American Express profitiert von dem Urteil
Rechtliche Schlappe für Visa und Mastercard

Der Fall ist für die amerikanische Kreditkarten-Industrie so bedeutsam wie das kartellrechtliche Verfahren gegen Microsoft in der Software-Industrie: In einem 150-seitigen Urteil hat eine Bezirksrichterin in New York entschieden, dass es US-Banken gestattet sein muss, künftig neben Mastercard oder Visa-Kreditkarten auch Konkurrenz-Produkte wie American Express oder Discover auszugeben. Das könnte die US-Kreditkarten-Industrie neu aufmischen, urteilen Experten. Bislang hatten Banken nämlich Exklusiv-Verträge mit Mastercard oder Visa abgeschlossen. Der Konkurrenz blieb die Koppelung mit Kundenkonten verwehrt.

NEW YORK. Die US-Kartellbehörden hatten die Klage bereits vor drei Jahren eingereicht. Und nach einer wochenlangen Anhörung im Sommer 2000 dauerte es dann noch einmal länger als ein Jahr, bis Richterin Jones den Fall entschieden hatte. Ein kompliziertes Verfahren bei dem die Liste der Zeugen fast doppelt so lang war wie im Microsoft-Verfahren.

Die Vorstandsmitglieder von American Express hatten vor allem beklagt, dass ihnen die Dateien sämtlicher Bankkunden verwehrt bleiben, ein besonders leicht zu akquirierendes Neugeschäft, das gleichzeitig eine einfache Überprüfung der Kreditwürdigkeit gestattet. 75 % aller in den USA kursierenden Kreditkarten werden von den eng mit den Banken verwobenen Visa - oder Mastercard-Organisationen ausgegeben. American Express hält 19 %, den spärlichen Rest teilen sich die Kreditkartenorganisation der Investmentbank Morgan Stanley, Discover und Diners Club.

Die Beweisführung der Kartellbehörde belege klar, dass die Ausschlussregelungen der Angeklagten negative Folgen für Wettbewerber und Konsumenten habe, schrieb Richterin Barbara Jones in ihrem Urteil. Allerdings bezweifeln Fachleute, ob die US-Konsumenten jetzt mit günstigeren Kreditkarten-Konditionen rechnen können. Der Zins- und Gebührenwettbewerb gilt bereits als so intensiv, dass kaum Spielraum bleibt. Doch könnten Kunden nun mit technischen Neuerungen und Kartenmodellen rechnen, die spezielle Serviceleistungen der Bank mit denen der Karten-Organisation kombinieren. Beispielsweise kann American Express jetzt am rasch wachsenden Markt der "Debit Cards" teilhaben. Dabei ist der Gesellschaft - wie in Deutschland längst üblich - erlaubt, fällige Kundenzahlungen im Kontoabzugsverfahren abzubuchen. Bis jetzt müssen US-Kunden allmonatlich einen Scheck schreiben.

"Die Entscheidung ist eine echte Niederlage für Visa und MasterCard", sagte American Express Vorstand Ken Chenault. Analysten glauben, dass American Express mit der Entscheidung in einer schwierigen Situation gestärkt wird. Der Konzern ist nach dem Anschlag auf das Word Trade Center für Monate aus seinem direkt angrenzenden Hauptquartier verbannt, zudem leidet er wegen seiner Spezialisierung auf Geschäftskunden stärker unter der Rezession als die Konkurrenz. Und Fehlspekulationen bei Hochzins-Anleihen haben ihn mehrere hundert Millionen Dollar gekostet. "Wenn Visa und Mastercard jetzt keine Berufung einlegen, ist das Urteil für American Express sehr positiv", glaubt Analyst David Hochstim von Bear Stearns.

Visa und Mastercard prüfen Revision

Unterdessen wollen Visa und Mastercard ihre Chancen prüfen und ggf. in die Revision gehen. Vorstandsmitglied Noah Hanft von Mastercard International glaubt, dass die Entscheidung dem Konsumenten schaden werde, weil Mastercard und Visa unzählige kleinere Banken unterstützten, während sich American Express voraussichtlich nur auf lukrative Verträge mit Großbanken konzentriere.

Im Kreditkartengeschäft der Banken hat in den letzten Jahren eine massive Konzentration stattgefunden. Die Banken Citigroup, Banc One und MBNA geben gemeinsam 62 % aller Kreditkarten aus; 1995 betrug ihr Anteil erst 40 %. In den USA kursieren mehr als 500 Millionen Kreditkarten mit Außenständen von 600 Mrd. $. Das Volumen hat sich in zehn Jahren verdreifacht.

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