Am Samstag erst 19 Prozent Beteiligung
Entscheidung der Litauer für Europa gilt

Bei der Volksabstimmung in der Ostsee-Republik Litauen zeichnete sich am Sonntag die allgemein erwartete Mehrheit für den EU-Beitritt ab. Nach offiziellen Angaben wurde am Nachmittag die für die Gültigkeit des Referendums entscheidende Marke von 50 Prozent Wahlbeteiligung überschritten.

Reuters VILNIUS. Umfragen vor der Abstimmung hatten ermittelt, dass zwei Drittel aller Litauer für den Anschluss an Europa sind. Experten erwarten eine rund 70-prozentige Zustimmung bei dem Referendum.

Nach einem eher zögerlichen Beginn am Vormittag habe die Beteiligung an der Volksabstimmung gegen Sonntagmittag deutlich zugenommen, sagte eine Sprecherin des zentralen Wahlausschusses in Vilnius (Wilna). Die Wahlbeteiligung sei gegen 14.00 Uhr knapp über die entscheidende 50-Prozent-Marke gestiegen. "Die letzten Zahlen zeigen, dass wir die 50-Prozent- Beteiligung geschafft haben, und dass wir gewinnen werden", sagte Vytenis Andriuskaitis vom Europa-Ausschuss des Parlaments. "Auch wenn der Tag noch nicht vorbei ist, sieht es so aus, als ob wir feiern könnten", hieß es beim Wahlausschuss. Damit das Referendum gültig ist, mussten mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben.

Im Vorfeld hatte es vielfach Bedenken gegeben, ob die Mindest-Wahlbeteiligung angesichts der allgemeinen Wahlunlust der Litauer überhaupt würde erreicht werden können. Am Samstag, dem ersten Wahltag, hatten bis zum Abend erst 19,8 Prozent der Stimmberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Nach Meinungsumfragen sind zwei Drittel der Litauer für einen Beitritt zur EU, lediglich 13 Prozent hätten sich offen dagegen erklärt. Offenbar hatten Fernseh-Berichte über die extrem schwache Wahlbeteiligung am Samstag bei vielen Litauern am Sonntag den Anstoß dazu gegeben, dann doch noch zur Urne zu gehen. Viele Gegner des EU-Beitritts dürften sich hingegen einfach der Abstimmung verweigert haben. "Die bürokratische Elite, die es schon in der Kommunistischen Partei war und die nun zum EU-Beitritt drängt, tut dies nur aus persönlichen Gründen", erklärte ein junger Historiker die Vorbehalte und das Misstrauen der Gegner. Die Kampagne für Europa sei unzureichend und auch zu abstrakt gewesen, wurde kritisiert.

Da die Wahllokale am Sonntag um 21.00 Uhr MESZ schließen, war mit dem Ergebnis erst in der Nacht zu Montag zu rechnen. Insgesamt sollen im Mai 2004 zehn überwiegend osteuropäische Länder der EU beitreten: Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Malta und Zypern. In diesem Jahr haben bereits die Wähler in Malta, Slowenien und Ungarn dem EU-Beitritt zugestimmt. In Kürze stehen die Entscheidungen der Bürger in Polen und der Slowakei an.

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