An die Grenzen gestoßen
Neue TV-Welle drückt auf die Preise

Neue TV-Angebote im Reality- und Comedy-Bereich sind an ihre Grenzen gestoßen und werden die optimistischen Erwartungen wohl nicht erfüllen. Nach "Big Brother" (RTL II) musste auch die ProSieben-Vermarktungsfirma SevenOne Media die Werbepreise für die auf vier Tage verlängerte Comedyshow "TV Total" senken, wie am Freitag bekannt wurde.

dpa HAMBURG. Eine SevenOne-Media-Sprecherin begründete diesen Schritt aber nicht mit gesunkenen Einschaltquoten, sondern mit dem Vorpreschen der IP Deutschland, die die Werbezeiten für RTL II verkauft. "Deswegen nehmen auch wir marktgerechte Anpassungen vor", sagte sie.

"Das Spiel ist nicht, sich gegenseitig zu unterbieten", entgegnete ein Sprecher der IP Deutschland. Es bestehe kein direkter Zusammenhang zu RTL II, vielmehr seien die gesunkenen Einschaltquoten von "TV Total", das seit Februar vier Mal wöchentlich ausgestrahlt wird, der Grund für die ProSieben- Preissenkung. Früher erreichte Stefan Raab am Montag allein noch um die 30 % Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Jetzt schwanken die Marktanteile an allen vier Wochentagen zwischen 20 und 25 %. SevenOne Media senkt mit Wirkung ab April die Preise für den 30-Sekunden-Spot am Montag um 25 bis 30 %, für die anderen Tage um fünf Prozent.

Der Boom der neuen TV-Generation mit Quizshows, Real-Life- Sendungen und Comedy steckt inzwischen in einer tieferen Krise, als viele Programmverantwortlichen es wahr haben wollen. Ein deutliches wirtschaftliches Zeichen setzte die IP Deutschland mit der Senkung der "Big Brother"-Preise bei RTL II um 26 bis 45 %. Ob der Sender in diesem Jahr wieder mehr als eine Milliarde DM umsetzt, erscheint höchst fraglich. Auch die allgemeinen Prognosen für den TV-Werbemarkt, der jährlich mehr als zehn Mrd. DM umsetzt, sind immer noch gedämpft, auch wenn es von SevenOne Media heißt: "Der Markt zieht wieder an." Die IP Deutschland erwartet noch ein Netto-Wachstum von sechs Prozent am TV-Werbemarkt.

Längst haben sich die Sender vom Boom der neuen TV-Unterhaltung, die die Umsätze bröckeln lässt, abgekehrt. RTL II setzte in der jüngsten Vergangenheit notgedrungen die Kneipen-Soap "To Club" ab und hat angekündigt, "Big Brother 4" erst im kommenden Jahr auszustrahlen. SAT.1 musste die Mädchen-Containershow "Girlscamp" bereits während der Ausstrahlung deutlich abspecken - der Zuschauer wollte die Sendung nicht sehen. In dieser Woche beschloss der Sender, die Show "Das Inselduell" nicht - wie zunächst geplant - am 9. Juli in die zweite Staffel gehen zu lassen.

ProSieben lässt indes nicht gelten, dass "TV Total" einen enttäuschenden Verlauf genommen habe. Zwar seien die Marktanteile am Montag gesunken. An den anderen Tagen hätten sie aber im Vergleich der zuvor auf diesen Sendeplätzen ausgestrahlten Formate zugenommen.

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