An der Wall Street geht die „Enronitis“ um

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An der Wall Street geht die „Enronitis“ um

Die Wall Street startete die Woche im Minus. Der Dow Jones ging mit 9687.92 Punkten am Montag aus dem Handel. Auch bei den Wachstumswerten sah es nicht viel besser aus. Der Nasdaq Index sackte um knapp drei Prozent auf 1855.54 Punkte. Hart getroffen hat es den Mischkonzern Tyco, der 16 Prozent abrutschte und die am meisten gehandelte Aktie des Tages war. Hartnäckig halten sich Gerüchte um Unstimigkeiten in den Büchern des Konzerns. Für positive Nachrichten sorgten Hardware-Produzent Hewlett Packard und Baumarktbetreiber Lowe?s. Beide Unternehmen lagen mit ihren Quartalszahlen über den Erwartungen der Analysten.

Sorgen bereiten den Marktteilnehmern immer mehr Gerüchte über Unstimmigkeiten bei den Unternehmenergebnissen. Bei immer mehr Unternehmen glauben sie, dass Probleme vertuscht wurden. "Die Enron-itis geht um", hieß es auf dem Parkett. In ernste Schwierigkeiten ist Tyco geraten. Der Konzern kann die Investoren nicht überzeugen, dass bei der Rechnungslegung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Damit nicht genug, die Kredit-Rating-Sparte von S&P ghat die Kreditwürdigkeit des Mischkonzerns abgewertet. Nur noch zwei Stufen trennen die Tyco-Anleihen nun vom Junk-Status. Wie bekannt wurde, hat Tyco im vergangenen Jahr Übernahmen im Wert von acht Milliarden Dollar getätigt. Davon wurden Invstoren allerdings nicht unterricht, die den Konzern nun mit deutlichen Kursabschlägen bestrafen. Auch bei der Telefongesellschaft Worldcom halten sich Gerüchte hartnäckig, dass die Firma in finanziellen Schwierigkeiten stecken könnte. Jetzt ist auch Amazon unter Verdacht. Der Onlinehändler hatte seinen Jahresabschluß der Börsenaufsicht SEC vorgelegt. Dabei wurde bekannt, dass Amazon Wertpapiere im Wert von 166,7 Millionen Dollar verpfändet hat als Sicherheit für finanzielle Verpflichtungen. Nun sorgen sich Marktteilnehmer über die Liquiditätssituation des Unternehmens. Die Aktie verliert kräftig. Das Wall Street Journal hatte in einem Bericht darauf hingewiesen. Heute abend wird Amazon eine Telefonkonferenz abhalten. Auch das Sorgenkind Enron leistet mal wieder seinen Beitrag zum schwächeren Start der Märkte. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Kenneth Lay sollte heute vor einem Ausschuss des Kongress in Washington Rede und Antwort stehen. Eine Antwort kam jedoch nur von den Anwälten: Lay erschien heute nicht in Washington. An der New York Stock Exchange hinterlassen die Nachrichten einen faden Beigeschmack. Finanzaktien geraten erneut in den Sog der bedrohten Firmen. Citigroup , American Express und J.P. Morgan gehören zu den größten Verlierern im Dow Jones Index. Die Finanzwerte belastete auch die anhaltende Krise in Argentinien. Bessere Nachrichten kommen dafür aus der PC-Branche. Hewlett-Packard wird die Gewinn- und Umsatzprognosen im laufenden Quartal übertreffen. Auch aus dem Einzelhandel kommen positive Signale. Die Baumarktkette Lowe´s spricht ebenfalls von einem besseren Geschäft als bisher erwartet worden war. Petrus sei Dank, denn das Management macht das gute Wetter für den Aufschwung verantwortlich. Für Bewegung am Markt sorgte auch die Politik: Präsident Bush hat am Montag dem Kongress seinen Haushaltsplan überreicht. Darin hat Bush Steuererleichterungen und Programme vorgesehen, die die Konjunktur ankurbeln sollen. Der US-Präsident erklärt eine starke Wirtschaft für unabdingbar im Kampf gegen den Terror. Der Haushaltsplan sieht Kürzungen bei Ausbildungsprogrammen vor, während der Verteidigungsetat gestärkt wird. Bush will 379 Milliarden Dollar für das Militär ausgeben. Während Lockheed und Northrop - Hersteller des Aufklärungsfliegers "Global Hawk" - profitierten, ging es bei anderen Verteidigungswerten abwärts. Grund. Bushs Plan kamnicht überraschend und die Kurse hatten im Vorfeld schon abgehoben. "Die Leute haben das erwartet", erklärte Cai von Rumohr, Analyst des Brokerhauses SG Cowen. Goldman Sachs sieht zum Wochenauftakt einige Chipausrüster in psoitivem Licht. Die Halbleiterabsatzzahlen für das laufende Quartal verlaufen zufriedenstellend. Zumindest deutet sich in einem ohnehin saisonal flauen ersten Vierteljahr dieses Jahres ein leichter Aufwärtstrend an. Besonders positiv äußern sich die Analysten zu Applied Materials . Die Aktie stufen sie nicht mehr als "Market Performer" ein, sondern nehmen sie in ihre "Empfehlungsliste" auf. Auch Teradyne , KLA-Tencor und ATMI kommen auf die Liste. Novellus wird von "Market Performer" auf "Market Outperformer" gestuft. Insgesamt rät Goldman Sachs den Investoren, die Branche überzugewichten. Die Firmen werden in den kommenden Quartalen deutlich steigende Ordereingänge verbuchen, heißt es zur Begründung. Insgesamt sind die profesionellen Beobachter aber nicht allzu optimistisch.Bisher haben 350 der im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Geschäftszahlen vorgelegt. Danach sind die Unternehmensgewinne im vierten Quartal 2002 bisher um 23 Prozent gefallen. Wegen der angespannten Konjunktur haben viele Firmen ihre Ausgaben - beispielsweise für Flüge oder Netzwerke - drastisch gekürzt. Zudem führten die Massenentlassungen zunächst zu Restrukturierungskosten und anderen Einmalzahlungen, die die Gewinne geschmälert haben. Ford, Merrill Lynch, Verizon, JDS Uniphase und Motorola beispielsweise haben ein Minus von jeweils über einer Million Dollar angehäuft. Nach Angaben der Finanzagentur Thomson Financial/First Call werden die Gewinne im laufenden Quartal um durchschnittlich acht Prozent fallen. Damit gäbe es in fünf aufeinander folgenden Quartalen ein Minus - das gab es das letzte Mal 1969/1970. Das zweite Quartal wird vermutlich ein durchschnittliches Gewinnplus bringen. © Wall Street Correspondents

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