American View
Warum Tony Blair noch nicht verloren hat

Großbritannien ist in zwei Nationen geteilt. Heute geht es jedoch nicht um die Spaltung in Arm und Reich, sondern um die politisch Bewussten und jene, denen Politik egal ist.

Der große britische Politiker Benjamin Disraeli (1804-1881) erklärte seinerzeit seinen Landsleuten die Spaltung Großbritanniens in Arm und Reich: "Zwei Nationen mit eigenen Regeln und Gewohnheiten, ohne jegliche gemeinsamen Gedankengut oder Sympathien, geschweige denn eines gemeinsamen Verstandes".

Von zwei Nationen kann man noch heute sprechen. Die Medien verhelfen Meinungsumfragen zu großer Bedeutung, wonach die britische Öffentlichkeit Premierminister Tony Blair nach der Endlos-Saga um Massenvernichtungswaffen im Irak völlig misstraut. Die Umfrage-Päpste schlussfolgern, dass Blair entweder zurücktreten oder seine proamerikanische Politik aufgeben müsse. Blair habe es sich durch seine an die USA angelehnte Politik mit den Wählern zuhause verscherzt und laufe sehenden Auges auf ein Wahl-Desaster zu.

In diesen Prophezeiungen wird aber eines vergessen: Wie schon zu Disraelis Zeiten ist Großbritannien auch heute in zwei Nationen gespalten. Heute geht es um die politisch Bewussten und jene, denen Politik egal ist. Die politisch Bewussten lesen seriöse Zeitungen und sehen politische Fernsehsendungen. Bei Worten wie Berlusconi und Kyoto, Koizumi und G-8 und nicken sie wissend und geben ihr Wissen gern in Meinungsumfragen zum Besten. Entsprechend gerne mögen die Meinungsforscher diese Fraktion der gespaltenen britischen Nation.

Anders die "Egal-Fraktion". Sie lässt sich weder der politischen Linken noch Rechten zuordnen. Sie verfolgt kaum die Nachrichten. Wer das Kashmir-Gebiet oder die Westbank kontrolliert, ist ihr ebenso egal wie der Nachweis von Massenvernichtungswaffen. Sie hat keine Lust zu politischen Demonstrationen, ist weder für noch gegen Krieg und macht sich auch keine Kopfschmerzen darüber, wer die nächsten Wahlen gewinnt. Wer das nächste Fußballspiel gewinnt ist da schon wichtiger. Und wenn diese Leute telefonieren, dann nicht mit Meinungsforschern, sondern mit den Kegelfreunden.

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