American View
Reagan, Bush und die Europäer

Angesichts der Schwierigkeiten, die Bush mit den Europäern hat, liegt der Schluss nahe, dass die Ursache seines Problems seine Ähnlichkeit mit Reagan ist.

George Bush den Jüngeren, so sagte ein langjähriger US-Senator zu Beginn der Bush-Präsidentschaft, solle man nicht mit seinem Vater vergleichen. Ronald Reagan sei der passendere Vergleich. So wie Reagan habe auch Bush Junior Format zu Größerem. Beide seien überzeugt, einer großen Mission zu dienen. Und beide verbinde die Leidenschaft für Amerika und dessen Fähigkeit, Dinge in der Welt zu bewegen.

Angesichts der Schwierigkeiten, die Bush mit den Europäern hat, liegt tatsächlich der Schluss nahe, dass die Ursache seines Problems eben diese Ähnlichkeit mit Reagan ist. Reagan war in Europa als drittklassiger Hollywood-Schauspieler mit Finger am Atom-Abdrücker karikiert worden - also nicht viel schmeichelhafter als Bush, der Cowboy aus Texas. Europas Intellektuelle waren von Reagans "simplen" Gerede über Star Wars und dem "Reich des Bösen" genervt.

Doch wenn man genauer hinsieht, dann sind es nicht diese Parallelen zu Reagan, die Bush Probleme machen. Es sind vielmehr die Punkte, in denen er anders ist: Reagan war ein geduldiger und pragmatischer Präsident, der mit seinem sonnigen Optimismus Freunde inspirierte und mit seinem einnehmenden Wesen Gegner entwaffnete. Bush dagegen macht mit seiner verbissenen Art selbst seinen Freunden das Leben schwer. Der Groll gegen Reagan war nie so bitter wie der gegen Bush Junior. Der Atlantik war nie so trennend wie heute.

Das selbe gilt für die Bush-Administration: Ungeduldig wollten Regierungsmitglieder Amerikas neue Macht in der unipolaren Weltordnung nutzen, um die Welt nach eigener Vorstellung zu verändern. Soll Europa doch still sein. Das veranlasste einige Verbündete - besonders Deutschland - dazu, jetzt erst recht von der Linie Amerikas abzuweichen.

Es war ja so einfach, die Kritik aus "Old Europe" als Gewinsel von Angsthasen ab zu tun. Doch inzwischen räumen selbst HerzblutRepublikaner und europäische Freunde, die den Irak-Krieg unterstützten, ein, dass die europäische Opposition Warnzeichen für Charakterschwächen der Bush-Regierung war. Freunde wurden schlecht behandelt, Opposition abgestraft, nur die eigenen Ziele zählten. Ein Eigentor war die kurzsichtige Entscheidung, Gerhard Schröder nach seinem Anti-Kriegs-Wahlkampf zu schneiden. Dies trieb den Deutschen nur an die Seite Jacques Chiracs.

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