Touristen aus aller Welt anlockt und zum Maßnahmenkatalog gehört, um die Region von ihrer Fixierung auf die reichen Öl- und Erdgasvorkommen zu befreien.

Sportliche Großveranstaltungen wie die "Dubai International Tennischampionships" oder die "Dubai Desert Classics" im Golf, die am Donnerstag beginnen, gehören für den kosmopolitischen Scheich Mohammed ebenfalls zur wichtigen Standortwerbung am Persischen Golf: "Diese Spitzenevents ziehen die besten Athleten, aber auch viele Besucher nach Dubai." Und nach den ersten Unsicherheiten infolge der Terroranschläge in Amerika und des Afghanistan-Feldzugs der Anti-Terror-Allianz normalisiert sich das Touristenaufkommen inzwischen auch wieder auf hohem Niveau. In den Fliegern der staatlichen Gesellschaft Emirates ist auch dank aggressiver Preispolitik und günstiger Sonderangebote dieser Tage kaum ein Platz nach Dubai frei. Zu Ostern wird mit einem neuen Ansturm aus den europäischen Kernmärkten wie England, Frankreich und Deutschland gerechnet.

Ende März präsentiert das Emirat den nächsten sportlichen Höhepunkt, den "Dubai World Cup", den mit etwa 15 Millionen Dollar höchstdotierten Renntag der Welt, auf der funkelnagelneuen Galopprennbahn in der Wüste. Geht es nach Scheich Mohammed, dann könnten bald auch Formel-1-Boliden in der Region ihre Runden drehen. "Am Geld wird es sicher nicht scheitern", sagt Colm McLaughlin, der Chef der mächtigen Dubai-Duty-free-Kette, die im vergangenen Jahr im neuen Teil des internationalen Flughafens eine Dependance eröffnet hat, die 37 Fußballfelder groß ist. Trotz der heiklen politischen Lage im Jahr 2001 schaffte es Duty free, auch Sponsor des Tennisturniers, einen Rekordumsatz von 244 Millionen Dollar zu verbuchen. Dabei verkauften die Macher allein 100 000 Uhren und 690 000 Parfümflaschen in ihrem Shoppingreich in der Wüste.

Mit Superstars wie Tiger Woods, Martina Hingis und früher einmal auch Boris Becker haben die Strategen von Dubai bereits mächtig Eindruck bei internationalen Sportorganisationen hinterlassen. ATP-Chef Mark Miles sieht in der Region einen "interessanten Zukunftsmarkt" für den Tennis-Wanderzirkus, der in seinen Kernländern gerade das finanzielle Debakel des Generalvermarkters ISL verkraften muss. Speziell das Turnier in Dubai hat es dem Amerikaner angetan: "Es ist ein Beispiel, wie Tennis gezeigt werden sollte." Tatsächlich hat es nur sieben Jahre gebraucht, um den Schauplatz in ein Zuschauer- und Flanierparadies zu verwandeln. Neuester Coup ist eine Restaurantmeile im Schatten des Centre Court mit Spezialitäten aus Japan, Portugal, China oder Italien.

Noch wirksamere Öffentlichkeitsarbeit für den Standort Dubai erhoffen sich die Turnierveranstalter von einer Heraufstufung der Tennis-Wettbewerbe bei Herren und Damen. "Wir wollen ein Masters-Turnier", sagt Jeff Chapman, der aus Australien stammende Wettbewerbschef. Ein solches Event könnte in den finanziellen Wirren und Turbulenzen des gegenwärtigen ATP-Systems "schneller Wirklichkeit werden, als mancher denkt", sagt der langjährige Spielersprecher Alex Corretja aus Spanien. "Ich wäre wirklich froh, wenn es so tolle Bedingungen bei allen Turnieren gäbe."

Die Scheichs haben mittlerweile auch gelernt, ihr Geld nicht gießkannenartig an alle möglichen Möchtegern-Stars und Sternchen auszuschütten und schon das bloße Erscheinen am Golf mit dicken Schecks zu belohnen. Nur noch die absoluten Spitzenkräfte werden mit attraktiven Prämien geködert - Martina Hingis mit rund 200 000 Dollar, Golf-Ausnahmekönner Tiger Woods vor zwölf Monaten gar mit einem Antrittsbonus von 1,2 Millionen Dollar. Ohne sich zu begegnen, wohnten der Amerikaner und die Schweizerin hintereinander in der Präsidentensuite des einzigen Sieben-Sterne-Palastes der Welt, im "Burj el Arab" am Jumeirah Beach.

Dort würde dieser Tage gewiss auch Boris Becker angemessen Domizil finden, der Mann, der den Scheichs in den ersten Jahren ihrer Sportoffensive die schillernden Schlagzeilen geliefert hatte. Ganz vergessen haben sie ihn noch immer nicht am Golf, den "Tennis-Titanen" (Al Khlaeej Times) und Freund des Orients. Wenn Becker wolle, sagt Anita Mehran, PR-Direktorin bei "Dubai Duty free", sei er als "Botschafter Dubais in der Sportwelt" jederzeit willkommen. Vielleicht kommt Becker darauf noch zurück. Später oder früher.

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