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Amsterdam zeigt Manet als Maler des Meeres

Amsterdam (dpa) - Erstmals in Europa zeigt eine Ausstellung den bedeutenden französischen Maler Edouard Manet (1832-1883) als Schöpfer von Schiffs- und Meeres-Ansichten. «Edouard Manet - Meeresimpressionen» ist bis zum 26. September im van Gogh-Museum in Amsterdam zu sehen.

Amsterdam (dpa) - Erstmals in Europa zeigt eine Ausstellung den bedeutenden französischen Maler Edouard Manet (1832-1883) als Schöpfer von Schiffs- und Meeres-Ansichten. «Edouard Manet - Meeresimpressionen» ist bis zum 26. September im van Gogh-Museum in Amsterdam zu sehen.

Rund 30 Gemälde des Franzosen sowie 70 Werke von Courbet bis Renoir und Monet zeigen die Entwicklung des Künstlers, der zum wichtigen Wegbereiter des Impressionismus geworden ist. Die in Europa nur in Amsterdam zu sehende Schau war zuvor in Chicago und Philadelphia ausgestellt.

Das Meer, auf dem sich der junge Manet vergeblich eine Karriere als Seefahrer erhofft hatte, nimmt mit rund 40 Gemälden höchstens ein Zehntel des Lebenswerks in Beschlag, das der Künstler viel eher den Pariser Großstadtszenen gewidmet hatte. Gleichwohl bildeten das flüssige Element, die Fragilität der Schiffe und der beständige Wechsel des Wetters die richtige Kulisse für den nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchenden Sohn aus großbürgerlicher Familie.

Die spektakuläre Seeschlacht zweier US-Kriegsschiffe während des amerikanischen Bürgerkrieges wurde 1864 für Manet zum zündenden Moment. Das traditionsbeladene Thema Seeschlacht schilderte Manet reportagehaft mit Aufsehen erregend modernen Mitteln: Die schwarz- grüne See, der hohe Horizont, das gleißende Silber des Himmels und nicht zuletzt der tagesaktuelle Anlass erregten die Zeitgenossen ebenso wie das mangelnde Pathos und die sparsam verwendeten Farben.

Das steif ins Bild gefügte Fischerboot mit geschwellten Segeln auf einer wenig später gemalten Darstellung des siegreichen US- Schlachtschiffs zeigt, dass es Manet nicht um eine stimmungsvolle Darstellung von Wirklichkeit, sondern - in scheinbarer Naivität - um das Experiment des Malens an sich ging. Das 1868 entstandene «Schiffsdeck» zeigt das Geschick des Künstlers in altmeisterlicher Detailschilderung, schließlich waren dem «verkrachten» Seekadetten Schiffe bestens vertraut.

Manets breiten Pinselstrich und sparsame Palette übernahm der jüngere Claude Monet 1867 für seine furiose «Grüne Woge» mit dahin rasendem Segelboot: Der gegenseitige Einfluss der beiden Maler mit den ähnlichen Namen, der in der Präsentation spannend zu entdecken ist, gehört zu den Stärken der Amsterdamer Schau. Liebevoll karikiert Manet die Badegäste im «Strand in Boulogne» (1868) und geht - unter dem Einfluss Monets - mit «Der Hafen von Bordeaux» einen deutlichen Schritt Richtung Impressionismus: Wie zart flirrend die dürren Schiffsmasten im irreal rosa-blauen Himmelslicht zittern, das hat sich erst neulich nach einer gründlichen Reinigung des wegweisenden Meisterwerks von 1871 herausgestellt.

Im südlichen Küstenort Arcachon, Aufenthaltsort Manets nach dem Kriegsdienst 1870/71, werden Farben und Schatten kräftiger: Zum wohligen Sommerbild voll impressionistischer Sonne wird 1873 «Am Strand» mit Manets lesender Gattin Suzanne im zarten Tüllschleier und Bruder Eugène mit mächtiger Baskenmütze. Voll Melancholie entsteht ebenfalls im Todesjahr Manets «Ebbe in Berck»: Winzige, nur noch als schwarze «Kalligrafie» angedeutete Fischerboote liegen mit schlaffen Segeln am breiten Strand, der konturlos in ein Meer unter diffusem Himmel übergeht.

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