Am kommenden Wochenende soll das nächste Ministertreffen vorbereitet werden
Süd- und Nordkorea reden wieder miteinander

Gut einen Monat nach dem Seegefecht im Gelben Meer sprechen Nord- und Südkorea wieder miteinander. Von Freitag bis Sonntag dieser Woche soll in den nordkoreanischen Bergen das nächste Ministertreffen in Seoul vorbereitet werden, teilte Seouls Vereinigungsministerium jetzt mit. Es ist das erste offizielle Treffen seit November.

bas TOKIO. Auch die Chancen für Gespräche zwischen dem kommunistischen Norden und den USA sind damit weiter gewachsen. US-Außenminister Colin Powell schließt nicht aus, dass es am Rande des heute beginnenden jährlichen Gipfels des Asean Regional Forums (ARF) in Brunei zu einem Treffen mit seinem nordkoreanischen Kollegen Paek Nam Sun kommen könnte. Es wäre die erste hochrangige Begegnung zwischen Nordkorea und den USA seit dem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush, der das Land als Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet. Ein Gesandtentreffen in Pjöngjang hatten die USA nach dem Seegefecht am 29. Juli abgesagt.

Die vorsichtige Erwärmung des frostigen Klimas war durch einen Brief Nordkoreas in Gang gekommen, in dem das Land die Schießerei bedauert, bei der fünf Südkoreaner und vermutlich 13 Nordkoreaner getötet wurden. Diese seltene Geste Pjöngjangs geht einher mit zaghaften Wirtschaftsreformen im Land, die der erste Schritt für weitergehende Änderungen hin zu einem stärker marktwirtschaftlich orientierten System sein könnten. Koreas Regierungspartei hat seit Anfang des Monats Preise für Lebensmittel und Löhne drastisch angehoben, um die Schwarzmärkte einzudämmen und die landwirtschaftliche Produktion anzukurbeln. Die südkoreanische Zeitung "Joongang Ilbo" berichtete unter Berufung auf chinesische Quellen, Nordkorea plane in einem halben Jahr zusätzlich Finanzreformen, etwa bei der Kreditvergabe.

Als Motiv für inländische Reformen und außenpolitische Annäherung wird die wirtschaftliche Not im Land genannt. Die Nordkoreaner können seit Jahren nur mit Nahrungsmittelhilfen aus dem Ausland ernährt werden. Auch China und Russland drängen auf Reformen. Ob Pjöngjang jedoch nur das löchrige System der Kommandowirtschaft flicken oder das Wirtschaftssystem tatsächlich reformieren will ist genauso offen wie die Frage, ob Nordkorea außenpolitisch wirklich zu Verhandlungen bereit ist oder nur versucht, wirtschaftliche Zugeständnisse von Südkorea zu bekommen. Darüber hinaus sehen politische Beobachter Differenzen in Nordkoreas Führungsriege. So habe Nordkorea noch einen Tag vor dem Brief an den Süden vor weiteren Zwischenfällen gewarnt hatte, wenn Südkorea und die USA nicht bereit wären, die Grenze im Gelben Meer zu verschieben.

Auf oberster Ebene scheint sich jedoch der Annäherungskurs durchgesetzt zu haben. Präsident Kim Jong Il gab dem russischen Außenminister Igor Iwanow jetzt bei dessen Besuch mit auf dem Weg, man sei mit den USA und Japan zu "Gesprächen ohne Vorbehalte" bereit. Japans Außenministerin Yoriko Kawaguchi wird mit ihrem nordkoreanischen Kollegen am Rande des ARF-Gipfels zusammenkommen. Ob der nordkoreanische Außenminister seinen südkoreanischen oder amerikanischen Kollegen einzeln treffen wird, stand bis kurz vor Beginn des Treffens noch nicht fest.

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