Amerikaner verhandeln mit Wirtschaftsminister Werner Müller
US-Konzern NRG Energy bekundet Interesse an VEAG

Ein Dutzend potenzieller Käufer aus Europa und Übersee gibt sich derzeit im Bundeswirtschaftsministerium die Klinke in die Hand.

dpa-afx BERLIN. Nach Southern Energy hat jetzt der US-Konkurrent NRG Energy offiziell Interesse an der ostdeutschen VEAG angemeldet. NRG-Präsident Dave Peterson stellte Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) am Dienstag sein Konzept für die weitere Entwicklung des schlingernden Braunkohleverstromers vor. NRG (Minneapolis/Minnesota) ist einer der weltweit größten Energieversorger. Bislang hat ein Dutzend Unternehmen aus Europa und Übersee Interesse an der VEAG signalisiert. Wegen der 1994 erfolgter Privatisierung muss der Bund dem Weiterverkauf des von E.ON und RWE gehaltenen Pakets von 81,25 % zustimmen, das auf mindestens 3,0 Mrd.. DM geschätzt wird.

Ein NRG-Sprecher wertete das Treffen als "sehr interessanten und konstruktiven Meinungsaustausch". Er bekräftigte, dass man für die VEAG bieten werde. Einzelheiten zu den angestrebten Anteilen könnten wegen des laufenden Verfahrens nicht genannt werden. Im Ministerium hieß es, es habe sich um ein Informationsgespräch gehandelt, wie es auch andere potenzielle Interessenten mit Müller geführt hätten. Angebote für die VEAG-Anteile müssen bis spätestens 15. November bei der Investmentbank Schroders Salomon Smith Barney eingegangen sein. Die Konzernunterlagen können ab 18. September eingesehen werden.

NRG strebt nach früheren Angaben an der VEAG eine Beteiligung in der Nähe von 50 % an. Angedacht ist ein Erwerb mit HEW. Nach den NRG-Plänen soll die VEAG im Unterschied zu den Vorstellungen des US-Konkurrenten Southern Energy oder der Hamburger HEW als selbstständiges Unternehmen erhalten bleiben. Sie würde nicht mit der Berliner Bewag sowie den Kohlegesellschaften Laubag und Mibrag zu einem großen Stromunternehmen verschmolzen.

Wie die anderen Bewerber akzeptiert auch NRG die Forderung der Bundesregierung, mit der VEAG langfristig jährlich mindestens 50 Mrd. Kilowattstunden Braunkohlestrom zu erzeugen. NRG hält ein Drittel der Mibrag-Anteile und gemeinsam mit der britischen Power Gen 40 % am Kraftwerk Schkopau. NRG will auch den zum Verkauf stehenden Anteil von Power Gen (33,3 %) erwerben.

VEAG hat Schlüsselstellung beim Aufbau eines ostdeutschen Stromkonzerns

Interesse an der VEAG sollen inzwischen außer HEW/Vattenfall und Southern/Bewag die spanische Endesa haben sowie die belgische Tractebel, die Electricité de France, die italienische Enel sowie American Energy Systems (Hutchinson/Minnesota) und Reliant Energy (Houston/Texas) haben. Bei der Ruhrkohle AG hat die interne Prüfung noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis geführt. Es werde in Kürze erwartet, hieß es.

Die VEAG stellt neben der Bewag den Schlüssel zum Aufbau eines ostdeutschen Stromkonzerns dar. An ihr verfügen außer E.ON und RWE noch HEW, VEW, Bewag und EnBW über jeweils 6,25 %. Unter Fachleuten ist umstritten, ob die vierte Kraft im deutschen Strommarkt ohne Bewag erfolgreich sein könnte. Die Übernahme der Bewag durch HEW liegt vorläufig auf Eis. HEW und die hinter ihr stehende schwedische Vattenfall wollen die dort ebenfalls zum Verkauf stehenden E.ON-Anteile erwerben. Southern, die dies selbst beabsichtigt, hat beim Konsortialpartner E.ON das Schiedsverfahren beantragt. Einer Veräußerung muss auch das Land Berlin zustimmen.

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