Amerikaner werden langsam ungeduldig: Türkei und USA "pokern" um Milliarden

Amerikaner werden langsam ungeduldig
Türkei und USA "pokern" um Milliarden

Können die USA für einen Krieg gegen den Irak auf eine Offensive aus dem Norden und damit auf die Türkei verzichten? Vor dem Hintergrund dieser nach Ansicht von Experten wohl mit "Jein" zu beantwortenden Frage pokert Ankara mit Washington hartnäckig um ein einige Milliarden Dollar schweres Hilfspaket - Geld, mit dem die Türkei ihre wirtschaftlichen Verluste bei einem Krieg im Nachbarland Irak wettmachen möchte.

HB/dpa ISTANBUL. Zwar ist Washington bereit, die türkischen Verluste als Gegenleistung für die Stationierung und den Transit von US-Truppen finanziell zu mildern. Doch über die Höhe der Hilfen gehen die Ansichten weit auseinander. Und Ankara, das sich nach den Erfahrungen aus dem Golfkrieg 1991 als "gebranntes Kind" sieht, dass "das Feuer scheut", will es diesmal schriftlich haben. "Alles hat sich am Geld aufgehängt", kommentierten türkische Zeitungen am Donnerstag.

Die Amerikaner werden langsam ungeduldig. US-Regierungsvertreter machen keinen Hehl daraus, dass die im Mittelmeer wartenden US- Schiffe mit Material und Soldaten in den Persischen Golf umgeleitet werden könnten, wenn sich Ankara nicht in kürzester Zeit entscheide. "Plan B" nennen türkische Medien diese Alternativplanung, mit der die US-Regierung eine Entscheidung Ankaras erzwingen wolle. Washington habe Ankara 48 Stunden Zeit gegeben, meldete der US-Nachrichtensender CNN.

Ankara setzt auf den Joker "Parlament"

Während die US-Regierung auf eine Antwort aus Ankara wartet, vertritt die türkische Regierung den Standpunkt, dass die andere Seite am Zuge sei. Es gehe nicht an, dass "ständig der Türkei Selbstlosigkeit abverlangt wird", ließ der Chef der türkischen Regierungspartei AKP, Recep Tayyip Erdogan, den strategischen Partner USA wissen. Als Joker im Pokerspiel mit Washington setzt Ankara auf die Karte "Parlament". Solange die türkischen Forderungen nicht erfüllt seien, seien die Abgeordneten nur schwer zu überzeugen, der Stationierung amerikanischer Soldaten zuzustimmen.

Den Vorwurf des Feilschens ums Geld will die Türkei indes nicht auf sich sitzen lassen. Washington sei in dieser Hinsicht nicht besser, meinte die Zeitung "Milliyet". Die US-Armee wolle für den Sprit ihrer Fahrzeuge keine Mineralölsteuer zahlen, und die GIs sollten ihre Einkäufe in der Türkei ohne Mehrwertsteuer tätigen können. Zudem solle die Türkei für die Kosten der Erkennungskarten aufkommen, die den US-Soldaten den Zutritt zu türkischen Militäranlagen ermöglichen. "Die "Supermacht" feilscht mit der Türkei um 10 000 Dollar", entrüstete sich das Blatt.

In militärischen Fragen herrscht Einigkeit

Einigkeit haben Washington und Ankara nach türkischen Medienberichten dagegen in militärischen Fragen erzielt. So sollen die türkischen Soldaten, die im Fall eines Krieges zur "Wahrung der nationalen Interessen" in den Nordirak einmarschieren sollen, nicht dem US-Kommando unterstellt werden. Im Nordirak verfolgt Ankara vor allem das Interesse, das Entstehen eines Kurdenstaates zu verhindern und zu vermeiden, dass die wichtigen Ölfelder von Mosul und Kirkuk unter kurdische Kontrolle geraten.

Unterdessen sind die ersten Militärlaster und gepanzerten Fahrzeuge der Amerikaner im türkischen Mittelmeerhafen Iskenderun entladen worden - nach offizieller Lesart im Rahmen der jüngst vom türkischen Parlament genehmigten Modernisierung türkischer Stützpunkte und Häfen. "Wundern wir uns nicht, wenn in den nächsten Tagen 50 000 Amerikaner an Land gehen, die angeblich die Stützpunkte in Stand setzen sollen", schrieb der Kolumnist Fatih Altayli im türkischen Massenblatt "Hürriyet".

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