Am Montag weiter auf Talfahrt
T-Aktie mit neuem Tiefstand

Hiobsbotschaften bei dem angeschlagenen US-Riesen Worldcom, Ermittlungen der Europäischen Kommission gegen die Deutsche Telekom und schlechte Nachrichten aus der Branche lassen den Kurs der T-Aktie auf ein Allzeittief stürzen. An der geplanten Milliarden-Anleihe halten die Bonner aber bislang fest.

DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Mit 12,34 Euro ging die Aktie am vergangenen Freitag aus dem Handel, am Montag sank das Dax-Schwergewicht sogar vorübergehend auf 12,05 Euro - historischer Tiefstand. Grund für den neuerlichen Kurssturz ist eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit des zweitgrößten amerikanischen Telekom-Konzerns Worldcom durch Moody?s und Fitch.
Moody?s begründete den jetzigen Junk-Status (Schrott-Anleihen) mit der schlechten Geschäftsentwicklung und den hohen Schulden (29 Mrd. $). Analysten befürchten den Konkurs Worldcoms, weil das Unternehmen weitere Milliarden-Kredite benötigt. Angesichts einer Verschuldung von rund 65 Mrd. Euro geriet die Deutsche Telekom mit anderen europäischen Wettbewerbern unter Druck. Herabstufungen würden die Kredite verteuern.

Zudem belastet ein Verfahren der EU-Kommission den T-Aktienkurs. Brüssel wirft dem Ex-Staatsmonopolisten vor, von den Wettbewerbern für den Zugang zum Ortsnetz höhere Preise zu verlangen als von Konkurrenten. Ein Telekom-Sprecher bezeichnete die Vorwürfe als "nicht nachvollziehbar". Die Gebühren seien von der Telekom-Regulierungsbehörde in Bonn genehmigt worden.

Schließlich kritisieren Analysten, dass bei der Telekom Abschreibungen auf den Firmenwert der US-Mobilfunktochter Voicestream zu gering ausgefallen seien. Die Telekom nimmt solche Abschreibungen regelmäßig vor - und nicht auf einen Schlag, wie häufig an der Börse gefordert. "Wenn man radikal ist, könnte man auf Voicestream noch etwa 15 bis 17 Mrd. Euro an Goodwill abschreiben. Abschreibungsbedarf gibt es auch bei Debis, etwa 3 Mrd. Euro", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Doch damit würde zu offensichtlich werden, dass die Telekom einen zu hohen Preis für Voicestream und Debis gezahlt habe. Allerdings hätte ein solcher radikaler Schritt auch einen Vorteil: "Die Telekom könnte schneller ein positives Netto-Ergebnis vorlegen", so Rothauge, "vielleicht schon in 2004". Insgesamt sind bei der Telekom in 2001 Abschreibungen in Höhe von 15 Mrd. Euro angefallen. Für 2002 kündigte der Konzern eine ähnliche Summe an. Auch andere Telekomkonzerne waren bei Abschreibungen zurückhaltend. So hat France Telecom keine Goodwill-Abschreibungen auf ihre Mobilfunktochter Orange vorgenommen, die spanische Telefonica Moviles hat dies bei ihren UMTS-Lizenzen auch nicht getan.

Trotz des Kurssturzes hält die Telekom offenbar am Zeitplan für ihre milliardenschwere Anleihe-Emission fest. Noch im Mai soll ein 5 bis 8 Mrd. Euro schweres Paket auf den Markt kommen, hieß es in Bankkreisen. Allerdings dämpften Vertreter von Konsortialbanken am Freitag die Erwartung, dass die genauen Konditionen bereits Anfang dieser Woche festgelegt werden. Bis Freitag war die Telekom auf Werbetour in den USA. Annette Messemer von der Konsortialbank JP Morgan sprach von einem "erfolgreichen Verlauf" der Gespräche.

Telekom-Anleihen litten kaum unter der Herabstufung Worldcoms. Während Worldcom-Anleihen einbrachen, blieben T-Bonds im Wochenvergleich stabil. "Der hohe Anteil des Bundes an der Telekom wird fast wie eine Garantie gegen einen Bankrott gesehen", sagte LBBW-Analyst Stephan Molt. Daher sei es äußerst unwahrscheinlich, dass der Telekom das Gleiche passiert wie Worldcom.

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