American View
Hinter der normannischen Heiterkeits-Kulisse

Anlässlich der Feierlichkeiten in der Normandie haben sich am Wochenende alle Beteiligten versöhnlich gezeigt. Doch hinter den Kulissen gingen die transatlantischen Irritationen weiter.

Anlässlich der Feierlichkeiten in der Normandie haben sich am Wochenende alle Beteiligten versöhnlich gezeigt. Doch hinter den Kulissen gingen die transatlantischen Irritationen weiter. Der Hintergrund: Frankreich hatte vor den Feierlichkeiten die Bitte der US-Regierung zurückgewiesen, Italiens Staatschef Silvio Berlusconi einzuladen und Bush damit einen Rüffel erteilt. Die Italiener seien genauso wenig auf den normannischen Schlachtfeldern involviert gewesen wie Spanier oder Japaner, hieß es zur Begründung. Angesichts seiner eigenen Befreiung hätte Frankreich mehr Großmut beweisen können.

Trotz dieses schwelenden Missbehagens müssen nun die kommenden Tage zwei Dinge zeigen: Erstens ob die Bush-Regierung eine vernünftige Irak-Politik für die Übergabe am 30. Juni zu Stande bringt, und zweitens, ob Frankreich und auch Deutschland ihre Haltung des "Wir haben Euch gewarnt" ablegen und sich zu einem "Wir wollen helfen" durchringen können. Dazu müssten sie öffentlich anerkennen, dass die Bush-Regierung - trotz all ihrer Fehler - nicht der Feind ist. Der Feind ist der radikal-islamistische Terror und seine Unterstützer.

Der nach außen hin versöhnliche Ton in der Normandie könnte die Stimmung für die drei kommenden Gipfel vorgeben: Den heute beginnenden G8-Gipfel, das EU-US-Treffen in Irland und schließlich den Nato-Gipfel in Istanbul. Besonders George Bush hat kein Interesse, neue transatlantische Wunden aufzureißen, da sein Herausforderer daheim, John Kerry, sich als der bessere Außenpolitiker empfiehlt.

Doch der Rüffel im Vorfeld des D-Days zeigt, dass europäische Staatschefs es noch immer opportun finden, Amerika zu brüskieren - wider das bessere Wissen, dass ein US-Desaster im Irak niemandem nützt. Auch jene Europäer, die sich als "anti-Bush, aber nicht antiamerikanisch" geben, sind nicht ganz ehrlich. Was Europa hier erlebt, ist das ungewöhnliche Zusammentreffen von zwei Dingen: Einerseits ein US-Präsident, der jene amerikanischen Eigenschaften personifiziert, die die Europäer nicht mögen; andererseits eine EU, die sich selbst neu definiert und erweitert. Wenn Selbstdefinition schwer fällt, dann liegt es nahe, sich als Gegensatz zu einem "Gegenüber" zu sehen. Dieses "Gegenüber" sind aber nicht die USA, sondern der Terrorismus und seine Unterstützer.

Optimisten werten die Feierlichkeiten vom Wochenende, den versöhnlichen Ton und die schönen Bilder als Chance zur Verbesserung der Beziehungen. Sie sehen einen neuen Konsens, in dem Amerika anerkennen muss, dass Unilateralismus eine Sackgasse ist. Allerdings müssten auch die Franzosen die US-geführten Bemühungen im Irak unterstützen. Und Deutschland muss aus Frankreichs Schatten treten und selbst vorangehen.

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