American View
Europa sollte sich nicht zu früh auf Kerry freuen

Viele Europäer knüpfen ihre Hoffnungen für eine Verbesserung des transatlantischen Klimas an den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry. Wenn erst mal ein anderer Präsident ins Weiße Haus eingezogen ist, dann klappt's auch wieder mit der europäisch-amerikanischen Freundschaft.

Doch Europa sollte sich nicht zu früh freuen. Denn die Interviews, die Kerry zurzeit vielen europäischen Zeitungen gibt, sind nur die eine Seite John Kerrys. Eine andere konnte man in seinen Wahlkampfreden in "Middle America" - dem Amerika, das nicht in den liberalen Metropolen der Ost- und Westküste lebt. Dort konnte man während seiner Wahlkampftour den Kerry kennen lernen, der sich geradezu in Fremdenfeindlichkeit übt.

Hier zeigte Kerry eine erschreckend negative Einstellung gegenüber Globalisierung und unseren ausländischen Handelspartnern. Im Kampf um die Gunst der US-Arbeiter beklagt Kerry hier gern, dass von den Werkbänken dieser Welt Unheil für Amerika ausgeht. Die Sache ist klar: Ausländer drängen uns ihre Mobiltelefone auf und sind hinter unseren Sojabohnen her.

Um die Position der USA im globalen Wettbewerb zu verbessern, fordert Kerry er die Wiederbelebung eines alten Gesetzes ("Super 301"), das unserem Handelsbeauftragten mehr Macht gibt, andere Länder zur Öffnung ihrer Zollgrenzen für US-Waren zu zwingen. Absurd ist auch ein anderer Vorschlag, Gewinne, die im Ausland erwirtschaftet werden, höher zu besteuern und dafür die Unternehmenssteuer insgesamt etwas zu senken.

Dies richtet sich gegen jene Unternehmer, die Produktion ins Ausland verlagern. Sie werden von Kerry als "Benedict-Arnold CEOs" verteufelt, in Anlehnung an einem General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der seine Soldaten an den britischen Gegner auslieferte. Also eine Symbolfigur des Landesverrats überhaupt.

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