An die Spitze der OMV AG gerückt: W. Ruttenstorfer: Durch und durch Technokrat

An die Spitze der OMV AG gerückt
W. Ruttenstorfer: Durch und durch Technokrat

Kein leichter Job für den neuen Chef von Österreichs größtem Energiekonzern: Er soll eine Übernahme verhindern und OMV an die Spitze in Zentraleuropa führen.

WIEN. Es soll Führungskräfte geben, deren Lebenslauf so gar nicht mit der persönlichen Aura harmoniert. Bei Wolfgang Ruttenstorfer ist das nicht so. Dem sportlich-schlanken, fast nur in dezentem Blau auftretenden, meist lächelnden neuen OMV-Chef passt sein Lebenslauf wie eine zweite Haut. Ecken und Kanten, gar Emotionen, all das hat bei Ruttenstorfer keinen Platz. Nicht einmal sein Ausflug in die Politik hat bei ihm Spuren hinterlassen.

Aber selbst dort machte das Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) Eindruck. Als Staatssekretär im Wiener Finanzministerium war Ruttenstorfer von 1997 bis 1999 nicht nur für die Verwaltungsreform zuständig, sondern auch für die Vorarbeiten zur Wirtschafts- und Währungsunion. Ungewollt lenkte er die Aufmerksamkeit internationaler Investmentbanken auf sich, ihren Lockrufen erlag er aber nicht. Der Abschied von der Politik vor knapp zwei Jahren fiel ihm leicht. Er kehrte zurück in die Welt von Erdöl und Erdgas - in seine Welt.

Ruttenstorfer ist OMV-ler quasi von Geburt an. Stolz berichtet er, 1950 in einer Werkswohnung des Konzerns zur Welt gekommen zu sein. Schon sein Vater war leitender Angestellter in Österreichs einziger Raffinerie. Und selbst in seiner Doktorarbeit blieb Ruttenstorfer dem Thema Öl treu; er untersuchte die Mineralölpolitik Italiens.

Intelligent, zielstrebig, aber kühl. Mit diesen Attributen charakterisieren Weggefährten Ruttenstorfer. Herrmann Michelitsch, von 1985 bis Ende 2000 OMV-Pressechef, beschreibt ihn als "unheimlich ehrgeizig und analytisch, als raschen Entscheider, der für Winkelzüge und taktische Spielchen nicht zu haben ist".

Diese Geradlinigkeit war es wohl, die Ruttenstorfer in der Politik nicht alt werden ließ. Besonders der Wahlkampf war ihm ein Greuel. So meinte ein Wahlkampf-Stratege der SPÖ nach Ruttenstorfers TV-Konfrontation mit dem Spitzenkandidaten der FPÖ, dem Industriellen Thomas Prinzhorn, entnervt: "Es mag ja einigen Managern imponieren, dass er den Papierfabrikanten in die Realwirtschaft zurückgeholt hat, doch der SPÖ-Basis ist das völlig schnuppe."

Was Ex-Bundeskanzler Viktor Klima (SPÖ), zugleich Ruttenstorfers Vorgänger als Finanzchef der OMV, bei dessen Abschied zu der Formulierung bewog: "Formal betrachtet ist mit Ruttenstorfer ein Nicht-Politiker zu Gast im Ministerrat gewesen."

Auch Klimas Lob über den "politischen Problemlöser" konnte zugleich als Kritik an fehlender Basisnähe interpretiert werden: "Ruttenstorfer hat bei Verhandlungen nicht in den Kategorien von Sieg und Niederlage gedacht, sondern die gemeinsamen Lösungen ins Zentrum gestellt."

Dieses Konsensstreben hat der 51-Jährige seit seiner Rückkehr zur OMV perfektioniert. Die vergangenen zwei Jahre waren schon deshalb nicht einfach, weil bereits Ende 1999 vertraglich festgelegt worden war, dass er Anfang 2002 Nachfolger von Richard Schenz an der Konzernspitze werden würde. Nach außen hin freilich präsentierten sich die unterschiedlichen Charaktere - da der Wärme ausstrahlende Schenz, dort der Technokrat Ruttenstorfer - wie ein Herz und eine Seele. Dazu bedurfte es allerdings - wie es intern heißt - unter "vier Augen einigen Aufwandes, um Konsens herzustellen".

Gefordert ist nun der Stratege Ruttenstorfer. Zwar ist die Eigenständigkeit der OMV auf dem Papier nicht gefährdet: Der österreichische Staat (35 Prozent) verfügt gemeinsam mit dem Emirat Abu Dhabi (19,8 Prozent) über eine komfortable Mehrheit. Doch die Regierung in Wien will Aktien verkaufen. Damit würde die OMV unverzüglich zum lukrativen Übernahmeobjekt für einen internationalen Ölmulti.

Noch schwieriger ist das Ziel, die OMV durch Übernahmen, Fusionen oder Kooperationen zum "führenden Player" in Zentraleuropa zu machen. Ob bei der slowakischen Slovnaft oder Tschechiens Unipetrol, bisher blitzte die OMV bei möglichen Partnern stets ab. Übrig geblieben ist die polnische PKN Orlen. Doch auch dort ist die ungarische MOL - mit einem exklusiven Verhandlungsmandat - im Vorteil.

Aber vielleicht gelingt Wolfgang Ruttenstorfer das, was der alten OMV-Garde und ihrem Wiener Schmäh versagt blieb: der Schulterschluss mit MOL. Und so die Renaissance glanzvoller österreich-ungarischer Zeiten - zumindest bei Öl und Gas.

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