Am Montag kommen die Aktien der Werbeagentur Scholz & Friends in den Handel
Scholz hat kaum Freunde an der Börse

Scholz & Friends strebt als erste Werbeagentur Deutschlands an die Börse. Die Analysten sind vom Erfolg der Aktie nicht überzeugt. Denn das raue Klima an den Kapital- und Werbemärkten behindert das Wachstum.

lip HAMBURG. Die Scholz & Friends AG (S&F), Berlin/Hamburg, wagt sich auf das Börsenparkett. Voraussichtlich am Montag können Anleger Aktien der ersten börsennotierten Werbeagentur Deutschlands am Geregelten Markt der Berliner Börse kaufen.

Die Nummer 7 der deutschen Werbebranche mit künftig 900 Mitarbeitern umgeht allerdings eine direkte Aktienplatzierung. Die Gesellschaft fusioniert mit der bereits am Neuen Markt gelisteten, aber mit 28 Mill. DM Umsatz deutlich kleineren United Visions Entertainment AG, Berlin, die sich auf die Produktion von TV-fähigen Events spezialisiert hat.

Der Grund: Für Scholz & Friends fand angesichts der Schwäche an den Kapitalmärkten sowie der gegenwärtig rückläufigen Werbekonjunktur in Deutschland und Europa keine Emissionsbank, die ein Going public begleitet hätte.

Die bereits Ende Mai angekündigte Verschmelzung hat den Aktienkurs von United Visions indessen erheblich belastet. Die Notierung halbierte sich zwischenzeitlich auf 4 Euro. Gestern sank der Kurs erneut um 2,75 % auf 4,95 Euro. Denn Börsenbeobachter bewerten die Aussichten für die neuen Aktien äußerst skeptisch. "Die Werbemärkte werden sich kurzfristig nicht erholen, wodurch Scholz & Friends im laufenden Jahr keinen Umsatzzuwachs aus dem operativen Geschäft erreichen dürfte", meint Thomas Haider, Analyst bei der Frankfurter DZ-Bank.

Der Fusionspartner United Visions leidet zudem unter dem rückläufigen Geschäft mit den öffentlichen-rechtlichen TV-Anstalten, ergänzt der Wertpapierspezialist. Er stuft die neue S&F- Aktie deshalb bereits auf "Verkaufen". Die Analysten der Bankgesellschaft Berlin, Marktbetreuer ("designierter Sponsor") von United Visions, lehnen jeden Kommentar über die Fusion ab.

Dass sich die Medienanalysten zurückhalten, liegt offenbar auch an den geplanten Kapitalerhöhungen der Werbeagentur. Sie belasten den Kurs und verwässern die Anteilsstruktur. "Wir machen die Kapitalmaßnahmen von der Entwicklung an der Börse abhängig", betont Vorstandschef Thomas Heilmann. Nähere Angaben will er nicht machen. Die Cordiant Communications plc, London/New York, die 76 % an S&F besitzt, werde aber weiterhin Mehrheitsaktionär blieben.

Heilmann plant in den nächsten Jahren die Akquisition von fünf bis sechs Agenturen. Damit folgt S&F verspätet dem Trend der deutschen Werbebranche, die sich internationalen Netzen angeschlossen hat, um ihren Kunden auf den Auslandsmärkten zu folgen.

Im Unternehmen haben Heilmann und der künftige zweite Vorstandschef, Sebastian Turner, zudem einen schweren Stand: Das Hamburger Stammhaus soll nach firmeninternen Informationen Bedenken haben, ob die Jungmanager die Etats des Kaffeerösters Tchibo und des Zigarettenkonzerns Reemtsma halten können. Keiner der beiden hat bislang Werbevolumina in solchen Größenordnung betreut.Wie sich Umsatz und Ertrag im nächsten Jahr entwickeln, will der Vorstand nicht sagen. Er geht aber davon aus, dass das Ergebnis 2002 durch verschiedene Faktoren belastet wird.

S&F setzte in 2000 rund 140 Mill. DM um, United Visions 28 Mill. DM. Ertragszahlen wurden von S&F nicht beziffert.

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