An der Börse in Moskau sind die Aktienkurse in diesem Jahr um 65 % gestiegen
Russlands neue Politik begeistert die Anleger

Wenn Tendenzen an Börsen bisher von der großen Weltpolitik bestimmt wurden, zählten Aktienmärkte aus instabilen Regionen und fragilen Wirtschaftssystemen in der Vergangenheit meist zu den Verlierern. Dies galt bislang auch für Russland. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Börse Moskau trotzt den weltpolitischen Turbulenzen. Der MTMS-Index ist seit Jahresbeginn um 65 % gestiegen. Auch russische Anleihen zählten in diesem Jahr zu den Top-Favoriten.

FRANKFURT/M. Nicht zuletzt die Öffnung Russlands gegenüber dem Westen, die in jüngster Zeit in einer sehr pragmatischen Haltung von Russlands Präsident Vladimir Putin in der Frage der Bekämpfung des internationalen Terrorismus sichtbar wurde, hat der Welt gezeigt, dass sich in der Weltpolitik erstaunlich positive Dinge tun. Russland wird vom Westen in politischen und ökonomischen Fragen inzwischen als Partner voll akzeptiert. Der langwierige Wandlungsprozess des Landes wird dabei vom Westen voll unterstützt.

Der Wandel in der Innen- und Außenpolitik Russlands blieb den Kapitalsammelstellen in den westlichen Finanzzentren nicht verborgen. Sie investierten in den vergangenen Monaten hohe Beträge in eine noch immer mit zahlreiche Fragezeichen aufweisende Zukunft Russlands. "Unser Optimismus gegenüber russischen Wertpapieren hat sich bestätigt", sagt Jens Schmitt, Geschäftsführer von J.P. Morgan Fleming in Frankfurt. Nach der positiven Wertentwicklung rechnet er jetzt allerdings damit, dass die Kursentwicklung russischer Wertpapiere zunächst nicht mehr so vehement verlaufen wird. "Wir haben Russland auf unsere Watchliste gesetzt und werden die Gewichtung möglicherweise zurücknehmen", erklärt Schmitt.

Das Wohl und Wehe der Börse Moskau hängt eng an der Entwicklung des Ölpreises. Peter Boone von UBS Warburg in London hat errechnet, dass ein Ölpreisrückgang von 1 $ je Barrel im russischen Staatsetat einen Einnahme- Ausfall von 1,4 Mrd. $ bewirkt. "Der derzeitige Preis für Ural-Rohöl liegt klar unter den Etatprognosen für 2002", betont Sonal Desai von WestLB Global Financial Markets die derzeitige Schwäche des Ölpreises. Die Regierung in Moskau hatte den Preis von 18,5 $ als Berechnungsgrundlage für einen ausgeglichenen Staatshaushalt 2002 angesetzt.

"Wir reduzieren unsere Ölprognose für 2002 auf durchschnittlich 17,5 $ je Barrel", sagt Aleksandr M. Knaster von der Alfa-Bank in Moskau angesichts der aktuellen Ölmarkt-Situation. Am Dienstag lag der Preis der russischen Richtmarke Ural bei 17,85 $. Noch habe der labile Ölmarkt die Hausse der Ölaktien nicht gebremst, meint die Alpha- Bank. Während die Lukoil-Aktie für die Analysten des Instituts weiter kaufenswert ist, stuft Erik Wiegertz von UBS Warburg die Aktie nur als haltenswert ein. Er begründet seine Zurückhaltung auch mit der Ankündigung der Regierung, weitere Lukoil-Anteile verkaufen zu wollen. Positiv sind sowohl die Alpha- Bank ("Kauf") als auch UBS ("klarer Kauf") für das Ölunternehmen Yukos gestimmt.

Rubel-Aktien sind noch immer niedrig bewertet. Dies gilt vor allem für Öl- und Versorgeraktien. Während das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der Emerging Markets Mittel- und Osteuropas von UBS Warburg für 2001 und 2002 mit 8,7 bzw. 7,7 genannt wird, werden diese Kennziffern für Russland mit 4,8 bzw. 4,2 genannt

Alternativen zu Ölaktien

Angesichts der am Ölmarkt bestehenden Unsicherheiten halten Anleger nach Alternativen zu Ölaktien Ausschau. Dabei werden defensiven Aktien der Versorger- und Telekombranche wie UES, Mosenenergo und Rostelecom bevorzugt. UBS Warburg verweist in diesem Kontext auf Anlagechancen, die durch die derzeitige Deregulierung und Liberalisierung am Strom- und Telekommarkt entstehen.

UES hat der Regierung einen Plan zur Schaffung zehn unabhängiger Stromerzeuger vorgelegt, die für mehr Wettbewerb sorgen sollen. Bei der Alpha-Bank wird die UES- Aktie als kaufenswert erachtet. Der Energieversorger hatte für die ersten neun Monate einen 39 %igen Umsatzsprung gemeldet.

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