Amerikas größter Anbieter hat mit Mittelabflüssen zu kämpfen: Gewinn der Fondsgesellschaft Fidelity bricht ein

Amerikas größter Anbieter hat mit Mittelabflüssen zu kämpfen
Gewinn der Fondsgesellschaft Fidelity bricht ein

Amerikas größte Fondsgesellschaft Fidelity Investments weist für das Jahr 2002 einen Gewinnrückgang von 39 % aus. Gleichzeitig ist das verwaltete Vermögen in den über 150 Fonds des Unternehmens um 12 % von 883,4 Mrd. Dollar auf 773,7 Mrd. Dollar geschrumpft.

Bloomberg BOSTON. Der Grund dafür ist neben der schwachen Börsenlage die Tatsache, dass die Anleger das zweite Jahr in Folge Kapital aus den Aktienfonds abgezogen und in sichere Rentenfonds umgeschichtet haben.

Der Rückgang hat Fidelity gezwungen, Kosten zu senken. Im vergangenen Jahr hat die Fondsgesellschaft die Zahl ihrer Mitarbeiter um 7,1 % auf 29 100 verringert. Dazu hat die Unternehmensverwaltung die Belegschaft bereits darauf hingewiesen, dass es im laufenden Jahr voraussichtlich keine Gehaltserhöhungen gibt, weil sich die Talfahrt am Aktienmarkt auch ein viertes Jahr in Folge fortsetzen dürfte.

"Wir haben im letzten Jahr Kosten gesenkt, und das hat uns für dieses Jahr in eine gute Position gebracht", betonte Steve Jonas, Leiter der Verwaltung bei Fidelity. "Damit haben wir uns ein Polster zugelegt, und wir denken, dass unser Kostenniveau gut ist."

Jonas, der im vergangenen Jahr als Finanzvorstand tätig war, erklärte, dass er 2003 mit "generell stabilen" Mitarbeiterzahlen rechne.

Fidelity hat die Baisse bisher mit weniger Entlassungen als viele Mitbewerber überstanden, konstatiert Eric Kobren, Vermögensverwalter und Fidelity-Kenner. Während beispielsweise die Investmentbank Merrill Lynch seit dem dritten Quartal 2000 rund 22 000 Stellen - also ein Drittel der Belegschaft - abgebaut hat, fielen bei Fidelity demgegenüber 5 000 Arbeitsplätze oder 15 % dem Rotstift zum Opfer. "Das Management hat das Geschäft gut diversifiziert", lobt Kobren.

Aus den Fidelity-Aktienfonds flossen 2002 netto 4,5 Mrd. Dollar ab, berichtete Unternehmens-Sprecherin Anne Crowley. Davon entfielen allein 3,6 Mrd. Dollar auf Fonds mit Anlageschwerpunkt USA. US-Anleihefonds verzeichneten dagegen Zuflüsse von 11,8 Mrd. Dollar, bei international anlegenden Rentenfonds beliefen sich die Zuflüsse auf 2,7 Mrd. Dollar.

Die Bemühungen, Rentenpläne für Mitarbeiter anderer Unternehmen zu verwalten, "haben den Schlag etwas abgemildert", erläutert Kobren.

Fidelity selbst machte keine genauen Angaben, wie viel das Outsourcing-Programm zum Ergebnis beigetragen hat, mit dem die Fondsgesellschaft Pensionsplanung und Personalverwaltung, darunter Lohnabrechnung und Krankenversicherungszahlungen, für andere Unternehmen anbietet. Die Zahl der Angestellten, die über das Programm betreut werden, ist von 11,2 Mill. Ende 2001 auf 11,4 Mill. gestiegen. Die große Produktpalette für Firmenkunden sollte Fidelity einen Vorteil gegenüber anderen Fondsmanagern verschaffen, bestätigt Jim Lowell, Herausgeben des Newsletters Fidelity Investor.

Der Nettogewinn von Fidelity ist 2002 jedoch stärker eingebrochen als bei einigen großen börsennotierten Fondsanbietern. Bei Alliance Capital Management Holding stieg das Ergebnis sogar um 1,7 % auf 162 Mill. Dollar, Franklin Resources Inc. verzeichnete einen Rückgang von 6,5 % auf 424 Mill. Dollar.

Als Ergebnis des letztjährigen Kostensenkungsprogramms will die Tochter Fidelity Corporate Real Estate bis Ende dieses Jahres ihr Portfolio an gemieteten oder erworbenen Büros und EDV-Zentren um 15 % abbauen, so der Jahresbericht. Fidelity hat einen Teil der Flächen untervermietet und verhandelt über eine vorzeitige Beendigung einiger Mietverträge.

Das verwaltete Vermögen von Fidelity verteilt sich zurzeit zu mehr als 60 % auf Aktienfonds, 11 % sind in Anleihefonds investiert und 29 % liegen in Geldmarktfonds. Die Fonds weisen eine bessere Performance auf als 70 % der konkurrierenden Fondsprodukte, erklärte Fidelity unter Berufung auf Zahlen der unabhängigen Research-Agentur Lipper.

Die Fidelity-Muttergesellschaft FMR Corp. hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 808,2 Mill. Dollar erzielt (Vorjahr: 1,33 Mrd. Dollar). Die Einnahmen sind um 8,9 % auf 8,94 Mrd. Dollar zurückgegangen.

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