Archiv
An der Wall Street siegten erneut die Bären: „Hasta la vista, Arnold“

Die "Enron-itis" hat sich zu einer offenen Unsicherheit über die Stabilität der Wirtschaft ausgewachsen. Obwohl auf dem Parkett nur noch vereinzelt über die Bilanzkrittelei bei Tyco, Williams und WorldCom geredet wird, kommt der Markt nicht auf die Beine. Zur Wochenmitte lugten die beiden großen US-Indizes zwar hin und wieder über die Null-Linie, am Ende schlossen aber beide mit erneuten Verlusten. Der Dow Jones gab 32 Zähler ab und ging mit 9653 Punkten aus dem Handel, die Nasdaq rutschte um 25 Zähler auf 1812 Punkte.

Am Morgen hatte Arnold Schwarzenegger für gute Laune unter den Händlern gesorgt, als er die Eröffnungsglocke läutete und versuchte, mit einem drohenden "Hasta la vista" die Bären zu vergraulen. Doch gute Laune ist nicht unbedingt Kauflaune, die Bären drehten den Spieß um und schickten Schwarzenegger in die Wüste.

Zulegen konnte im Mittwochshandel nur der Netzwerk-Sektor, wenn auch weniger als zunächst erwartet. Es half vor allem der Branchengigant Cisco mit einer Überraschung: Nachdem ein internes Memo zuviel Aufsehen erregt hatte, hatte CFO Larry Carter entschieden, den voreiligen Blick auf die Quartalsbilanz am Abend schon vor Handelsbeginn publik zu machen. So wusste der Markt schon früh, dass Cisco die Analystenerwartungen übertreffen werde, und so kam es nach der Glocke auch: Für die abgelaufenen drei Monate weist das Unternehmen einen Gewinn von 660 Dollar oder 9 Cent pro Aktie aus. Der Umsatz lag bei 4,8 Milliarden Dollar, und damit ebenfalls über den Prognosen. Von einem frühen Plus von 4 Prozent blieben der Cisco-Aktie am Ende nur 0,3 Prozent, um ebensoviel verbesserte sich der Branchenindex, nachdem Konkurrenten wie JDS Uniphase, Broadcom oder Riverstone ihre Rally aufgaben.

Abwärts ging es hingegen für Hard- und Software. An letzterem hatte die Aktie von Computer Associates Anteil. Das Sorgenkind der Wall Street gab 13 Prozent ab, nachdem die Rating-Agentur Moody´s die Finanzlage unter die Lupe genommen hat. Moody´s wird wohl die Kreditwürdigkeit des drittgrößten US-Softwareherstellers senken. Es sei nicht ausgeschlossen, so Moody?s, dass der Softwarehersteller die Gewinnerwartungen verfehlen könnte. Davon will das Management nichts wissen: Computer Associates bestätigte die Gewinnerwartungen für 2002.

Für den Telekomsektor blieb ein anfangs erhoffter Aufschwung aus. Der drittgrößte US-Kabelnetzbetreiber, Comcast , hat im vierten Quartal einen Verlust von 321 Millionen Dollar erwirtschaftet. Das ist Anlegern zu hoch, obwohl Comcast teure Akquisitionen und Investitionen verantwortlich macht und versucht, ein optmistisches Bild zu zeichnen. Das Unternehmen kauft zum einen den Kabelbereich von AT&T, zum anderen werden die Kabelnetze mit hohem Aufwand modernisiert. Die Aktie gab 6,3 Prozent ab.

Auch die Aktie von AT&T gab 2,4 Prozent ab, obwohl das Unternehmen am Morgen ein neues Tarifmodell vorgestellt hat, mit dem man seine Marktanteile vor allem im Bereich Ferngespräche ausbauen könnte. Ein Upgrade stützte unterdessen die Aktie von Motorola : Die Analysten von Morgan Stanley werten das Papier als "Market Outperformer" und setzen das Kursziel auf 17 Dollar herauf. Sie sehen Wachstum vor allem in der Markteinführung neuer Handys begründet. Motorola legte 1 Prozent zu.

Etwas Luft holen konnte die Aktie von Tyco , die zur Wochenmitte 12 Prozent gewann. Das macht zwar jüngste Verluste aus der grassierenden "Enron-itis" bei weitem nicht wett, stoppt aber zumindest den totalen Verfall des Papiers. Das Wall Street Journal und die Analysten von Bear Stearns rechnen übereinstimmend damit, dass Tyco seinen Finanzsektor CIT verkaufen wird. Als mögliche Käufer stünden General Electric, Fleet Boston und UPS bereit. Bear Stearns empfiehlt, die Aktie zu "kaufen".

Für Schlagzeilen sorgen am Mittwoch einige defensive Werte. Schwach behauptet schloss die Aktie von Anheuser-Busch . Die Brauerei hinter dem meistverkauften US-Bier, Budweiser, weist für das vierte Quartal einen Gewinn von 222 Millionen Dollar oder 26 Cent pro Aktie aus. Damit liegt man nicht nur in Höhe der Erwartungen, sondern präsentiert das 13. Quartal in Folge ein Gewinnwachstum im zweistelligen Prozentbereich. Damit ist man allerdings nicht etwa am Ende der Fahnenstange: Der Marktanteil des Brauers aus St. Louis (Missouri) hat sich auf 48,8 Prozent verbessert, und eine Kooperation mit Bacardi soll das Unternehmen im Sommer in ein neues Segment führen. Bacardi Silver - halb Bier, halb Rum und mit Zitrus-Geschmack - soll junge Kunden ansprechen.ppp

Auch Pepsi legte am Mittwoch Zahlen vor: Im abgelaufenen Quartal verdiente das Unternehmen 764 Millionen Dollar oder 42 Cent pro Aktie, das entspricht einer Gewinnsteigerung um 16 Prozent. Stark sei das Geschäft mit dem Tafelwasser Aquafina gelaufen, weniger erfolgreich habe man zuletzt mit dem erfolgsversprechenden Powerdrink Gatorade abgeschnitten. Das bringt Anleger ins Grübeln: Die Aktie des Lebensmittelriesen, der neben Softdrinks auch die Hafeflocken Quaker Oats und FritoLay-Chips vertreibt, verliert 3,3 Prozent.

Auch Flocken-Konkurrent General Mills drückt auf den Lebensmittel-Sektor: Die Aktie verlor 11 Prozent, nachdem der größte Müsliproduzent der USA die Erwartungen an das laufende dritte Quartal heruntergesetzt hat. Das Management rechnet mit einem Anteilsgewinn von 27 - 29 Cent, vorher war man von einem Gewinn von 42 Cent pro Aktie ausgegangen. Auch andere Konsumwerte stehen unter Verkaufsdruck: Mit Kellog?s verliert ein weiterer Flockenhersteller fast 3 Prozent, Papiere von Heinz, Wrigley?s und Campbell Soups geben jeweils 2 Prozent ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%