Amoklauf war offenbar lange geplant
Ermittlungen in Erfurt fast abgeschlossen

Die Ermittlungen zum Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium sind fast abgeschlossen. Die Spurensicherung am Tatort ist beendet, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte.

wiwo ap ERFURT. Offenbar hatte der 19-jährige Robert Steinhäuser die Bluttat Monate im Voraus geplant. In den nächsten Tagen wollen die Ermittler einen Zwischenbericht vorlegen. Rund 2 500 Menschen gedachten am 1. Mai in Erfurt mit einem Schweigemarsch den 16 Mordopfern. Am Freitag, eine Woche nach dem Verbrechen, findet auf dem Erfurter Domplatz eine Trauerfeier statt.

Die Stadt Erfurt stellt bis auf weiteres keine Waffenbesitzkarten für Sportschützen mehr aus. Man warte die geplante Neuregelung des Waffengesetzes ab, sagte Bürgermeister Dietrich Hagemann. Er bekräftigte, dass der Amokschütze seine beiden Waffen, eine Pump-Gun und eine Pistole, legal erworben hat: "Es gab dabei keinerlei Unregelmäßigkeiten."

Der Staatssekretär im thüringischen Innenministerium, Manfred Scherer berichtete, dass der Täter die Bluttat mehrere Monate im Voraus geplant hat. Darauf deuteten die Ermittlungsergebnisse hin, zum Beispiel die Beschaffung von mehreren hundert Schuss Munition seit seinem Schulverweis im Oktober 2001. Berichte über eine angeblich vom Täter erstellte Internet-Homepage seien nicht richtig: "Die Seite war das Werk eines Trittbrettfahrers." Auch einen zweiten Täter habe es nicht gegeben. Sämtliche bei der Obduktion gefundenen Kugeln stammten aus der Waffe des 19-Jährigen, der sich am Freitag nach der Bluttat selbst getötet hatte.

Die städtischen Behörden betonten, der ehemalige Schüler des Gutenberg-Gymnasiums habe ihnen sein Bedürfnis, seine Zuverlässigkeit und die nötige Sachkunde im Sinne des Waffengesetzes nachgewiesen. So habe das Amt im Schützenbuch überprüft, ob Steinhäuser auch die notwendige Anzahl von Schießübungen abgeleistet hatte. Auch hätten weder das Bundeszentralregister noch die örtliche Polizei Eintragungen über ihn gehabt.

Ministerpräsident Vogel berichtete, der 19-Jährige habe bereits die 11. Klasse wegen schlechter Leistungen freiwillig wiederholt. Im Oktober 2001 sei er dann vom Gutenberg-Gymnasium an eine andere Schule verwiesen worden. Grund waren gefälschte ärztliche Atteste und häufiges unentschuldigtes Fehlen. Bei ihm angebotenen Ersatz-Schulen und den Behörden habe sich Steinhäuser dann seit November 2001 nicht mehr gemeldet.

Rau und Thierse kommen nach Erfurt

An der Trauerfeier für die Opfer des Amokschützen nehmen am kommenden Freitag unter anderem Bundespräsident Johannes Rau und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse teil. Die Zeremonie auf dem Domplatz beginnt um 11.00 Uhr; daran schließt sich ein ökumenischer Gottesdienst an. Zugesagt haben auch mehrere Ministerpräsidenten sowie CSU-Parteichef Edmund Stoiber und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. Zu den Rednern sollen neben Rau und Vogel der Erfurter Oberbürgermeister Manfred Ruge und Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht gehören. Die Feiern fänden unter freiem Himmel statt, "damit möglichst viele Menschen teilnehmen können", betonte Vogel.

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