Amerikanisches Studentenleben
US-Studenten: Saufen und Dauerpartys

Es gleicht den Bildern vom Ballermann auf Mallorca: «Saufen bis zum Umfallen» lautet das Motto hunderttausender amerikanischer Studenten, die im Frühjahr in die Semesterferien starten. War es früher meist Daytona Beach in Florida, so ist mittlerweile auch Cancun an der Karibikküste Mexikos ein Hauptreiseziel für die «Spring Break»-Touristen.

dpa WASHINGTON. Es geht um wilde Partys, Alkoholexzesse und Sex. Webseiten, Fernseh- und Musiksender wie MTV locken mit Shows und Sonderaktionen. An den Stränden fallen bei «Wet-T-Shirt»-Wettbewerben die Hüllen, Bars verschleudern Drinks zu Sonderpreisen, DJs fliegen aus New York ein und sorgen für den Sound. Allein in Florida dürften alljährlich rund 500 000 Studenten für eine Woche hemmungslos feiern.

Michael Norman kehrte von seinem Ausflug in diesem Jahr nicht zurück. Der 20-Jährige starb, nachdem er vor zwei Wochen betrunken vom zweiten Stock eines Einkaufszentrums in Cancun fiel. Sein Tod wirft ein Schlaglicht auf die düstere Seite der College-Tradition. In Florida gab vor kurzem mehr als die Hälfte von 800 befragten Studenten zu, in der Ferienwoche jeden Tag betrunken gewesen zu sein. Die wilden Exzesse werden von der Öffentlichkeit im sonst eher prüden Amerika stillschweigend geduldet. Viele Eltern zahlen den Sprösslingen die langersehnte Ferienwoche sogar.

Die Tradition begann 1938, als die ersten Studenten im Frühjahr zu Schwimmfesten in die Küstenorte gelockt wurden. Seitdem hat sich vieles verändert. Alkoholexzesse und freizügiger Sex stehen jetzt im Vordergrund. Auch wenn in diesem Jahr aus Angst vor Terroranschlägen und wegen der Wirtschaftsflaute mehr Studenten als sonst zu Hause blieben, geht es in Cancun im März und April wieder hoch her. Der Badeort ist besonders gefragt, weil man in den USA erst ab 21 Jahren Alkohol trinken darf. In Mexiko liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren

Jahrelang hat die Polizei die Augen zugedrückt, wenn betrunkene Studenten an den Stränden grölten und die Passanten anpöbelten. Fort Lauderdale in Florida, besorgt um seinen guten Ruf, greift inzwischen härter durch: Übernachten am Strand ist inzwischen verboten, im Auto auch, und vor den berüchtigtsten Hotels wurde eigens eine Wand gebaut, um betrunkene College-Kids davon abzuhalten, nachts vom Hotel zum Strand zu wechseln.

Nicht alle Studenten halten allerdings die Orgien der Frühjahrsferien für eine unverzichtbare Erfahrung. Immer mehr tauschen exzessiven Alkoholkonsum und Partyfieber gegen die Mitarbeit bei sozialen Projekten ein. Manche helfen in Obdachlosenasylen, andere arbeiten freiwillig im sozialen Wohnungsbau. Christy Carbot hat sich zum Einsatz am «Ground Zero» in Manhattan gemeldet. «Nach den Anschlägen vom 11. September wollte ich einen Beitrag leisten und damit meinem Land etwas zurück geben.» Die Universitätspräsidenten fördern solche Initiativen nach Kräften.

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