American Express gehört zu den Top-Finanzwerten – Zweistellige Wachstumsraten
AmEx macht Kreditkarten zu Gold

Die Erfolge des Finanzdienst- leisters American Express können sich sehen lassen. Analysten halten die Aktie für solide - aber auch für recht teuer; Kurspotenzial sei nur begrenzt vorhanden.

NEW YORK. "Unser Unternehmen hat es schon weit geschafft. Aber wir müssen unsere Ergebnisse immer noch dramatisch verbessern", sagte der zweite Mann und Anwärter für den Chefsessel bei American Express, der 49-jährige Ken Chenault, als er Ende 1998 sein Amt als Betriebschef des Konzerns übernahm. Das US-Wirtschaftsmagazin Business Week widmete damals dem ersten Afro-Amerikaner in dieser Position eine ganze Titelgeschichte. Schließlich hatte er bereits als Chef des Kreditkartenbereichs Anfang der 90-er Jahre mit radikalen Kosteneinsparungen, Entgegenkommen gegenüber den Vertragsgeschäften und einer konsequenten Marketingpolitik wesentlich zur Kehrtwende des damals kränkelnden Konzerns beigetragen.

Die Aktie gilt als relativ teuer

Chenault hat bis jetzt auch in seiner neuen Position gehalten, was er versprach: Die Kreditkartenorganisation und größte Reiseagentur der Welt hat zuletzt in allen Bereichen zweistellige Wachstumsraten vorgelegt. Der Name American Express fällt meist als einer der ersten, wenn Portfoliomanager und Marktstrategen der Wall Street über attraktive Finanzwerte reden. Allerdings ist die Aktie - wie die meisten Finanzwerte - zins- und konjunkturempfindlich. Derzeit gilt das Papier zudem als vergleichsweise teuer. Analysten empfehlen es eher als mittelfristige Anlage, die jeder US-Investor in seinem Portfolio haben sollte.

Als herausragende Stärke des 1850 gegründeten Unternehmens, das auch im Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte vertreten ist, gilt die konsequente Verwertung des erstklassigen Markennamens in einem immer größer werdenden Sortiment von Produkten und Serviceleistungen. Hinzu kommt die internationale Ausrichtung, die American Express weniger von der sich möglicherweise bald abkühlenden US-Binnenkonjunktur abhängig macht und stärker am Wachstum in asiatischen und europäischen Märkten teilhaben lässt.

Mit drei unterschiedlichen, aber verwandten Geschäftsbereichen ist American Express weniger von den Einflussfaktoren eines einzigen Produkbereichs abhängig. Neben dem Reiseservice, zu dem die Kreditkarten, der Vertrieb von Reiseschecks und die Abwicklung von Reisen gehören, betreibt American Express eine Bank und bietet einen umfassenden Investmentberatungs- und Portfoliomanagement-Service.

Der Reiseservice trägt dabei mit einem Anteil von rund 70 % am stärksten zum Unternehmensumsatz bei. Dank eines geschickten Bonus-Programms und der Entwicklung neuer Produkte hat sich der Umsatz mit American-Express-Karten im ersten Quartal 2000 um stattliche 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Dabei stieg das Volumen pro existierender Karte um 11 %, der Rest kam von neuen Produkten. Zu den traditionellen Karten wie der Gold- und der Platinum-Card für höhere Einkommen ist im Privatkunden-Bereich beispielsweise die Blue Card hinzugekommen. Diese dürfte als gebührenfreie Karte mit speziellem Internet- Einkaufsservice jüngere Käuferschichten ansprechen.

Bemerkenswert ist auch die Entwicklung im Geschäftskundenbereich. American Express bedient 70 % der in der Fortune 1 000 Liste aufgeführten US-Spitzenunternehmen, dazu kommen über zwei Millionen mittlere und kleine Unternehmen. Die Firmen erhalten eine Rundum-Betreuung: von der Firmen-Kreditkarte über die Abwicklung von Firmenkundengeschäften per Internet, der Organisation von Dienstreisen bis zur Vermögens-Verwaltung der Pensionskasse. "Dank des Verkaufs von weiteren American-Express-Produkten innerhalb des bestehenden Firmenkundensegments setzt sich das rasche Wachstum in diesem Kundenbereich fort", meint Wertpapieranalyst Michael Hughes von der Investmentbank Merrill Lynch.

Es war in erster Linie Betriebschef Chenault der das Konzept auf den Plan gebracht und umgesetzt hat. Er gilt auch als geschickt im Umgang mit Menschen.Chenault wird aller Voraussicht nach den 61-jährigen Vorstandschef Harvey Golub im Jahr 2004 ablösen.

Das Team Golub-Chenault kann sich mit seinen Ergebnissen sehen lassen. Im 1. Quartal 2000 verbesserte sich der Gewinn des American Express Konzerns um 14,2 % auf 656 Mill. $, der Umsatz erhöhte sich um 16,2 % auf 5,7 Mrd. $ gegenüber der Vorjahreszeit. Wertpapieranalyst Bradley Berning von der Investmentbank USBancorp Piper führt das nicht nur auf das bessere Weltwirtschaftswachstum zurück, sondern auch auf die verstärkten Marketingbemühungen des Konzerns. Berning hat die Aktie auf der Liste seiner Kauf-Empfehlungen, beurteilt sie allerdings nicht als Top- Kauf. "American Express ist solide, aber eher etwas für mittelfristig orientierte Anleger", sagt er.

Kein großes Potenzial für Kurssteigerungen

Jennifer Scutti vom Brokerhaus Prudential Securities hat das Papier nur als "Halten" eingestuft, nicht als "Kauf". "Trotz der günstigen Aussichten des Unternehmens, glauben wir, dass die Aktie derzeit kein großes Kurssteigerungs-Potenzial hat", glaubt sie. Es fehle ein überzeugender Anreiz, das Papier neu zu bewerten. Das bedeutet, dass American Express einfach schon ziemlich teuer ist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 liegt die Aktie deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Scutti nennt ein Kursziel von 53 $, Berning setzt als Zielpreis 55 $ an. Michael Hughes ist mit 57 $ noch etwas optimistischer. Derzeit kostet die Aktie um 49 $.

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