Am traurigsten war Italiens tragischer Held Antonio Cassano
Italiener sprechen offen von Betrug

Sie reden nach dem Wickinger-Coup von Sie reden von "Weltskandal" und von "Betrug" statt sich an die eigene Nase zu fassen: Die Azzurri erweisen sich am Tag nach ihrem enttäuschenden WM-Aus als schlechte Verlierer. Bis auf einen: Der "Maestro" bewies auch in seiner vielleicht schwersten Stunde als italienischer Nationalcoach Größe.

HB GUIMARAES. "Das ist ein Weltskandal", bezichtigte Torwart Gianluigi Buffon Dänemark und Schweden in der "La Gazzetta dello Sport" offen des Betrugs. "Ich glaube sie wollten Unentschieden spielen, auch wenn sich eine Abmachung nur schwer beweisen lässt", behauptete auch Italiens Fußball-Verbandspräsident Franco Carraro. In einem dramatischen Gruppenfinale hatten die Skandinavier mit ihrem 2:2 den 2:1-Sieg des Vize-Europameister gegen Bulgarien in Guimaraes in letzter Sekunde wertlos gemacht, gemeinsam die Viertelfinal-Tickets gelöst, Italien aus dem Turnier geworfen und Trainer Giovanni Trapattoni in Rente geschickt.

Der nach dem Vize-Europameistertitel 2000 für Dino Zoff angetretene "Maestro" bewies bei seinem traurigen Abschied wenigstens "Grandezza": "Wir hegen keinen Verdacht gegen die Skandinavier und gehen erhobenen Hauptes", sagte "Trap", der nach der WM-Blamage vor zwei Jahren und der Pleite in Portugal noch in dieser Woche von Marcello Lippi abgelöst werden soll. Anders als die tief enttäuschten "Azzurri" im strömenden Regen von Guimaraes traten die Zeitungen in der Heimat genauso wenig nach wie "Trap": "Das 2:2 war Zufall, sie haben fair gekämpft", sah der "Corriere dello Sport" wie die meisten Beobachter beim Skandinavier-Derby in Porto keinen Betrug. Die zum zweiten Mal nach 1996 schon in der EM-Vorrunde gescheiterte "Nazionale" wurde dagegen "als die schlechteste Mannschaft seit Jahrzehnten" mit vernichtender Kritik empfangen. "Das ist Eure gerechte Strafe", titelte "Tuttosport".

In Portugal lösten die Betrugsvorwürfe des dreifachen Weltmeisters Verwunderung aus. "Es gibt keine Ermittlungen, weil beim 2:2 alles fair abgelaufen ist", erklärte Uefa-Sprecher Robert Faulkner. "Ich kann das ganze nicht mehr hören", sagte Dänen-Couch Morten Olsen. Offiziellen Protest haben die Italiener nicht eingelegt. Die Uefa prüft aber die Betrugsvorwürfe von Carraro, die für Italiens Verbandschef noch Konsequenzen haben könnten.

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