Am kommenden Montag folgt der nächste Test
Saddam Hussein steht unter Termindruck

Mit der Akzeptanz der Uno-Resolution 1 441 ist der irakische Präsident Saddam Hussein zwar einer ersten Vorbedingung des Weltsicherheitsrates nachgekommen, seinen Kopf hat er aber noch längst nicht aus der Schlinge gezogen. Denn unter Beweis stellen kann er seinen - wenn auch nur mürrisch bekundeten - Willen zu Abrüstung und Kooperation mit den Uno-Waffeninspektoren (Unmovic) nur dann, wenn er exakt dem strikten und eindeutig formulierten Zeitplan zur Erfüllung der Uno-Forderungen folgt:

HB DÜSSELDORF. Bereits am kommenden Montag, dem 18. November, soll eine Vorhut der Waffenkontrolleure in Bagdad eintreffen. Diese soll alle erforderlichen Vorbereitungen für die Inspektionen im Land treffen. Auch erste Kontrollen soll dieses Vorausteam bereits vornehmen. Es wird gemeinsam von Unmovic-Chef Hans Blix und dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), Mohammed el Baradei, geleitet. "Eine Woche bis zehn Tage später", so heißt es in der Resolution der Vereinten Nationen, sollen die Waffenkontrollen dann im großen Maßstab beginnen.

Bis zum 8. Dezember muss die irakische Regierung eine "komplette und detaillierte" Liste ihrer Waffenprogramme liefern. Diese Aufstellung muss lückenlos über den Bestand an chemischen, biologischen und nuklearen Waffen aufklären. Ferner muss diese Liste eine Aufstellung aller ballistischen Raketen, anderer Trägersysteme und unbemannter Luftfahrzeuge enthalten. Ferner werden präzise Angaben über die Standorte dieser Waffensysteme sowie der entsprechenden Entwicklungs-, Forschungs- und Produktionseinrichtungen gefordert.

Spätestens am 23. Dezember müssen die Kontrolleure der Unmovic und der IAEA mit ihren Inspektionen beginnen.

Bis zu 21. Februar - also 60 Tage nach Beginn der Kontrollen - müssen die Waffeninspektoren dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen Bericht über ihre Arbeit im Irak vorlegen. Falsche Angaben oder Auslassungen seitens des Iraks oder die Tatsache, dass Bagdad nicht vollständig mit der Uno zusammenarbeitet, werden in der Resolution als "ernste Verletzung der Verpflichtungen" gewertet.

Sollten die Waffenkontrollen nach Plan ablaufen, müssen Blix und el Baradei dem Weltsicherheitsrat alle vier Monate entsprechende Berichte vorlegen.

Und diese werden insbesondere von der Regierung in Washington akribisch gelesen und ausgewertet werden. Nicht umsonst bekräftigte US-Präsident George W. Bush jetzt einmal mehr seine unmittelbar nach dem Beschluss über die Resolution 1441 vor einer Woche formulierte Absicht, gegenüber dem am Tigris herrschenden Regime "Null-Toleranz" walten zu lassen.

Obwohl kaum Zweifel gehegt werden müssen, dass es Bush nicht bei dieser Warnung belassen wird, macht sich insbesondere in der irakischen Nachbarschaft Erleichterung über Saddams ersten Ansatz in Richtung Zusammenarbeit mit der Uno breit. So lässt die kuwaitische Regierung verlauten, dass dies der erste Schritt in die richtige Richtung sei. Allerdings wird eher skeptisch auch darauf hingewiesen, dass es keineswegs schon das Ende sein dürfe. Man hofft, dass weitere Schritte folgen werden.

Saudi-Arabiens Innenminister Najef bin Abdul-Asis meinte am Donnerstag in einem Zeitungsinterview: "Gott sei Dank, der Irak hat angenommen". Gerade seine Regierung, die den US-Streitkräften im Fall einer Intervention im Irak die Benutzung von Stützpunkten verweigern will, verbindet damit die Hoffnung, dass ein Krieg in der Golfregion vermieden werden kann. Doch dass diese recht trügerisch sein kann, vermutet sogar die führende irakische Zeitung "Babel": Trotz der Annahme der Resolution sei der Konflikt mit Amerikanern und Briten noch längst nicht vorbei. Und in gewohnter Manier wirft das Blatt, das Saddams Sohn Uday gehört, Washington eine "arrogante Politik im Cowboy-Stil" vor.

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