Am Mittwoch viermal Bronze für deutsches Team
Erste Dopingfälle bei Paralympics

Auch die Paralympics bleiben nicht von Dopingfällen verschont, und wie bei der Olympiade sind Gewichtheber die Übeltäter. Die gute deutsche Stimmung konnte das aber nicht trüben.

HB ATHEN. Das Internationale Paralympic-Komitee (IPC) sprach gegen die Wiederholungstäter aus Aserbaidschan lebenslange Sperren aus. "Das bestätigt, dass es in einigen Ländern noch kriminelle Energie gibt und dort wenig kontrolliert wird", sagte Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Teams, am Mittwoch.

Für die erfolgreichen Leichtathleten gab es am fünften Wettkampftag in Athen durch Rico Glagla (Leipzig) mit der Kugel, Thomas Loosch (Wattenscheid) im Diskuswurf, Matthias Schröder (Berlin) über 100 m der Sehgeschädigten und Isabelle Förder (Eisenach) im 200-m-Lauf vier Mal Bronze. Insgesamt steht Deutschland mit neun Gold-, zwölf Silber- und 23 Bronzeplaketten gut da.

Den Sieg des oberschenkelamputierten Wojtek Czyz im 100-m-Finale am Dienstagabend wertete Quade als historisch: "Das ist die Königsdisziplin, die wir noch nie gewonnen haben." Der Wattenscheider gilt nun auch für den Lauf über die doppelte Distanz am Samstag unter den Augen von Bundeskanzler Gerhard Schröder als Favorit. "Ich danke allen, die an mich geglaubt haben, vor allem dem 1. FC Kaiserslautern, der für mich ein Benefizspiel veranstaltet hat", sagte der 24-Jährige am Morgen nach seinem furiosen Lauf.

Der talentierte Sportler wollte ursprünglich Fußball-Profi werden, bis ihm vor drei Jahren nach einer Verletzung das halbe Bein amputiert wurde. "Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken, als ich die Nationalhymne für ihn hörte", meinte Speerwerferin Steffi Nerius, die als Trainerin eines Kugelstoßers im Stadion war.

Auch die Schwimmer ließen aufhorchen: Nach einer Bronzemedaille erschwamm sich Kirsten Bruhn (Neumünster) nun Silber über 100 m Rücken, Natalie Ball (Greifswald/200 m Lagen) und Daniel Clausner (Leipzig/100 m Freistil) wurden Dritte. Nach den Männern buchten auch die Rollstuhl-Basketballerinnen nach dem 57:38-Erfolg gegen Mexiko das Ticket für das Viertelfinale. Im Sitzvolleyball musste Deutschland gegen Iran eine 0:3-Niederlage einstecken.

Die Sportart Gewichtheben mit ihrer behindertengerechten Disziplin Bankdrücken steht seit Sydney unter Beobachtung des IPC. Dort wurden neun Athleten erwischt. "Ich bin strikt dagegen, die Sportart aus dem Programm zu streichen, weil es einige schwarze Schafe gibt", betonte Quade. Gewichtheben ist besonders in den ärmeren Ländern weit verbreitet, weil es ohne große finanziellen Mittel betrieben werden kann. "Wichtig ist, dass hart bestraft wird, dass die Spielregeln eingehalten werden", sagte der Sportwissenschaftler.

Ohne zu zögern hatte das IPC die 28 Jahre alte Sara Abasowa und den drei Jahre älteren Gunduz Ismajlow von den Spielen ausgeschlossen. Sie wurden jeweils am vergangenen Samstag bei einer Trainingskontrolle des Dopings mit anabolen Steroiden überführt. Abasowa wurde positiv auf Nandrolon, Ismajlow auf Stanozolol getestet. Ismajlow war schon vor vier Jahren in Sydney die Goldmedaille nach einem Dopingbefund aberkannt worden. Bereits vor der Eröffnung der Paralympics war bekannt geworden, dass der kanadische Weltrekord-Sprinter Earle Connor positiv getestet worden war. Er durfte gar nicht anreisen.

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