Amerikanische Bank will Größenvorteile im Wertpapier-Verwahrgeschäft ausspielen
State Street rollt europäischen Markt auf

Die Übernahme soll die Basis für eine weitere Expansion in Europa sein. Hier spielt die Musik, da der amerikanische Markt bereits gesättigt ist.

FRANKFURT/M. Der weltweit größte Wertpapierverwahrer State Street Corp. will den europäischen Markt aufrollen. Nach dem Kauf des mit Abstand größten europäischen Spielers im Verwahrgeschäft (Custody), der Deutschen Bank, hat State-Street-Chef Ronald Logue ehrgeizige Pläne in Spanien, Italien und Frankreich. "In diesen drei Ländern wollen wir uns verstärken", sagte Logue dem Handelsblatt und schloss dabei auch weitere Übernahmen nicht aus. In Frankreich ist die Bank bereits vertreten und in Italien hat sie sich durch die Übernahme des Custody-Geschäfts der Deutschen- nun ebenfalls Zutritt verschafft.

Der Durchbruch für State Street in Europa war jedoch der Kauf des Geschäfts der Deutschen Bank Anfang November dieses Jahres für rund 1,5 Mrd. $, der die Bank auf Platz eins der Rangliste der globalen Anbieter katapultierte. Einschließlich der rund 2,2 Bill. Euro, die die Deutsche Bank verwahrt, kommt die Bank jetzt auf rund 8 Bill. $ verwaltetes Vermögen. Auch auf den beiden folgenden Plätzen rangieren mit der Bank of New York und JP Morgan Chase amerikanischen Institute. Beide verwalten jeweils über 6 Bill. $. Auch die Konkurrenten von State Street versuchen durch Übernahmen und Kooperationen zu wachsen. So übernahm die Bank of New York kürzlich das Custody für den holländischen Allfinanzriesen ING.

Größenvorteile spielten in der Branche eine wichtige Rolle, da die technischen Systeme sehr teuer seien, betont Arnulf Manhold, Vorstand von JP Morgan in Deutschland. Daher ist es für die Anbieter wichtig, möglichst viele Wertpapiere auf ihre Systeme zu laden, um die Stückkosten zu senken. Im reinen Custody-Geschäft rechnet sich erst durch ein Riesenvolumen. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden üblicherweise nur Margen von 3 bis 6 Promille des verwahrten Vermögens gezahlt. Außerdem tendieren die Großinvestoren immer stärker zu weltweit tätigen Verwahrern, die Zugang zu allen wichtigen Finanzplätze haben.

Für die amerikanischen Marktführer rückt dabei Europa als Wachstumsmarkt immer stärker in den Blickpunkt, da das US-Geschäft weitgehend verteilt und gesättigt ist. "Wir denken, dass es wichtige Märkte gibt, die viel schneller wachsen als das US-Geschäft - vor allem Europa", betonte Logue. Das Ziel, den Anteil des Auslandsgeschäfts an den Erträgen auf 30 % auszubauen, dürfte State Street mit der Übernahme des Geschäfts der Deutschen Bank praktisch erreicht haben. Auf eine neue Marke will er sich aber noch nicht festlegen lassen.

Bei aller Euphorie muss Logue einräumen, dass sich der Vertragsabschluss der Transaktion mit der Deutschen verzögert. Bislang fehlen noch die Genehmigungen der amerikanischen und europäischen Behörden. Voraussichtlich werde die Übernahme im ersten Quartal 2003 abgeschlossen und nicht - wie ursprünglich geplant - bis Ende des Jahres. Allerdings jagt bereits ein Gespräch das andere, um die bisherigen konzernfremden Kunden der Deutschen Bank vom Bleiben zu überzeugen. Logue hofft, 90 % von ihnen zu halten. Branchenkreise halten das für ein sehr ehrgeiziges Ziel. Nur rund 350 Mrd. Euro der von der Deutschen verwalteten Gelder kommen aus dem Konzern.

Nach der Akquisition beläuft sich der Marktanteil von State Street laut Logue auf 25 % bei deutschen Publikumsfonds. "Wir setzen auf die betriebliche Altersvorsorge und erwarten einen steigenden Trend zur Auslagerung von Dienstleistungen wie der Fondsbuchhaltung", urteilt der President von State Street. Zudem verlangten die Kunden immer häufiger Zusatzleistungen neben der Wertpapierverwahrung. Dazu zählten die Bestandsbewertung und die Messung der Wertentwicklung der Anlagebestände. Großanleger, die ihr Vermögen rund um den Globus anlegen, wollen jederzeit über den Wert des Portfolios informiert sein und ihre Wertpapiere gegen Provision verleihen. Gerade mit diesen Mehrwertdiensten verdienen die Custodian ihr Geld. "Wir sind weniger Wertpapierverwahrer als Wertpapierdienstleister", meint Logue.

Dietmar Rössler, verantwortlich für Global Custody und Fondsverwaltung bei BNP Paribas in Frankfurt, erkennt ebenfalls eine steigende Nachfrage nach Zusatzdienstleistungen. BNP als einer der großen europäischen Verwahrer beschäftigt beispielsweise einen Stab von 40 Mathematikern, die sich um Risiko-Analyse und Performance-Messung kümmern.

Auch in Deutschland hat BNP große Pläne. Die französische Großbank will das verwaltete Vermögen binnen vier Jahren von 5 auf 50 Mrd. Euro verzehnfachen. Dabei sei man auch am Kauf des Verwahrgeschäfts anderer Banken interessiert, sagt Rössler.

Quelle: Handelsblatt

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