Am Mittwoch Gläubigertreffen: Banken bieten um Kirchs Springer-Anteile mit

Am Mittwoch Gläubigertreffen
Banken bieten um Kirchs Springer-Anteile mit

Die Dresdner Bank erwägt nach Handelsblatt-Informationen eine Gegenofferte für den 40-Prozent-Anteil, den die hoch verschuldete Mediengruppe Kirch am Axel Springer Verlag hält. Daneben sollen auch Credit Suisse First Boston und JP Morgan Chase Interesse signalisiert haben. Zugleich bestätigte am Mittwoch der am Neuen Markt gelistete Kommunikationsdienstleister Hunzinger, dass er Interesse an der Übernahme der zur Kirch-Gruppe gehörenden Nachrichtenagentur ddp habe.

HB/rtr FRANKFURT. Die Dresdner Bank reagiert mit ihrer Gegenofferte auf das Angebot der Hypo-Vereinsbank. Diese will Finanzkreisen zufolge gut 1,1 Milliarde Euro für das Springer-Paket zahlen, was die Kirch-Gruppe vorerst von drohenden Zahlungsengpässen befreien würde. An der Börse ist die 40-%-Beteiligung derzeit etwa 800 Mill. Euro wert. Die Dresdner Bank war am Mittwoch zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Deutsche Bank will der Kirch-Gruppe nach eigenen Angaben kein Angebot für ihre Beteiligung am Axel Springer Verlag machen. "Wir sind nicht im Bieter-Wettbewerb um das Springer- Paket", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Mittwoch in Frankfurt. Das Wall Street Journal Europe hatte zuvor berichtet, ein Angebot der Deutsche Bank-Tochter DB Investor liege über dem der Hypo-Vereinsbank. Die Deutsche Bank hat einen Kredit über rund 700 Mill. ? an die Kirch-Gruppe vergeben, der mit dem Springer-Paket besichert ist.

Schröder bevozugt deutsche Lösung bei Kirch-Rettung

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte während seiner Südamerika-Reise, er würde eine deutsche Lösung bei der Rettung der hochverschuldeten Kirch-Gruppe bevorzugen. Schröder sagte am Mittwoch auf dem Flug von Mexiko nach Brasilien: "Wenn es eine deutsche Lösung gibt, umso besser." Deutschland dürfe aber "nicht in den Geruch kommen, ausländische Investoren abzuschrecken". Schröder sagte weiter: "Ich bin kein Akteur bei der Rettung der Kirch-Gruppe, rede aber mit jedem."

Die finanziell angeschlagene Kirch-Gruppe bereitet indes mehr Banken Kopfschmerzen als bislang bekannt: Die Commerzbank zählt nach Informationen des Handelsblatts mit rund 300 Mill. Euro zu den großen Gläubigern. Bislang war in Kreisen des Instituts immer betont worden, es sei nicht signifikant finanziell engagiert. Zudem steht die Mediengruppe bei der DZ-Bank mit etwa 400 Mill. Euro in der Kreide. Die beiden Investment-Banken Lehman Brothers und JP Morgan Chase sind mit rund 250 und 750 Mill. Euro weitaus stärker engagiert als bisher bekannt. Für Mittwoch wurden nach Informationen aus Bankenkreisen die Vorstände der Gläubigerbanken zu einem Treffen eingeladen. Die Institute wollen sich einen Überblick über die tatsächliche Situation bei der Mediengruppe verschaffen.

Hunzinger bestätigt Gespräche über Nachrichtenagentur ddp

Der am Neuen Markt gelistete Kommunikationsdienstleister Hunzinger hat indes Gespräche mit der Kirch-Gruppe zur Übernahme deren Nachrichtenagentur ddp bestätigt. Beide Unternehmen sprechen nach Angaben von Firmenchef Moritz Hunzinger bereits über einen möglichen Eigentümerwechsel bei ddp. "Höchste Herrschaften von Kirch waren unlängst für Gespräche hier", sagte Hunzinger am Mittwoch. Er habe schon seit langem Interesse an ddp, fügte er hinzu. "Wir führen Gespräche immer nur mit dem Ziel, ein Ergebnis zu erreichen. Ich bin absolut optimistisch gestimmt, dass die Gespräche zu einem Ergebnis führen", sagte Hunzinger. Nach seinen Worten ergänzt sich ddp gut mit seiner international präsenten Foto-Agentur Action Press.

Ein Kirch-Sprecher hatte am Dienstagabend einen Bericht des "Platow Brief" zurückgewiesen, wonach Hunzinger mit Kirch über einen Kauf von ddp verhandelt. Hunzinger wolle die rote Zahlen schreibende Nachrichtenagentur für einen "eher symbolischen Betrag" übernehmen, hatte Platow berichtet. "Zu Preisen sage ich nichts und halte mich an abgegebene Vertraulichkeitsvereinbarungen", sagte Hunzinger nun. Bei ddp wollte zunächst niemand eine Stellungnahme abgeben.

ddp ist die Nachrichtenquelle für die Kirch-Sender

In der Vergangenheit war in den Medien bereits mehrfach über einen Verkauf der zur Kirch-Tochter Pro Sieben Sat.1 gehörenden Agentur spekuliert worden. Pro Sieben Sat.1 hatte dies allerdings dementiert. ddp dient Kirch unter anderem als Nachrichtenzulieferer für seine Sender ProSieben, Sat.1 und N24. Der Fernsehsender ProSieben hatte die mit der früheren DDR-Nachrichtenagentur ADN verschmolzene ddp 1999 vor dem Start des Nachrichtensenders N24 als Teil seines Multimedia-Konzepts übernommen.

Auf der Kirch-Gruppe lastet ein Schuldenberg von 6 Mrd. Euro. Auslöser der schweren Finanzkrise des Kirch-Konzerns ist eine Forderung der Springer AG. Sie verlangt rund 770 Mill. Euro für eine Beteiligung am Kirch-Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 zurück. Zudem will Rupert Murdochs Pay-TV-Sender BSyB seine Verkaufsoption ziehen und für 1,6 Mrd. Euro seine Anteile an Premiere World an Kirch zurückverkaufen.

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