An höheren Krankenkassenbeiträgen kommt man nicht vorbei
Ärzte und Kassen kritisieren Schmidts Sparpläne

Die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) haben vor allem bei Ärzten und Krankenkassen eine Lawine der Kritik ausgelöst. Lediglich der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßte Schmidts Vorschläge als "sozial ausgewogen".

HB/dpa BERLIN. Die Ministerin will mit einem Vorschaltgesetz zur eigentlichen Gesundheitsreform die Beitragssätze der Krankenkassen einfrieren, die Bemessungsgrenze für den Wechsel in die Privatkassen anheben und die Ausgaben der Ärzte und Krankenhäuser 2003 auf dem Niveau von 2002 festschreiben. Die Pharmabranche soll mit zusätzlichen Rabatten 1,4 Mrd. Euro beisteuern. Durch das gesamte Paket soll den Krankenkassen vom 1. Januar an Ausgaben in Höhe von rund 3,5 Mrd. Euro erspart bleiben.

Der Vorsitzende des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), Herbert Rebscher, kritisierte das geplante Verbot für gesetzliche Kassen, den Beitrag zu erhöhen, als "Witz". Im Deutschlandradio Berlin sagte er: "Das ist so, als würden sie die Folgen der Flut damit heilen wollen, dass sie im Deutschen Bundestag die Flut verbieten." Beitragserhöhungen ab Januar seien "seit Wochen von allen gesetzlichen Kassen" angekündigt worden, betonte Rebscher. Die Anhebung werde etwa 0,3 oder 0,4 Prozentpunkte betragen.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung PKV kritisierte die angestrebte Anhebung der Pflichtversicherungsgrenze als falschen Schritt. "Es hilft der gesetzlichen Krankenversicherung nicht, schadet aber der privaten Krankenversicherung", sagte der PKV - Geschäftsführer Sozialpolitik, Christian Weber, in einem dpa- Gespräch. "Die Folge wird sein, dass einem massivem Teil der Angestellten der Weg in die private Krankenversicherung versperrt wird." Rebscher begrüßte dagegen diesen Plan.

Die Bundesärztekammer warf der Bundesregierung vor, sie gefährde "mit konfusen Sparbemühungen massiv die Versorgung der Patienten". Die "Nullrunde" für Ärzte und Krankenhäuser im Jahr 2003 führe "zum Ausverkauf unseres Gesundheitswesens", sagte ihr Präsident Jörg- Dietrich Hoppe. Frank Ulrich Montgomery vom Krankenhaus-Ärzteverband Marburger Bund meinte im Westdeutschen Rundfunk, die Nullrunde würde mehr die Patienten treffen als die Ärzte. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung nannte die rot-grüne Gesundheitspolitik "eine komplette Nullnummer". Der Vorsitzende der Kassenärzte, Manfred Richter-Reichhelm sieht den möglichen Beitrag der Ärzte zuallerletzt im Honorarverzicht. Die Ärzte könnten aber durchaus noch im Arzneibereich sparen, sagte er im Südwestrundfunk.

Die Bundesvereinigung der Apotheker sah Notwendigkeit zum Verzicht. "Zur Reform unseres Sozialsystems können und wollen wir konstruktiv beitragen", erklärte sie. "Kahlschläge können aber weder die Apotheker noch die anderen Beteiligten im Gesundheitswesen verkraften".

Der Sozialverband Deutschland warnte Ärzte und Kliniken, die geplante "Nullrunde" zum Vorwand für eine schlechtere medizinische Versorgung der Patienten zu nehmen. "Wenn Ärztepräsident Hoppe heute schon eine drastische Verschlechterung der Patientenversorgung und lange Wartezeiten an die Wand malt, dann beweist das nur, dass es den Ärzten offenbar nur um ihre eigenen Pfründe geht", kritisierte SoVD- Präsident Peter Vetter.



Die Mediziner in Praxen und Kliniken sollten die "Nullrunde" nutzen, um die vorhandenen Unwirtschaftlichkeiten zu beseitigen, sagte Vetter. Er nannte Medikamentenversorgung, Doppeluntersuchungen, überflüssiges Röntgen und häufig unnötige Operationen. Dann bliebe immer noch genug Geld übrig, um die Patienten vollwertig zu versorgen und Kliniken und Ärzte angemessen zu bezahlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%