An Erfolge in der Champions League glaubt keiner in Bremen
Ohne Optimismus

Der Bremer an sich gilt als bescheiden. Auf Jürgen L. Born, gewiefter Bankier und seit vier Jahren Chef von Werder Bremen, trifft das durchaus zu. "Viele Punkte aus der Champions League haben wir nicht eingeplant", sagte der am Montag vor dem Abflug nach Mailand.

BREMEN. Wenn mit dieser Aussage auch zuvorderst das wirtschaftliche Kalkül gemeint ist, so trifft das vor dem heutigen Auftritt bei Inter Mailand (20.45 Uhr/live auf Premiere) auch auf die sportlichen Erwartungen zu. Alles andere als selbstbewusst tritt der Deutsche Meister nämlich im Giuseppe-MeazzaStadion an, auch wenn Trainer Thomas Schaaf "ein respektables Ergebnis und ein gutes Spiel" einfordert.

"Wir müssen einfach alles besser machen als in der Bundesliga", verlangt Abwehrchef Valerién Ismael, bei dem die Souveränität der Vorsaison wie bei vielen seiner Kollegen irgendwie verlustig gegangen ist. Auch Born hat festgestellt, dass ohne den schönen Fußball auch die gute Stimmung verloren ist. "Der Ball springt anders und immer vom Fuß. Vergangene Spielzeit lief es geschmeidiger. Und dann hat halt der ein oder andere schlechte Laune."

Johan Micoud ahnt, welche Erfahrung auf Werder in der Gruppe mit Inter Mailand, dem FC Valencia und RSC Anderlecht zukommen könnte: lehrreiche Niederlagen. "Unsere neuen Spieler sind noch nicht integriert", sagt Micoud, "es wird schwierig werden, gegen Spieler wie Davids, Veron und Toldo anzutreten, die daran gewöhnt sind, international große Spiele zu bestreiten." Optimismus hört sich anders an. Den letzten internationalen Auftritt hatten die Bremer im vergangenen Jahr im UI-Cup - sie scheiterten dort am SV Pasching aus Österreich.

Um personell ein Zeichen zu setzen, erwägt Trainer Schaaf nun, Nationalstürmer Miroslav Klose auf die Bank zu setzen. Teamintern wird ohnehin längst der Vertrauensvorschuss in den Nationalstürmer kritisiert. Doch der teure Neuerwerb ist nicht allein für alle Probleme verantwortlich. Denn Werder Bremen scheint prädestiniert dafür, den guten Zeiten stets die schlechten folgen zu lassen. Nach dem Titelgewinn 1993 erlebte Werder einen Absturz, landete danach in der Liga nur auf Rang acht. Ähnliche Probleme offenbarten sich nach dem Pokalsieg 1999. Und nach zwei furiosen Hinrunden 2001 und 2002 rutschten die Bremer jeweils nach einer schwachen Rückrunde noch aus den Uefa-Cup-Rängen. Nun drohen Meistertitel und Pokalsieg zum Ballast zu werden.

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