Amerikaner wollen Wachstum ankurbeln
US-Finanzminister sorgt für Euro-Kurssprung

Spekulationen um eine Abkehr der US-Regierung von ihrer bisherigen Politik eines starken Dollar haben den Euro am Montag zeitweise auf ein neues Vier-Jahres-Hoch von 1,1623 Dollar getrieben.

rtr/dpa LONDON. Auslöser für die Spekulationen waren Aussagen von US-Finanzministers John Snow zur aktuellen Dollar-Schwäche. Die Diskussion um den europäischen Stabilitätspakt und mögliche Zinssenkungen spielten nach Aussagen von Experten dagegen nur eine untergeordnete Rolle am Devisenmarkt.

Snow hatte in einem TV-Interview den fallenden Wechselkurs des Dollar als hilfreich für US-Exporte bezeichnet. Bei einem anderen TV-Auftritt hatte er allerdings bekräftigt, dass die Regierung an ihrer Politik des starken Dollar festhalte.

"Das ist sicherlich eine richtige Einschätzung", sagte die Commerzbank-Expertin Alexandra Bechtel. Aber solche Aussagen würden ein sehr hohes Risiko bergen. "Der Satz hat die Unruhe unter den Devisenhändlern weiter angeheizt, und nun scheint sich die Dynamik zu verselbstständigen". Dabei zeigt sich nach Einschätzung von Bechtel weiter eine negative Grundstimmung für den Dollar.

"Obwohl er (Snow) die Politik eines starken Dollar bekräftigt hat, verband er sie mit der Wirtschaftslage", sagte der Devisenstratege Paul Mackel von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London. Da Snow gleichzeitig die US-Konjunktur als schwach bezeichnet habe, sei nicht zu erwarten, dass er oder die US-Regierung einen Kursanstieg des Dollar unterstützen würden.

Der Devisenstratege Marshall Gittler von der Deutschen Bank kommentierte die Aussagen des Ministers mit den Worten: "Ich denke, sie (die US-Regierung) würden eine kontrollierte Abwertung des Dollar begrüßen, aber sie können es nicht laut sagen, denn dann würde er (der Dollar-Kurs) zusammenbrechen."

Am Nachmittag musste die europäische Gemeinschaftswährung aber wieder etwas von den Gewinnen abgeben. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1597 (Freitag: 1,1466) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8623 (0,8721) Euro.

Im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen erreichte der Euro zeitweise gleich zwei Rekorde. Gegenüber dem britischen Pfund und dem japanischen Yen kletterte die europäische Gemeinschaftswährung auf neue Höchststände. Die EZB legte die Referenzkurse für einen Euro auf 0,7197 (0,7156) britische Pfund, 135,05 (134,76) japanische Yen und 1,5133 (1,5074) Schweizer Franken fest.

In den vergangenen Wochen hatte die US-Währung wegen der unklaren Aussichten für die US-Konjunktur und der im Vergleich zur Euro-Zone niedrigeren Leitzinsen kontinuierlich an Wert verloren. "Das nächste Ziel für den Euro wäre die Marke von 1,1745 Dollar, bei der er erstmals gehandelt wurde", sagte ein japanischer Devisenhändler. Ein Sprung über diese Hürde könnte den Euro dann auf bis zu 1,20 Dollar treiben.

Obwohl sich europäische Politiker bislang gelassen zur aktuellen Stärke der Gemeinschaftswährung geäußert haben, erhofften sich Marktteilnehmer von dem am Montag beginnenden Treffen der europäischen Wirtschafts- und Finanzminister (EcoFin) Aussagen über die Geschwindigkeit des Kursanstiegs.

Mit Blick auf die Entwicklung der Leitzinsen hieß es weiter, die Politiker würden zur Ankurbelung der Konjunktur von der EZB voraussichtlich eine Senkung fordern. Mit einer unmittelbaren Reaktion der Währungshüter sei aber nicht zu rechnen. "Es gibt sicher ein Tauziehen zwischen der EZB und EcoFin", sagte der Stratege Mackel. "Das könnte beim Euro/Dollar einige Gewinnmitnahmen auslösen."

Die EU-Kommission sieht nach Aussagen eines Sprechers des EU-Währungskommissars Pedro Solbes in dem Eingeständnis von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) einer erneuten Überschreitung der europäischen Defizitgrenze keine Gefahr für den Stabilitätspakt. Im Maastrichter Vertrag ist die Höhe der Neuverschuldung auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes festgesetzt.

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