American View
Der Dollar – Problem und Lösung der Schieflage

Der Dollar fällt weiter, und der Euro steigt. Allein seit August hat die US-Währung neun Prozent an Wert verloren. So lauten derzeit die erschreckenden Schlagzeilen. Dabei ist der Dollar nur das Symptom eines globalen Problems - und er ist gleichzeitig Teil der Lösung.

Das Problem ist, dass die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wir Amerikaner kaufen wie die Weltmeister von Ländern, die mehr produzieren als sie benötigen. Gleichzeitig leihen uns diese sparsameren Länder - vor allem asiatische Länder - täglich 1,8 Mrd. Dollar. Bisher haben sich alle Beteiligten damit gemütlich eingerichtet: Wir Amerikaner können jenseits unserer Verhältnisse leben. Unsere Zinsen sind niedrig, da Ausländer gern in US-Staatspapiere investieren und damit das US-Defizit decken. Die Möglichkeit, Schulden zu machen, ohne steigende Zinsen zu verursachen, war für die Bush-Regierung bisher die Rettung: Sie konnte die Rüstungs- und Sozialausgaben aufblähen, ohne dies über höhere Steuern finanzieren zu müssen.

Auch unsere Freunde jenseits des Atlantik waren zufrieden: Der Export hat den Europäern mit ihren notorisch kaufunlustigen Verbrauchern und inflationsängstlichen Zentralbankern wenigstens etwas Wirtschaftswachstum beschert. Japan konnte sich durch Exporte in die USA über seine Stagnation hinweg retten. China profitiert vom Export in die USA und koppelt seine Währung noch an den niedrigen Dollar, um den Exportfluss in die USA zu fördern.

Doch jetzt, wo der Dollar an Wert verliert, wird klar, dass das Ausland immer unwilliger wird, weiter wachsende Dollar-Bestände zu halten. Das sieht auch der Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan so, auch wenn er Panikmache vermeidet. Die Differenz zwischen US-Exporten, Importen und US-Schulden wird in historischer Betrachtung ungemütlich groß. Rund 670 Mrd. Dollar Schulden werden die USA wahrscheinlich in diesem Jahr beim Rest der Welt aufnehmen, schätzt die OECD. Das bedeutet ein Defizit-Rekord von 5,7 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP), also doppelt so viel wie Ökonomen für wirtschaftlich vertretbar halten. Selbst in den verschwenderischen 80-er Jahren war das US-Defizit nie größer als 3,3 Prozent des BIP.

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