American View
Auch der Irak verdient die Hilfe von Demokraten

Westliche Regierungen unterstützen die Opposition, Medien rund um die Welt sympathisieren mit dem Wunsch der Ukrainer nach Freiheit und Selbstbestimmung. Wird es den Irakern, die einen Monat später als die Ukrainer wählen werden, auch so gehen?

In der Ukraine werden die Bürger am kommenden Wochenende an den Wahlurnen die "orangene Revolution" vollenden. Westliche Regierungen unterstützen die Opposition, Medien rund um die Welt sympathisieren mit dem Wunsch der Ukrainer nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Wird es den Irakern, die einen Monat später als die Ukrainer wählen werden, auch so gehen? Nachdem das ukrainische Erlebnis zum demokratischen Musterfall geworden ist, liegt die Überlegung nahe, ob der Irak mit seinen Wahlen ähnlich gute Aussichten hat. Wladimir Putin bezweifelt das - doch er ist kein großer Experte für freie Demokratie.

Adrian Karatnycky, dessen Organisation "Freedom House" jährlich die demokratischen Entwicklungen in einem Bericht zusammenstellt, und der ukrainischer Herkunft ist, sieht einen wichtigen Unterschied zwischen dem Irak und der Ukraine: Die Gerichte funktionieren zwar im Irak ebenso wie in der Ukraine. Aber die Richter im Irak müssen ständig um ihr Leben fürchten. "Es ist sehr schwer, demokratische Institutionen aufzubauen, wenn die Instabilität so groß ist wie im Irak", sagt Karatnycky. Genauso wichtig ist eine gesunde Mittelklasse - "unabhängige wirtschaftliche Kräfte, die Politische Parteien gründen, finanzieren und aufrecht erhalten können."

Neben der viel besprochenen Instabilität im Irak findet die zunehmende wirtschaftliche Vitalität und Stabilität wenig Beachtung. "Bagdad boomt", sagt Mohammed Fadhil Ali, der mit seinen zwei Brüdern das Web-Log Iraqthemodel.com unterhält, und das "Wall Street Journal" besuchte, um die Zukunft des Iraks zu diskutieren. Wie auch andere Experten betonen sie, dass die Mehrheit der Iraker tendenziell keine islamistischen Religions-Parteien wählen. Das abschreckende Beispiel des Mullah-Regimes im Iran zeigt Wirkung. Diese Haltung hat sich bereits in abgehaltenen Wahlen im Irak gezeigt: In einer lokalen Wahl im vergangenen Jahr in Nasirija gingen die meisten Stimmen an Lehrer, Ingenieure und andere Professionelle, nicht an Imame und islamistische Parteien. Die Leute auf der Straße denken unabhängig. "Wir Iraker trauen jetzt sowieso keiner Regierung", sagt Mohammed, auch wenn das öffentliche Ansehen von Premierminister Allawi gestiegen ist, nachdem er im schiitischen Nadschaf und dann im sunnitischen Falludscha "aufgeräumt" hat. Positiv ist auch, dass sich die Wahllisten, die zurzeit aufgestellt werden, durch bemerkenswerte Vielfalt auszeichnen. Die meisten Parteien verfolgen die Strategie, viele Ethnien, Religionen und beide Geschlechter zu vereinen.

Eine "orangene Revolution" auch im Irak? Die Ukraine ist nicht der Irak. Und der Irak ist nicht Afghanistan. Der Weg zu demokratischer Reife ist nie der selbe. Jede dieser Wege erfordert die Bereitschaft, die Unsicherheit und den Tumult zu meistern, die der Selbstbestimmung vorhergehen. Ob Ukrainer oder Iraker: Diese Menschen verdienen die Unterstützung all jener Nationen und Menschen, die bereits sicher im demokratischen Hafen angelegt haben.

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