An den Auftragseingangszahlen scheiden sich die Geister
Analysten uneins über die Singulus-Aktie

Analysten beurteilen die Singulus-Aktie sehr unterschiedlich. Für Kleinanleger ist es oft noch schwieriger, bei Einzeltiteln am Neuen Markt gut informiert zu sein.

rsc/Reuters DÜSSELDORF. Zeitweise lag die Singulus-Aktie heute fast 20 % im Minus. Obwohl es bei der Singulus AG ein Rekord-Quartal mit guten Umsatz-Zahlen gab, stuften gleich zwei Banken die Aktie herab: Die DG Bank und die Dresdner Kleinwort Benson raten dazu, die Aktien des DVD-Herstellers zu verkaufen.

Analyst Harald Schnitzer von der DG Bank sagte, dass Singulus die meisten Erwartungen übertroffen habe und es dennoch schlechte Faktoren gebe, beispielsweise die stark zurückgehenden Auftragseingänge. Der Markt für optische Speicherplatten zähle zwar weiterhin zu den Wachstumsmärkten, doch habe man es hier mit einem sehr zyklischen Geschäft zu tun.

"Wir haben die Aktie über zwei Jahre zum Kauf empfohlen", sagte Schnitzer gegenüber Handelsblatt.com, "der Titel hat den Wachstumstrend sehr gut mitgenommen, jetzt haben wir auf die neuen Fakten reagiert."

Die Analysten von Dresdner Kleinwort Benson teilten mit, Singulus habe beim Umsatz zwar die Erwartungen erreicht, die Auftragseingänge des dritten Quartals lägen jedoch unter den Prognosen. Zudem seien in diesem Jahr in starkem Maße Kapazitäten aufgebaut worden, die für das kommende Jahr nur noch wenig Margen für Wachstum ließen.

Auf dem jetzigen Niveau kann ein Einstieg Sinn machen

Die West LB hingegen belässt die Empfehlung bei Singulus auf "Kaufen". Analyst Karsten Oblinger sagte auf Anfrage von Handelsblatt.com: "Die Auftragseingänge muss man differenziert betrachten. Wenn man einen Großauftrag aus dem letzten Jahr herausrechnet, ergibt sich bereinigt ein Auftragsplus von 18 %."

Die Unternehmens-Story sei weite intakt, daher könne auf dem aktuellen Niveau die Aktie gekauft werden, sagte Oblinger. Die gesamte Branche von Herstellern optischer Speichermedien stünde aktuell nicht gut da. "Der Markt wächst nicht mehr so schnell, vielleicht haben einige Anleger das realisiert", versuchte der Aktien-Experte den Kursabsturz zu erklären.

Auch Dirk Lohmann, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, empfiehlt die Singulus-Aktie weiter zum Kauf. "Die Zahlen sind gut, das einzig kritische ist der Auftragseingang", sagte Lohmann. Den Rückgang der Auftragseingänge habe er erwartet, die weitere Entwicklung des Unternehmens werde nach den Zahlen zum vierten Quartal deutlich.

Händler erklärten, die Unternehmens-Zahlen seien im Markt zunächst gut aufgenommen worden, kurz nach Handelseröffnung sei dann aber ein größerer Verkäufer aktiv geworden. Analysten hatten im Durchschnitt ein Ebit von 46,7 Mill. DM und einen Umsatz von 179,7 Mill. DM erwartet, der deutlich übertroffen wurde.

Privatanleger müssen am Neuen Markt gut informiert sein

Dass die Singulus-Aktie heute so stark zurückgefallen ist, war für Analyst Stefan Schießer von der GZ-Bank nur "eine Frage der Zeit". Er sieht sich in der These bestärkt, dass es am Neuen Markt zunehmend eine Zweiteilung zwischen großen Gesellschaften und Unternehmen der zweiten Reihe gibt.

Kleinanlegern empfiehlt Schießer daher, auf Zertifikate oder Fonds zu setzen und nur Einzeltitel ins Depot einzukaufen, wenn sie auch genügend Informationen über das Unternehmen und die Branche besitzen. "Es ist für eine Einzelperson äußerst schwierig, Neue-Markt-Unternehmen zu analysieren", sagt Schießer.

Um 16:20 Uhr gab der Kurs der Singulus-Aktie um minus 18,25 % auf 48,97 Euro nach.





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