Amateur-Coach Hörster neuer Trainer: Toppmöller muss gehen

Amateur-Coach Hörster neuer Trainer
Toppmöller muss gehen

Bayer 04 Leverkusen hat das Lavieren in der Trainerfrage beendet und Chefcoach Klaus Toppmöller entlassen. "Wir bedauern die Entscheidung, weil er den Verein dank erstklassiger Arbeit in der letzten Saison in die internationale Spitze geführt hat", erklärte Bayer-Manager Reiner Calmund am Sonntag. Angesichts der durch das 1:2 gegen Hansa Rostock verlängerten Negativserie und der akuten Abstiegsgefahr sei "keine andere Wahl" geblieben.

HB/dpa LEVERKUSEN. Am Dienstag wird Bayer-Amateurtrainer Thomas Hörster im Champions- League-Spiel gegen Newcastle United auf der Bank sitzen. "Dass Hörster auch am Samstag bei Hannover 96 verantwortlich sein wird, ist sehr wahrscheinlich", kündigte Calmund indirekt eine Dauerlösung an.

Zu Spekulationen, ob Hörster mit Otto Rehhagel noch ein erfahrener Mann auf dem Sportdirektor-Posten zu Seite gestellt werden könnte, antwortete er ausweichend: "Ich habe Verständnis dafür, dass die Mechanismen der Branche greifen. Doch es wäre respektlos gegenüber den betroffenen Personen, dies mitzumachen." Rehhagel ist zur Zeit Nationaltrainer Griechenlands. Ex-Meistercoach Udo Lattek, der einst mit Matthias Sammer Borussia Dortmund vor dem Absturz rettete, warnte jedoch: "Rehhagel ist kein Freund der Presse, der fährt in Leverkusen voll gegen die Pumpe."

Nach der Entlassung von Andreas Brehme beim 1. FC Kaiserslautern in der Hinrunde sorgte Leverkusen für den zweiten Trainer-Rauswurf der laufenden Saison. Toppmöller verließ nach einem rund zweistündigen Gespräch die BayArena am Sonntag um 12.35 Uhr mit seinem Wagen -, ohne einen Kommentar abzugeben. Schon vor der nun vollzogenen Trennung, die ihm mit einer Abfindung von geschätzten 1,25 Mill. ? erleichtert wird, wurde er als Nachfolger von Wolfgang Wolf beim VfL Wolfsburg ins Gespräch gebracht.

Der neue Bayer-Chefcoach Hörster kennt den Verein in und auswendig. 1977 wechselte er als 21-Jähriger nach Leverkusen, bestritt dort zwischen 1979 und 1991 332 Bundesligaspiele, gewann 1988 mit dem Verein den UEFA-Cup und spielte vier Mal in der Nationalmannschaft. Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er Trainer im Jugendbereich, holte im Juli 2000 die deutsche A-Jugendmeisterschaft und übernahm ein Jahr später die Regionalliga-Mannschaft von Bayer. Der frühere Nationalspieler wohnt wenige Minuten von der BayArena entfernt mit Spielern der B-Jugend in einer Wohngemeinschaft. "Er ist ein guter Taktiker und erstklassiger Trainer", lobte Calmund seinen neuen Hoffnungsträger.

Nach dem 1:2 gegen Hansa Rostock, der fünften Niederlage hintereinander und der elften in 21 Spielen, schrillen alle Alarmglocken am Rhein. Selbst Toppmöller, der Bayer zur Vizemeisterschaft und ins Champions-League-Finale und neun Monate später in den Bundesliga-Abgrund führte, befand bei seiner Abschiedsvorstellung: "Wir sind fast in der Hölle gelandet."

Dass die Trennung von Toppmöller, dem 14. Trainer seit dem Bundesliga-Aufstieg 1979/80, kein Allheilmittel ist, um die völlig desolate Werkself wieder auf Erfolg zu trimmen, weiß auch Calmund. "Neben dem Absturz und der langen Negativserie sorgen wir uns um die Verfassung der Mannschaft. Im Vergleich zum Spiel in Bochum vor einer Woche war es gegen Hansa ein sportlicher Erdrutsch", sagte er zu dem verheerenden Auftritt. "Sie wollen, können aber nicht."

Zwei katastrophale Fehler von Neuzugang Cris und Nationalspieler Carsten Ramelow machten für Rostocks Stürmer Bachirou Salou (35./41.) den Weg zum Doppel-Pack und zum Sieg frei. Marko Babic (38.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen. Dass Ramelow, einer der zuverlässigsten Stammkräfte der vergangenen Jahre, ausgepfiffen und ausgewechselt wurde, ist ein weiteres Symptom der schweren Bayer - Krise. "Wenn sogar so wichtige und charakterlich einwandfreie Spieler wie Ramelow, der auch noch Kapitän ist, ausgepfiffen werden, ist das ein Zeichen", sagte Calmund.

An die Champions League verschwendet der mächtige Manager angesichts des Existenzkampfes kaum einen Gedanken. "Newcastle interessiert mich nicht mehr. Das A und O ist die Bundesliga. Da geht es um die Existenz", sagte Calmund, der für sich selbst keinen Anlass sieht, Konsequenzen aus dem sportlichen Erdrutsch zu ziehen: "Das kommt null Komma null, null, null nicht in Frage." Auch die Bayer AG stehe zu ihm. "Da gibt es keine Kritik", erklärte er und fügte kämpferisch hinzu: "Ich werde die Ärmel hochkrempeln und das Schiff nach vorne bringen."

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