Amt des Parteichefs wird Chinas Präsident vermutlich abgegeben
Wer soll Jiang Zemin beerben?

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas hat am Montag in Peking dreitägige Beratungen aufgenommen. Im Mittelpunkt stehen das ideologische Erbe und die mögliche Nachfolge von Staats- und Parteichef Jiang Zemin. Es ist das letzte volle Plenum vor dem nur alle fünf Jahre stattfindenden Parteikongress im nächsten Herbst, berichteten Parteikreise.

dpa PEKING. Jiang Zemin ist in die Kritik der alten Linken geraten, seit er die Partei zu ihrem 80. Gründungsjahr im Juli aufgefordert hatte, auch Kapitalisten aufzunehmen. Er wird versuchen, Unterstützung für diesen Vorschlag und seine Theorie der "Drei Vertretungen" zu gewinnen. Danach repräsentiert die Partei die "fortschrittlichen Produktivkräfte", die moderne Kultur sowie die Mehrheit des Volkes.

Diplomaten stellten aber fest, dass die Parteimitglieder immer stärker eigene Interessen verfolgen und solche Theorien nicht mehr ernst nehmen, sondern "nur zum Schein mitmachen und auf Sitzungen abnicken". Es wird so auch erwartet, dass Jiang Zemins ideologisches Erbe auf dem Parteitag neben den Theorien des Reformarchitekten Deng Xiaoping und dem Gedankengut des "großen Steuermanns" Mao Tsetung als dritte Leitlinie in die Parteiverfassung geschrieben wird.

Jinag Zemin wird vermutlich noch bis 2003 Präsident bleiben

Um seinen weiteren Einfluss zu sichern, will Jiang Zemin auch Schützlinge in den mächtigen Ständigen Ausschuss des Politbüros holen, insbesondere seinen engen Berater Zeng Qinghong, der die Organisationsabteilung der Partei leitet. Der 75-jährige Jiang Zemin wird voraussichtlich auf dem Parteitag das Amt des Parteichefs abgeben und bis 2003 Präsident bleiben.

Darüber hinaus wird er aber - wie vor ihm Deng Xiaoping - die mächtige Position des Vorsitzenden der Militärkommission behalten und damit weiter im Hintergrund die Fäden ziehen. Als Nachfolger im Parteiamt gilt der 58-jährige Vizepräsident Hu Jintao, der vom 8. bis 11. November zu einem Besuch in Deutschland erwartet wird.

Der Wechsel an der Spitze wird auf dem Volkskongress im März 2003 fortgesetzt, wenn auch die Nummer Zwei und Drei in der Machthierarchie, Parlamentschef Li Peng und Ministerpräsident Zhu Rongji, abtreten. Beide sind heute 72 Jahre alt, dürften aber weiter versuchen, ihren Einfluss auszuüben, meinten Diplomaten.

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