Ambitioniertes Managerteam
Mit Erfolg in die Röhre gucken

Wer Eimutis Zvybas nach der Strategie seines Unternehmens fragt, bekommt eine verblüffend klare Antwort: "Wir wissen, wie man Farbbildröhren herstellt und wollen zu den Größten dieser Branche gehören." Diese einfache Maxime verfolgt die litauische Firma Ekranas seit 13 Jahren.

PANEVEZYS. Das Unternehmen in Panevezys, 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Vilnius, produziert heute täglich 10 000 Bildröhren für Farbfernseher, rund 85 % davon für den Export. Mit 3 700 Angestellten gehört Ekranas zu den größten Arbeitgebern im Land. Das ist die Bestätigung für die konsequente Linie, die ein Team junger Manager nach der Wende verfolgte.

Denn 1991, als Litauen seine Souveränität wiedergewann, sah es für den früheren sowjetischen Staatsbetrieb Ekranas gar nicht gut aus. Der Absatzmarkt in der Sowjetunion brach weg. Hyperinflation und Bankenkrise drohten das Unternehmen in den Ruin zu treiben. "Selbst der damalige Premier war überzeugt, Ekranas sei tot", erinnert sich Firmenchef Zvybas, 45, der 1980 dort als Ingenieur begonnen hatte.

Er war Mitglied eines Teams von elf jungen Führungskräften, die trotzdem fest an die Zukunft des Unternehmens glaubten: Bei der Privatisierungsausschreibung erwarben sie die Zweidrittel-Mehrheit der Aktien - als einzige Bieter. Die jungen Leute wussten um ein Produkt, für das sie eine Marktchance sahen. "Ekranas hatte noch zur Sowjetzeit 1989 den Auftrag zur Produktion einer modernen 14-Zoll-Farbbildröhre bekommen", erzählt Zvybas: "Im Westen gab es für solch ein Produkt eine große Nachfrage."

Zvybas und seinen Leuten gelang es, westliche Geschäftspartner zu finden. Sie boten ihnen Anteile an Ekranas im Tausch gegen Waren, die zur Bildschirmproduktion benötigt wurden. Über die Geschäftspartner kamen sie auch an Kredite ausländischer Banken. Denn in Litauen war es zu jener Zeit unmöglich, ein Darlehen zu bekommen.

"Die ausländischen Banken drängten darauf, dass wir unsere Rentabilität schnell auf West-Niveau bringen - das war ein Segen", sagt Zvybas. Als 1997 in Westeuropa die Nachfrage nach 14-Zoll-Bildröhren langsam zurückging, zog Ekranas Konsequenzen: Fortan erwies sich eine neue 22-Zoll-Farbbildröhre als Marktrenner.

Stolz führt Virginius Silkartas die nagelneue, vollautomatisierte Anlage vor, die nun 22-Zoll-Bildröhren mit grünem, rotem und blauem Phosphor beschichtet. "Wir brauchen nur fünf Leute, um das alles zu bedienen", brüllt der Ingenieur gegen den Maschinenlärm an. Die Beschichtungsanlage sei gerade erst im Sommer installiert worden - eine Investition von 15 Mill. Litas (4,3 Mill. Euro).

"Jedes Jahr versuchen wir, ein bisschen besser zu werden", fasst Eimutis Zvybas die Philosophie des Firmenmanagements zusammen. "So kommen wir voran." Die Bildröhren aus Litauen werden unter anderem in Fernsehgeräte der Hersteller Sanyo, Daewoo und Westel und Beka installiert.

Für das litauische Unternehmen werde sich durch den EU-Beitritt wirtschaftlich nur wenig ändern, schätzt der Ekranas-Chef: "Wir sind ja auch jetzt schon in Westeuropa im Geschäft."

Auch wenn in seinem Büro bereits ein futuristischer Fernseher mit Kristall-Flachbildschirm hängt, setzt Zvybas weiter auf die Produktion herkömmlicher Farbbildröhren: "Die sind besser und billiger. Außerdem wollen wir uns auf unsere Kompetenz konzentrieren." Doch das bedeutet keinesfalls Stillstand: Zurzeit basteln Ekranas und Hitachi an einem Großbildschirm - in herkömmlicher Technik, aber flacher. Zvybas ahnt: Nur durch Wandel wird Ekranas bestehen.

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