American View
Wie Robert de Niro das weltweite Wachstum lostrat

Welcher Kinofilm hat der Weltwirtschaft am meisten gedient? Etwa „Vom Winde verweht“ oder „Titanic“? Falsch. Folgen wir Robert Mundell, dem Vater der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik und Ökonomie-Nobelpreisträger, dann lautet die Antwort „Taxi Driver“ – das Psychogramm eines Amok-Läufers mit Robert de Niro in der Hauptrolle.

Welcher Kinofilm hat der Weltwirtschaft am meisten gedient? Etwa "Vom Winde verweht" oder "Titanic"? Falsch. Folgen wir Robert Mundell, dem Vater der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik und Ökonomie-Nobelpreisträger, dann lautet die Antwort "Taxi Driver" - das Psychogramm eines Amok-Läufers mit Robert de Niro in der Hauptrolle. Mundell zufolge verdankt die Weltwirtschaft diesem Martin-Scorsese-Film aus dem Jahr 1976 einige Billiarden Euros. Seine Erklärung: Ronald Reagan hätte seine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik niemals durch den von den Demokraten kontrollierten Kongress bringen können, hätte ihn nicht die Aura des Überlebenden eines Attentats umgeben. Im Mai 1981 hatte Reagan - gerade 69 Tage im Amt - einen Mordversuch vor einem Washingtoner Hotel überlebt und danach mit Humor Furore gemacht (den operierenden Ärzten sagte er: "Ich hoffe, Sie sind alle Republikaner"). Die Verbindung zu "Taxi Driver": Dieser Film inspirierte Reagans erfolglosen Attentäter. Ohne "Taxi-Driver" kein Reagan-Attentat, und ohne die Überlebens-Aura Reagans keine Reagonomics.

So einfach kann die Logik sein. In Mundells Augen begann die "Revolution" der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik in dem Moment, als auf breiter Basis akzeptiert wurde, dass hohe Steuern Wachstum verhindern. Zwar gibt es in der EU noch immer in Deutschland und Frankreich Rufe danach, eine schlechte Steuerpolitik auf die kleineren europäischen Wettbewerber zu übertragen. Doch der Wind bläst ihnen ins Gesicht. Das weiß auch der neue Kommissionspräsident José Manuel Barroso und hat Franzosen und Deutsche von Kommissions-Posten ferngehalten, in denen sie eine wettbewerbsbehindernde Steuerharmonisierung diktieren könnten. Eine Lettin, Ingrida Udre, wird für die Steuerpolitik verantwortlich sein. Ihr Land hat sich dem irischen Vorbild niedriger Steuern verschrieben.

Am Wochenende wehrten die EU-Finanzminister denn auch den Wunsch Deutschlands und Frankreichs nach einem Mindestsatz bei der Unternehmenssteuer ab, einigten sich aber auf eine Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage, was zu mehr innereuropäischer Transparenz führt.

Den Euro hält Mundell für eine der weltweit besten ökonomischen Ideen seit langem. Er habe geholfen, das Denken in nationalen Währungsgrenzen zu überwinden. Zwar hält Mundell die Euro-Zone für alles andere als einen perfekten Währungsraum. Aber er sieht zunehmend Anzeichen dafür, dass durch die gemeinsame Währung der Wettbewerb um die beste Wirtschaftspolitik in Gang kommt. Am Ende wird die beste gewinnen. Die Proteste in Deutschland zeigen, wie schmerzhaft diese Veränderungen sind. Doch zeigen die Reformen des sozialdemokratischen Kanzlers Gerhard Schröder, wie notwendig und unvermeidlich sie sind. Und der Vergleich mit den "Reaganomics" zeigt, wie wichtig es ist, dass Reformen von einer breiten Basis mitgetragen werden.

Bestätigt wurde Mundells Glaube an die positive Wirkung des Wettbewerbs in der vergangenen Woche durch die Weltbank: Sie würdigte den Wettbewerb als Katalysator für Deregulierungsprozesse, vor allem in einigen EU-Ländern. Unter den weltweit zehn Ländern, die aus Sicht der Weltbank bei Bürokratie und Kosten für Unternehmen am besten abschnitten, waren immerhin sieben EU-Länder: Die Slowakei an erster Stelle, Litauen, Polen, Belgien, Finnland, Portugal und Spanien.

Allerdings ist auch eins klar: Zwar haben die liberalen Ökonomen in der intellektuellen Debatte seit Reagan und dem "Taxi Driver" die Oberhand. Doch haben sie noch längst nicht überall die Politik für sich gewonnen. Die transatlantischen Spannungen haben leider dazu geführt, dass sich viele Europäer und Amerikaner mit vordergründigen Meinungsunterschieden beschäftigen. Dabei verfügen Europa und die USA über das weltweit größte Wirtschaftsnetz. Mundell bleibt da optimistisch: Selbst die schlimmsten Terroranschläge und visionslose Führer können seiner Meinung nach den Fluss positiver wirtschaftlicher Veränderung nicht aufhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%