Am Markt für Beteiligungskapital trennt sich die Spreu vom Weizen
Niedrige Preise locken wieder Investoren an

Die Private Equity-Branche wurde 2001 arg gebeutelt. Experten erwarten, dass auch in diesem Jahr weitere Anbieter ausscheiden werden. Wer durchhalten kann und die Strukturveränderungen bewältigt, dem winken aber wieder gute Renditen. Der Trend dürfte ab dem Frühjahr wieder nach oben zeigen.

FRANKFURT/M. Der Markt für Beteiligungskapital hat in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland herbe Rückschläge einstecken müssen. Hohe Wertberichtigungen, Fondsauflösungen und dürre Renditen hielten die Branche in Atem. Doch jetzt erwarten Experten eine Trendwende. "Für konservative Private Equity-Häuser müsste 2002 ein guter Einkaufszeitpunkt sein", meint etwa Frank Golland, Partner und Leiter Private Equity Deutschland bei der Unternehmensberatung KPMG Corporate Finance. Die Preise für Beteiligungen seien nach den Übertreibungen in den Jahren 1999 und 2000 jetzt als fair anzusehen.

Am Markt für Beteiligungskapital, dem so genannten Private Equity, investieren überwiegend institutionelle Anleger wie Unternehmen und sehr vermögende Privatkunden. Die Gelder fließen in der Regel als Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen. Wenn es sich dabei um Unternehmensgründungen handelt, spricht man von Wagniskapital (Venture Capital). Die Investoren stecken ihr Geld aber oft nicht direkt in die Firmen, sondern in Fonds, die sich wiederum an mehreren Unternehmen beteiligen, oder in Dachfonds, die in verschiedene Einzelfonds investieren. Ein Spezialfall ist das so genannte Corporate Venture Capital. Dabei beteiligen sich große Unternehmen direkt an kleineren. So ist T-Venture, die Wagniskapital-Tochter der Deutschen Telekom, mit 500 Mill. Euro für Beteiligungen an jungen Technologiefirmen ausgestattet worden.

Experten schätzen, dass Beteiligungsgesellschaften rund 22 Mrd. Euro am deutschen Private-Equity-Markt investiert haben.

Frank Golland erwartet, dass es an diesem Markt generell einen Trend weg von Wagniskapital hin zu beispielsweise Management-Buyouts geben werde - also dem Besitzerwechsel von etablierten Unternehmen. Diese Entwicklung zeichnete sich schon 2001 ab, denn bis zum Herbst entfielen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungs-Gesellschaften (BVK) 22,1 Prozent der Investitionen auf Buyouts. Es sei auch mit deutlich mehr Ausgliederungen von Unternehmensteilen (spin-offs) zu rechnen, weil viele Konzerne mit der Steuerreform die Gunst der Stunde nutzen wollten, schätzt BVK-Geschäftsführer Holger Frommann.

Die Konsolidierung werde sich 2002 fortsetzen und ab dem zweiten Quartal zu einer "gesünderen Struktur" führen, erwartet Golland. Vor allem bei den Technologie-Beteiligungen der Fonds werde es zwar noch zu Wertberichtigungen kommen. Der Höhepunkt dieser Korrekturen sei aber überschritten. Auch Uwe Fleischhauer von der auf Private Equity spezialisierten Unternehmensberatung Mackewicz & Partner glaubt nicht, dass es noch viele Wertberichtigungen in der Größenordnung von 50 bis 60 Prozent geben wird.

Ein Schwerpunkt, in welche Branchen die Geldgeber investieren, werde sich kaum herausbilden, glaubt Fleischhauer. "Erst stand das Internet im Mittelpunkt, dann folgten Life Science und Nanotechnologie. Aber für 2002 kann ich keinen Branchentrend erkennen."

Er erwartet, dass die Investoren ihre Mittel eher in einen weniger risikoreichen Dachfonds stecken, als in einen auf eine Branche spezialisierten Venture-Capital-Fonds. Das sieht auch Maximilian Brönner, Partner der Schweizer Beteiligungsgesellschaft LGT Capital Partners, so: "Vielen Anlegern ist die Analyse von Hunderten von Fonds zu komplex geworden."

Eine Schwäche des deutschen Marktes bleibe der Mangel an guten Management-Teams, etwa um Konzernteile heraus zu kaufen. "Es ist immer noch schwierig, Management-Teams zu finden, die bereit sind, das Risiko des Unternehmertums zu übernehmen", hat KPMG-Manager Golland beobachtet.

Auch im Bereich Corporate Venture Capital (CVC) stehen entscheidende Weichenstellungen an. In den USA sind in 2001 schon zahlreiche Wagniskapitaltöchter und CVC-Programme eingestampft worden oder existieren nur noch auf dem Papier. Die Entwicklung fand jüngst mit dem Verkauf des Beteiligungsportfolios von Lucent Technologies an die Londoner Venture-Spezialisten Coller Capital einen weiteren Höhepunkt. Auch Deutschland steht vor Bereinigungen. "Viele Konzerne werden in 2002 ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet einstellen, denn die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück", schätzt Bernd Kreuter von der Beratungsgesellschaft Feri Alternative Assets.

Vor allem Branchendachfonds spekulieren darauf, eine größere Rolle im CVC-Markt zu spielen. Sie sehen sich als "Window on Technology" für Konzerne. Das heißt, Unternehmen können durch die Investition in Dachfonds die Risiken streuen und sich über den Fortschritt in ihrer Branchen informieren. Das sei ein großer Vorteil der Dachfonds im Vergleich zum Corporate Venturing, bestätigt Kreuter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%