Am Mittwoch entscheidet die Regulierungsbehörde über die Preise der Telekom
AOL kämpft um die Flatrate

Mit Ausdauer und Härte streiten Telekom und AOL über einen Pauschalpreis für die "letzte Internet-Meile" zum Kunden. Bislang berechnet die Telekom den Providern rund 1,5 Pfennig im Minutentakt.

tnt FRANKFURT/MAIN. Mit Spannung wartet die Internet-Branche auf die Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) über Großhandels-Pauschalpreise für Internet-Zugänge. Am morgigen Mittwoch entscheidet die Behörde über eine Beschwerde des Online-Dienstes AOL und des Netzbetreibers Mediaways.

AOL geht es dabei um die Einführung eines Pauschalpreises für die Nutzung des Telekom-Netzes auf der "letzten Meile" zum Kunden. Zwar bietet AOL seinen Kunden bereits eine sogenannte "Flatrate" zum Preis von 78 DM an. Für die Zeit, die diese Flatrate-Internet-Nutzer online sind, muss AOL laut Tarifmodell für Online Dienste (AfoD) rund 1,5 Pfennig pro Minute an die Deutsche Telekom bezahlen.

"Mit diesem Abrechnungsmodell lässt sich in Deutschland wirtschaftlich keine Flatrate anbieten, die von den Kunden auch tatsächlich nachgefragt wird", kritisiert Uwe Heddendorp, Geschäftsführer von AOL-Deutschland.

Vorbild Großbritannien

In Großbritannien hatte die Regulierungsbehörde Oftel bereits zur Jahresmitte dem britischen Ex-Monopolisten British Telecom die Einführung eines Pauschaltarifs für die Durchleitung der Internet-Daten vorgeschrieben. Seitdem gibt es im Vereinigten Königreich für die Internet-Provider die Möglichkeit zu festen Preisen vorher angemeldete Bandbreiten von der British Telecom zu mieten. AOL bietet britischen Internetnutzern eine Flatrate zum Preis von 14,99 Pfund an. Aufgrund befürchteter Engpässe im Netz galt das Angebot zunächst nur für die rund eine Million AOL-Altkunden. "Seit vergangener Woche steht unser Angebot jedoch allen Interessenten in Großbrittanien offen", sagt AOL-Europasprecher Matt Peacock. "Sollte der Regulierer die Telekom auf einen mit Großbritannien vergleichbaren Großhandelspreis verpflichten, werden wir innerhalb kurzer Zeit eine Flatrate zwischen 40 und 45 DM anbieten", kündigte AOL-Sprecher Carsten Meincke im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Die Telekom lehnt unterdessen die Einführung einer Großhandels-Flatrate für den Internet-Zugang über normale Telefonleitungen als nicht machbar ab. Angesichts bereits bestehender Engpässe im Telefonnetz wären Investitionen von mehreren Milliarden Mark erforderlich, sagte der für Regulierungsfragen zuständige Telekom-Manager Hans-Willi Hefekäuser. Die Zukunft liege in der breitbandigen DSL-Technik.

Für AOL-Chef Heddendorp sind die jüngsten Telekom-Äußerungen über technische Hindernisse wenig glaubwürdig: "Das Netz der Telekom gilt als das modernste Europas. Die Argumente der Telekom sind ein erneuter Beleg dafür, dass der Ex-Monopolist bei breitbandigen Internet-Zugängen mit allen Mitteln ein neues Monopol aufbauen will."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%