Amtsübernahme
Keine Pause für den President-elect

70 Tage hat Barack Obama Zeit, die Übernahme des Weißen Hauses zu organisieren. Er verliert keinen einzigen und ernennt bereits sein Übergangsteam. Die ersten Krisen-Minister und ein First Puppy sollen bald folgen.

CHICAGO. Viele Amerikaner befinden sich noch immer im Taumel. Auch am Mittwoch Abend kam es im ganzen Land zu spontanen Freudenfeiern, überall trifft man auf euphorisierte Leute in Obama-T-Shirts. Nur Barack Obama hatte sich am ersten Morgen nach seiner Wahl gleich wieder an die Arbeit gemacht.

Er brachte seine Töchter zur Schule, ging kurz zum Fitness-Training und beugte sich dann über lange Personallisten. Bis zum 20. Januar, dem Tag der Amtsübernahme, müssen Tausende von politischen Posten besetzt werden. In dieser angespannten Lage darf es keine Übergangsprobleme geben. Noch-Minister für Homeland Security, Michael Chertoff, warnte gestern bereits düster vor der Gefahr, dass Amerikas Feinde genau diese Zeit für eine Attacke nutzen könnten. Präsident George W. Bush versprach seinem Nachfolger eine enge Zusammenarbeit. Schon heute soll Obama sein erstes volles Briefing der Geheimdienste erhalten.

Tatsächlich hat Obama nicht vor, auch nur einen Tag Zeit zu verlieren. Bereits gestern Abend veröffentlichte seine Kampagne die Liste der Personen, die das sogenannte Transition-Team bilden. In Wahrheit sind einige von ihnen unter Führung des ehemaligen Clinton-Stabschef John Podesta schon seit Monaten bei der Arbeit, doch jetzt geht es auch offiziell los. Neben Podesta wird das Team von zwei engen Obama-Vertrauten geführt, von Valerie Jarrett und Pete Rouse.

Das Team selbst umfasst eine Reihe renommierter Politiker und Ex-Unternehmer. Unter anderem gehören dazu Ex-Handelsminister William Daley, Citigroup-Manager und Studienkollege aus Obamas Zeit in Harvard, Michael Froman, sowie Susan Rice, die bereits Bill Clinton in der Außenpolitik beraten hatte.

Auch die ersten Posten im Weißen Haus werden bereits besetzt. Nach übereinstimmenden Medienberichten bot Obama das wichtige Amt des Stabschefs (etwa dem deutschen Kanzleramtsminister vergleichbar) Rahm Emanuel an. Der hatte ebenfalls eng mit Bill Clinton zusammen gearbeitet und gilt als scharfer Hund.

Die Benennung der Kandidaten für das Amt des Finanzministers und des Chefs der Monsterbehörde Homeland Security werden bereits in den nächsten Tagen erwartet. Als Kandidaten für das in der akuten Krise so wichtige Amt des Finanzminister werden der New Yorker Notenbanker Timothey Geithner sowie Lawrence Summers und Robert Rubin gehandelt, die diesen Job schon unter Bill Clinton hatten.

Schon am 14. November findet in Washington der von Bush anberaumte Weltfinanzgipfel statt. Entweder schickt Obama seinen künftigen Finanzminister als Emissär dorthin – oder er verzögert die Personalentscheidung so lange, um den Eindruck zu vermeiden, er mische sich bereits vor der Inauguration am 20. Januar in die Amtsgeschäfte ein.

Allerdings forderte Bush in einer kurzen Rede, in der er die Wahl Obamas als historischen Schritt für Amerika würdigte, seinen Nachfolger ausdrücklich zur engen Zusammenarbeit auf. Obama, die künftige First Lady Michelle und ihre beiden Töchter lud er zu einem Besuch im Weißen Haus ein. Dann kann die Familie endlich Maß nehmen für ihre Vorhänge. Konkurrent John McCain hatte diesen Wunsch Obama schon lange unterstellt, weil der kurz nach den Vorwahlen damit begonnen hatte, ein Übergangsteam zu installieren.

Zunächst muss der erste schwarze Präsident Amerikas aber eine weitere schwierige Personalentscheidung treffen, bei der er im Wort steht. Bei seiner Siegesrede von 200 000 Chicagoern hatte er ein Versprechen wiederholt, das er seinen Töchtern Sascha und Malia in den schwierigen Wahlkampfmonaten gegeben hatten: Sollten sie tatsächlich nach Washington ins Weiße Haus einziehen sollten sie endlich den ersehnten Hund bekommen.

Doch was für ein Hund nun als First Puppy im Weißen Haus die Möbel anknabbern darf, darüber wird im Internet heftig debattiert. Das Thema ist so brisant, das selbst die New York Times online ihm eine sehr lange Erörterung gönnt: Ein Rassehund, ein Mischling, womöglich aus dem Tierheim?

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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