Amtsinhaber liegt trotz Papst-Parodie-Skandal in Umfragen vorn
Sieg von Kwasniewski bei Präsidentenwahl in Polen erwartet

Bei den Präsidentschaftswahlen in Polen ist am Sonntag ein Sieg von Amtsinhaber Aleksander Kwasniewski erwartet worden. Trotz des Skandals um eine Papst-Parodie lag Kwasniewski in den jüngsten Umfragen mit rund 57 Prozent weit vor seinen elf Mitbewerbern. Solch ein Ergebnis würde ihm den Wahlsieg und damit eine weitere fünfjährige Amtszeit schon im ersten Durchgang sichern.

afp WARSCHAU. Sein schärfster Konkurrent war der parteilose Liberale Andrzej Olechowski, der in Umfragen auf etwa 17 Prozent der Stimmen kam. Der Lubliner Erzbischof Jozef Zycinski rief die Bürger im Namen der in Polen sehr einflussreichen katholischen Kirche auf, zur Wahl zu gehen, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete. Es wurde mit einer Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent gerechnet. Die Wahlbüros sollten um 20.00 Uhr schließen.

Viele der mehr als 29 Millionen wahlberechtigten Polen begaben sich an dem sonnigen Wahlsonntag direkt nach dem morgendlichen Kirchgang ins Wahllokal. Ein älterer Herr sagte nach der Stimmabgabe, er habe Kwasniewski gewählt, weil dieser "viel für Polen getan hat". Auch ein 20-Jähriger gab an, für den Amtsinhaber gestimmt zu haben: "Kwasniewski ist ein moderner Mann. Er hat Polen in die NATO geführt." Dem neuen Präsidenten könnte die Aufgabe zufallen, den für 2003 geplanten Beitritt Polens zu Europäischen Union (EU) auszuhandeln.

Ein Paar in den Vierzigern gab an, für den ehemaligen Außenminister Olechowski gestimmt zu haben, der vor allem auf Unterstützung durch die Wirtschaft und die Geschäftswelt zählen konnte. "Wir sind eher rechtsgerichtet, und im rechten Lager ist Olechowski der einzige, der der Unterstützung würdig ist." Dem Kandidaten Marian Krzaklewski vom regierenden konservativen Wahlbündnis Solidarität (AWS) ist es trotz der Papst-Parodie-Affäre nicht gelungen, Kwasniewski in den Umfragen zu gefährden: Er lag zuletzt bei lediglich zwölf Prozent.

Solidarität-AWS hatte in einem Wahlkampfspot ein Video aus dem Jahr 1997 gezeigt. Darin ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter Kwasniewskis bei einer Reise mit dem Präsidenten nach Kalisz in Westpolen die Segnungsgeste des Papstes nachahmt. Auf Aufforderung Kwasniewskis küsst er anschließend wie der Pontifex den Boden, der Staatschef schaut der Parodie amüsiert zu. Das Video löste im Heimatland von Johannes Paul II. einen Sturm der Empörung aus. Kwasniewskis Umfragewerte fielen zeitweise auf unter 50 Prozent. Und dass der Skandal noch nicht vergessen ist, bestätigt eine Rentnerin, die für Olechowski stimmte: "Kwasniewski kann sich nicht benehmen, er gefällt mir überhaupt nicht".

Völlig abgeschlagen lag in Umfragen vor der Wahl der frühere Präsident und Ex-Solidarnosc-Führer Lech Walesa. Er kam auf nicht einmal drei Prozent.

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