An liquiden Märkten werden Aufträge schneller ausgeführt
Wege aufs Parkett

Welche Börse ist die richtige? Bei der Auswahl des Handelsplatzes sollten Anleger vor allem auf die Liquidität der gewünschten Wertpapiere achten.

DÜSSELDORF. Sammelpunkte statt Dividenden: Auch wenn viele Unternehmen in diesem Jahr ihre Ausschüttungen zusammenstreichen, können Anleger trotzdem zu einem Bonus kommen. Etwa wenn sie ihre Aktien über die Bremer Börse handeln. In Kooperation mit dem Dienstleister Trade & Get erhalten Investoren hier für jede Transaktion "Getties" gutgeschrieben. Diese können dann später in Prämien umgetauscht werden. Kleiner Schönheitsfehler: Allein um einen Taschenrechner zu bekommen, müssen Anleger schon 40 Geschäfte zu mindestens 2 500 Euro tätigen. Wer schließlich den effektvoll in der Werbung abgebildeten 50-Gramm-Goldbarren sein Eigen nennen will, muss schon 2 400 Aufträge vorweisen. Auch bei den anderen Kooperationspartnern wie etwa dem neuen Derivatesegment Zobex der Berliner Börse bringen erst ähnlich hohe Umsätze die begehrten Prämien.

Die meisten Börsenexperten empfehlen ohnehin, eher auf die harten Fakten bei der Auswahl des Handelsplatzes zu achten und sich nicht von Werbegags ablenken zu lassen. "Wir sind hier schließlich nicht auf dem Jahrmarkt", sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Wer bei der Wahl des Börsenplatzes klug vorgeht, kann Geld sparen und sich selbst eine Prämie gönnen.

Die richtige Börse für seine Order zu finden, ist allerdings nicht einfach: Schließlich haben sich mittlerweile alle Regionalbörsen sowie der Marktführer Frankfurt das Wohl der Privatanleger auf die Fahnen geschrieben. Fast alle werben mit ebenso schneller wie günstiger Ausführung der Order. "Die richtige Börse für alle Geschäfte gibt es aber in der Regel nicht", sagt Mario Jessen von Comdirect. "Es kommt immer auf das jeweilige Papier an."

Grundsätzlich geben viele Experten den Rat, Aktien dort zu kaufen, wo der größte Handel mit ihnen vorhanden ist. Hintergrund: Makler kaufen Aktien zum Geldkurs und verkaufen sie zum höheren Briefkurs. Diese Differenz heißt Spread. Wenn viele Papiere gehandelt werden, weiß der Makler, dass er gekaufte Papiere in ausreichender Stückzahl auch wieder los wird. Er kann den Spread dann verkleinern. Anleger handeln die Papiere günstiger. An liquiden Märkten werden Aufträge zudem schneller ausgeführt.

Über die Zahl der gehandelten Papiere und den aktuellen Preis an den jeweiligen Plätzen sollte ein Bankberater jederzeit informieren können. Auch im Internet bieten die meisten Banken und unabhängigen Informationsanbieter wie Onvista dazu Statistiken an.

Bei Dax-Werten ist die Lage klar: Den liquidesten Handel gibt es auf dem Xetra-System der Deutschen Börse. Hier sorgt kein Makler, sondern ein Computersystem dafür, dass Käufer und Verkäufer zueinander finden. "Das System ist schnell, und obendrein spart der Anleger auch noch die Makler-Courtage", sagt Thomas Rennebaum, Leiter der Anlageberatung beim Discountbroker Consors. Xetra berechnet nur einen Festpreis von 1,50 Euro bis zu einem Ordervolumen von 25000 Euro. Beim Parketthandel zahlen Anleger hingegen eine Gebühr von 0,04 Prozent des Kurswertes. Siemens-Aktien im Wert von 10 000 Euro kosten also 4 Euro Spesen. Allerdings landen bei Dax-100 Werten (Dax und M-Dax) nur Aufträge ab 100 Stück im fortlaufenden Xetra-Handel. Bei kleineren Mengen wird der Preis in der dreimal am Tag stattfindenden Auktion festgestellt. Alle anderen Werte sind aber ab einem Stück kontinuierlich handelbar.

Den Ruf, in erster Linie ein System für professionelle Marktteilnehmer zu sein, hat Xetra mittlerweile größtenteils abgelegt. Nach Angaben der Deutschen Börse stammen 40 bis 50 Prozent der Aufträge von Privatinvestoren. Besonders bei kleineren Werten etwa aus dem Nemax sollten Anleger bei der Computerbörse trotzdem besondere Vorsicht walten lassen. "In jedem Fall sind hier Limits sinnvoll, damit der Auftrag nicht zu einem schlechten Preis ausgeführt wird", sagt Consors-Experte Rennebaum. Steht zum Beispiel nur eine alte, viel zu teure Verkaufsorder im System und kommt dann ein unlimitierter Kaufauftrag herein, zahlt der Anleger einen zu hohen Preis. Allerdings kann es bei limitierten Aufträgen passieren, dass die Order in mehreren Teilen ausgeführt wird, weil der Markt zu dem jeweiligen Zeitpunkt nicht mehr Stücke zum Limitkurs hergab. Die Börse berechnet dann zwar keine Extra-Gebühren. Für den Anleger kann es trotzdem teuer werden, weil einige Banken jeden Auftrag einzeln werten und gleich mehrfach abkassieren.

Im Parketthandel kommen Teilausführungen ohnehin seltener vor. Doch nicht nur aus diesem Grunde, sollten Anleger auch einen Blick auf die Regionalbörsen werfen. "Viele Plätze bieten einen sehr guten Service", sagt SdK-Experte Straub. Zudem haben sich die meisten Börsen auf bestimmte Themen spezialisiert und nehmen hier eine führende Rolle ein. Stuttgart gilt etwa als wichtigste Börse für Optionsscheine, München setzt auf Goldminienaktien und asiatische Werte, Düsseldorf auf Japan und Pfandbriefe, während in Berlin alle Nasdaq-Titel zu bekommen sind. Die Garantie, dass die Order zu einem mindestens so guten Preis wie auf Xetra abgerechnet wird, gehört fast schon zum Standard.

Allen Börsen gemeinsam ist die Tatsache, dass Anleger sich mit Beschwerden an eine unabhängige Stelle wenden können. Die Handelsüberwachung zeichnet sämtliche Transaktionen auf und kann so Reklamationen nachgehen.

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