An der Wall Street könnte die Wende kommen

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An der Wall Street könnte die Wende kommen

Zum Wochenende sieht es so aus, als könnte die Wall Street den Abwärtstrend stoppen. Zwar hatten schon am Mittwoch und Donnerstag die Futures einen Handelsauftakt im Plus angekündigt, doch am letzten Handelstag der Woche notiert vor allem der marktbreit gefasste S&P 500 mit 5 Zählern im grünen Terrain - so stark wie seit einer Woche nicht.

Am Donnerstagabend hatten die großen US-Indizes den fünften Tag in Folge mit Verlusten beendet. Der Dow Jones gab erneut 28 Zähler oder 0,3 Prozent ab und schloss auf 9 625 Punkten. Die Nasdaq verlor weitere 30 Zähler oder 1,7 Prozent und ging mit 1 782 Punkten aus dem Handel. Auf das junge Jahr bezogen fällt die Bilanz ernüchternd aus: Der Dow notiert 6 Prozent, die Nasdaq 14 Prozent unter den Höchstständen der ersten Januarwoche.

Es zeichnet sich ab, dass nach einigen Unternehmenspleiten, der Angst vor Bilanz-Unstimmigkeiten bei zahlreichen Unternehmen aller Branchen und den anhaltend mäßigen Nachrichten von Unternehmensseite das Vertrauen in den Markt geschwunden ist. Den Optimismus, den Notenbank-Chef Alan Greenspan noch vor zwei Wochen so ausdrücklich in den Markt gedrückt hatte, teilen weder die CEOs der großen Konzerne noch die Investoren. Weshalb am Freitag auch nicht mit großen Gewinnen zu rechnen ist; auf dem Parkett hofft man bescheiden auf eine Trendwende.

Eine Erholung zeichnet sich zunächst für einige der Firmen ab, die Anfang der Woche von Enron-itis befallen waren, denen Anleger vor dem Hintergrund strittiger Bilanzführung Vertrauen und Geld entzogen hatten. Der Telekomriese WorldCom legt am früher Morgen 8 Prozent zu, nachdem Bernard Ebbers ankündigt, einen firmeninternen Kredit über 340 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Ebbers hatte mit dem Geld eigene Aktien gekauft und muss die Verbindlichkeit unerwartet früh begleichen, da die Aktie von WorldCom einen vertraglich festgelegten Mindestwert unterschritten hat.

Eine Umfrage der Business Week hat ergeben, dass Fond-Manager die Aktie von General Electric für kaufenswert halten. Auch diese hatte unter den Nachbeben des Enron-Debakels gelitten und an Wert verloren. Dabei gebe es "keine Anzeichen für Bilanz-Unstimmigkeiten bei GE"; wie ein Experte zitiert wird. Die GE-Aktie eröffnet im Plus.

Auch die Aktie von Tyco steht weiter auf der Gewinnerseite. Das Unternehmen hatte zuerst mit dem Konzept, vier Teilbereiche auszugliedern und einzeln an die Börse zu bringen, Schlagzeilen gemacht, und danach mit seinen Enron-gleich undurchsichtigen Bilanzen. Dass Tyco Anlegern hunderte Akquisitionen in einer Gesamthöhe von mehr als 8 Milliarden Dollar verschwiegen hat, machte den Konzern nicht glaubwürdiger. Angesichts dramatischer Kursverluste trauen sich Investoren nun aber wieder an die Aktie.

Weiter bergab geht es allein mit dem Bio-Pharmazeuten Elan. Die Börsenaufsicht SEC hat eine Untersuchung gegen das Unternehmen eingeleitet. Das Management gibt sich optimistisch, man sei "erfreut, nun alle Missverständnisse ausräumen zu können." Doch Anleger bleiben skeptisch, Elan verliert vor der Glocke weitere 7 Prozent an Wert.

Auch ein weiterer Pharmazeut bleibt unter Druck: Der Pharmariese Bristol-Myers Squibb nämlich nimmt den Kursverfall und die Ungereimtheiten bei Imclone nicht weiter hin. Das Unternehmen hat sich im November mit einem 20 Prozent-Anteil bei Imclone eingekauft und fordert nun 800 Millionen Dollar zurück. Zudem fordert Bristol einen größeren Anteil aus den Erlösen des Krebsmedikaments "Erbitux", das möglicherweise demnächst die Zulassung bekommen wird. 6 Prozent verliert die Aktie vor Handelsbeginn.

Zahlreiche Chipwerte scheinen am Freitag im Plus zu eröffnen, obwohl aus dem Sektor noch wenig Gutes zu vernehmen ist. Triquint Semiconductor, ein Hersteller von Chips für Mobilfunktelefone und Glasfaserkomponenten, hat im abgelaufenen vierten Quartal einen Verlust von 60 Millionen Dollar erwirtschaftet. Nach Abzug von außergewöhnlichen Kosten wie Abschreibungen ergab sich ein kleines Plus von 1,2 Millionen Dollar, das entspricht einem Gewinneinbruch um 97 Prozent. Triquint rechnet weiter mit schwacher Nachfrage. Dennoch legt die Aktie vorbörslich leicht zu. Anleger nutzen die günstigen Aktienkurse in einem der schwächsten Sektoren der letzten Woche.

Kraft könnte der Markt zum Wochenschluss erneut aus dem Finanzsektor ziehen. Die Analysten von Merrill Lynch setzen die Aktie der American International Group , eines der größten US-Versicherers und Finanzdienstleisters, auf die "Focus One"-Liste. Der Kurs der Aktie entwickle sich seit drei Jahren eher flach, während das Unternehmen Wachstum verzeichne, urteilen sie. Auch andere Finanztitel setzen den Aufwärtstrend vom Donnerstag fort. Den Dow dürften erneut JP Morgan Chase und Citigroup stützen.

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