American View
Amerika braucht ein neues Denken

Die Debatte um die amerikanische Außenpolitik, die der Präsidentschaftswahlkampf wieder stärker in die Öffentlichkeit gerückt hat, ist zwar begrüßenswert, verläuft aber leider nach hinten gerichtet.

Die Debatte um die amerikanische Außenpolitik, die der Präsidentschaftswahlkampf wieder stärker in die Öffentlichkeit gerückt hat, ist zwar begrüßenswert, verläuft aber leider nach hinten gerichtet und geht ungefähr so: John Kerry sagt, George Bush hätte nie in den Irak-Krieg ziehen sollen. Bush sagt, Kerry solle lieber still sein, schließlich habe er als Senator den Krieg autorisiert. Bush sagt, wir können uns jetzt sicherer fühlen als vor dem Krieg. Kerry sagt, wir sind keineswegs sicherer, dafür aber ärmer.

Das überhitzte Gerede, ob der Irak-Krieg ein Fehler war, drängt eine wichtigere Frage in den Hintergrund: Ob wir uns in einen historischen Zivilisationskampf mit der muslimischen Welt befinden und, wenn ja, wie dieser zu lösen ist. Wir haben zwar so etwas wie einen Strategieansatz für den Irak und auch Pläne für die Abwehr von Terrorangriffen, aber es gibt nichts dazu, wie mit einem Kampf der Zivilisationen umzugehen ist.

Das einzige, was Bush in seiner Nominierungsrede zu dem Thema zu sagen hatte, war, dass die Demokratisierung des Irak die militanten Islamisten schwächen werde. "Männer und Frauen mit Hoffnung, Sinn und Würde binden sich keine Bomben um", sagte er. Dies verdeutlicht, wie Amerika den Kampf gegen militante Islamisten mit dem Kampf gegen den Terror verwechselt.

Amerika braucht ein neues Denken. Die alte Analyse des "Islamischen Extremismus" muss abgelegt werden, zusammen mit einem Großteil des Vokabulars, mit dem wir Amerikaner die Bedrohung beschreiben. Ein guter Anfang ist der Abschlussbericht der 9/11-Kommission - nicht wegen seiner Beschreibung der Terrorattacken, sondern weil er uns Amerikanern die Motivation Osama bin Ladens und seiner Anhänger erklärt.

Bin Ladens Traum ist nicht, Amerika zu erniedrigen oder die Regierungen in Saudi-Arabien, Ägypten oder Jordanien zu stürzen. Sein Ziel ist größer: Er will diese Regierungen abschaffen und deren Nationalstaaten gleich mit. Sein Traum ist eine neue Weltordnung, die Vereinigung von Milliarden Muslime unter einem neuen Kalifat, das all jene anspricht, die sich nach der Ordnung einer alten, verloren Welt sehnen. Da es ihm um die Abschaffung der Nationalstaaten geht, und da die USA diese Nationalstaaten unterstützen, ist der erste logische Schritt, Amerika lahm zu legen, so der 9/11-Bericht.

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