Amerikanische Investmentgesellschaften steuern Expansionskurs
Fidelity will in die deutsche Top-Liga

Sie schaltet jetzt einen Gang hoch und erwägt die Gründung einer Kapitalanlagegesellschaft - was jahrelang undenkbar war.

FRANKFURT/M. US-amerikanische Fondsgesellschaften sehen Deutschland als Markt mit großer Zukunft. Am ehrgeizigsten ist dabei Fidelity. Die Gesellschaft will durch organisches Wachstum von Platz sieben in zehn Jahren zu den drei größten Fondsanbietern in Deutschland aufsteigen. Bisher tummeln sich auf diesen Plätzen DWS, Deka und Union Investment. Um dieses Ziel zu erreichen erwägt Fidelity die Gründung einer deutschen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) und die Auflage von Fonds nach deutschem Recht.

"Wir können stärker wachsen, wenn wir uns als heimischer Anbieter präsentieren", sagte Barry Bateman, Vice Chairman verantwortlich für die internationalen Aktivitäten bei Fidelity International, im Interview mit dem Handelsblatt. Beobachter halten Fidelity in der Tat für gut gerüstet. "Die Unabhängigkeit von den Banken und der hohe Bekanntheitsgrad sind die großen Trümpfe", sagt Kai Wiecking, Analyst bei der Fondsresearchfirma Morningstar.

"Der europäische Fondsmarkt wird in den kommenden zehn Jahren um einiges stärker wachsen als der amerikanische", ist Bateman überzeugt. Mit dem verstärkten Fokus auf den europäischen - und insbesondere den deutschen - Markt werde Fidelity das geringere Wachstum des stark gesättigten US-Marktes kompensieren. Zu seinen ausländischen Konkurrenten in Deutschland zählt Bateman vor allem JP Morgan Fleming, Franklin Templeton, aber auch Pioneer.

Diese Firmen stellen ebenfalls Deutschland ins Zentrum ihrer Expansionspläne. Einige der Adressen verfügen zusätzlich über eine KAG, etwa JP Morgan Fleming. "Wir steuern weiter auf Wachstumskurs, sowohl im Publikums- als auch im Spezialfondsgeschäft", sagt KAG-Chef Jens Schmitt. Publikumsfonds bietet JP Morgan aber ausschließlich über die Luxemburger Drehscheibe an, auf der viele ausländische Häuser ihr pan-europäisches Produktangebot bündeln. JP Morgan steht dort auf Platz zwei.

Ein anderer europäischer Wettbewerber von Fidelity ist die britisch-amerikanische Gesellschaft Invesco. Sie verfügt ebenfalls über eine KAG und bietet auf diesem Wege auch Publikumsfonds an. "In den strategisch wichtigen Ländern haben wir eigene Investmentzentren und KAG - im Gegensatz zu den meisten anderen angelsächsischen Anbietern", sagt Jean-Baptiste de Franssu, CEO Kontinentaleuropa bei Invesco. Die wichtigsten Märkte seien Frankreich, Italien und Deutschland. Hier zu Lande bietet Invesco 17 Fonds deutschen Rechts an. "Dieses Angebot werden wir ausweiten", sagt de Franssu. In Deutschland werden rund 5 Mrd. Euro verwaltet.

Bei Franklin Templeton gilt Deutschland als europäisches "Powerhouse" im Fondsgeschäft. "Unser Deutschland-Büro ist eines der umsatzstärksten weltweit", sagt Hans-J. Wisser, verantwortlich für das Geschäft in den deutschsprachigen Ländern. Die US-Gesellschaft verwaltet hier zu Lande 6 Mrd. Euro. Im Jahr 2005 sollen es 20 Mrd. Euro sein. Eine eigene KAG zu gründen und lokale Produkte aufzulegen, stehe aber nicht zur Debatte.

Bateman sieht die Expansion durch die Steuerdiskussion nicht gefährdet, weil er mit Änderungen der Pläne rechnet. "Wir müssen die Bundesregierung überzeugen, dass sie auf einem völlig falschen Weg ist", sagt Bateman. Fidelity verstärke deshalb seine Lobbyarbeit. Bateman warnt aber: "Wenn alles nichts nützt, fahren wir unsere künftigen Investitionen in Deutschland zurück. Wir sind in 25 Ländern aktiv - da gäbe es dann interessantere Orte."

Fidelity-Mann Bateman gibt dem institutionellen Geschäft besonders große Wachstumschancen und setzt auf bei den Privatkunden auf das Thema Altersvorsorge. Innerhalb Europas habe Fidelity bereits eine starke Stellung in Großbritannien und den Niederlanden. "In Deutschland und Frankreich sind wir noch relativ schwach, diese Märkte haben für uns das größte Potenzial", sagte Bateman.

Im kontinentaleuropäischen Publikumsfondsgeschäft musste Fidelity einen Rückschlag hinnehmen. Gemessen am Fondsvermögen der in Luxemburg aufgelegten Produkte liegt die Firma nur noch auf Rang neun, ist aber weiterhin die Nummer eins bei den Aktienfondsanbietern (Tabelle). Kritiker sehen das Investmenthaus als zu stark auf Aktien ausgerichtet. Deshalb will Bateman für eine ausgewogenere Produktpalette sorgen, kündigt beispielsweise einen neuen Rentenfonds für Unternehmensbonds an.

Quelle: Handelsblatt

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