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Amtsmüdigkeit Grund für Mosleys RücktrittDPA-Datum: 2004-07-02 18:47:32

Magny-Cours (dpa) - Ausdrücklich verteidigt hat der im Oktober als Präsident des Internationalen Automobilverbandes (FIA) zurücktretende Max Mosley die erste medizinische Versorgung von Ralf Schumacher an der Rennstrecke in Indianapolis.

Magny-Cours (dpa) - Ausdrücklich verteidigt hat der im Oktober als Präsident des Internationalen Automobilverbandes (FIA) zurücktretende Max Mosley die erste medizinische Versorgung von Ralf Schumacher an der Rennstrecke in Indianapolis.

«Es sah nicht richtig aus, aber es war richtig», erklärte der Brite in Magny-Cours die generelle Anweisung an die Streckenposten bei Formel-1-Rennen, verunglückte Fahrer nicht selbst zu bergen, sondern zu warten, bis Ärzte an der Unfallstelle eingetroffen sind.

Mosley kritisierte allerdings die anschließende Behandlung im Methodist Hospital. «Ich bin überrascht, dass die Ärzte nicht die Frakturen entdeckt haben», sagte er. Erst bei einer erneuten Untersuchung entdeckten Mediziner der Sportklinik in Bad Nauheim acht Tage nach dem schweren Crash, dass sich Schumacher bei dem Einschlag in die Betonmauer des Hochgeschwindigkeitskurses den elften und zwölften Brustwirbel gebrochen hat.

Mosley erklärte, es sei auf allen Formel-1-Kursen garantiert, dass die Streckenärzte spätestens in zwei Minuten am Unfallort seien. Damit sei beispielsweise nach einem Herzversagen Reanimation gewährleistet, ein Fahrer müsse auch keine bleibenden Schäden befürchten. Nach dem Indianapolis-Unfall war Kritik laut geworden, Schumacher sei zu lange unversorgt in seinem Williams-BMW sitzen gelassen worden.

Amtsmüdigkeit ist der Grund für Mosleys überraschenden vorzeitigen Rücktritt. Der FIA-Präsident teilte mit, jetzt sei die Zeit für sein Ausscheiden aus dieser arbeitsaufwendigen Funktion gekommen. «Ich habe keinen einen tollen Job in Aussicht und bin auch gesund», sagte der seit 1991 amtierende Jurist. «Ich finde es nicht zufrieden stellend, lange Sitzungen zu absolvieren, deren Ergebnisse immer wieder umgeworfen werden. Man soll nicht bleiben, wenn einen der Beruf nicht mehr absolut fasziniert.»

Mosley versicherte, sein Entschluss sei unumstößlich. «Ich bin kein Formel-1-Teamchef und ändere meine Meinung nicht alle paar Minuten.» Damit schob er nicht nur den Rennstall-Verantwortlichen eine Mitschuld an seinem Rücktritt zu, sondern stellte auch klar, dass dieser Schritt keinesfalls - wie unterstellt - politisches Taktieren sei. Er habe viele Ziele erreicht und wolle jetzt noch eine letzte Aufgabe bewältigen: die Reform der Formel 1.

«Drastische Maßnahmen sind nötig», sagte Mosley, der seit langem für eine radikale Kostensenkung und Geschwindigkeitsreduzierung sowie noch mehr Sicherheit in der Königsklasse des Motorsports kämpft. «Ich bin optimistisch für die Zukunft der Formel 1.» Mosley skizzierte die FIA-Pläne für die anstehende Regel-Revolution.

Mosley erklärte, die FIA plane einschneidende Veränderungen bei Motoren, Reifen und Aerodynamik. «2005 müssen ein Motor zwei Grand- Prix-Wochenenden halten», sagte er. Für 2006 sollen die Triebwerke mit derzeit 3 Litern und 10 Zylindern auf 2,4 Liter und 8 Zylinder reduziert werden. Im Ausnahmefall könne der dann alte 3-Liter-Motor eingesetzt werden, allerdings mit einer deutlichen Drehzahlbeschränkung. In der kommenden Saison sollen einem Fahrer pro Rennwochenende nur noch zwei Reifensätze zur Verfügung stehen. Zudem sind weit reichende Einschränkungen bei der Aerodynamik geplant.

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