An Online-Wahl beteiligten sich 32 000 Internet-Nutzer
Sprecher vom Chaos-Computer-Club inIcann-Vorstand gewählt

Mit großer Mehrheit hat die europäische Internet- Gemeinde einen deutschen Vertreter der Hacker-Szene in die neue Internet-Verwaltung Icann entsandt. Bei der Online-Wahl von fünf neuen Direktoren des Kontrollgremiums durch die Internetnutzer setzte sich der Sprecher des deutschen Chaos-Computer-Clubs , Andy Müller- Maguhn, gegen sechs weitere Kandidaten aus Europa durch.

dpa HAMBURG. Das gab die Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) am Mittwoch im Internet bekannt. Auch die amerikanischen Internetnutzer wählten mit dem Netzwerkspezialisten Karl Auerbach einen Kritiker der Icann in das Gremium, der sich wie Müller-Maguhn für möglichst offene und transparente Internet-Strukturen einsetzt.

Bei der Wahl vom 1. bis 10. Oktober wählten mehr als 32 000 Anwender je einen Vertreter für die Regionen Afrika, Asien/Pazifik, Europa, Lateinamerika/Karibik und Nordamerika. Die 1998 gegründete Icann entscheidet unter anderem über die Vergabe der für die Internet-Wirtschaft wichtigen und lukrativen Adress-Endungen wie ".com" oder ".eu". Zunächst waren 19 Direktoren von der Icann eingesetzt worden, jetzt wurden fünf durch die Internet-Nutzer ersetzt.

Maguhn ist für freies und transparentes Internet

"Chancen hatte ich mir nur wenige ausgerechnet, da ich das Wahlverfahren überhaupt nicht durchschaut habe", sagte Müller-Maguhn. Vor der Wahl hatten sowohl Icann als auch die registrierten Wähler eigene Kandidaten vorgeschlagen. Auf Platz zwei wählten die Nutzer die deutsche Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann, auf Platz drei den von der Icann vorgeschlagenen Winfried Schüller von der Deutschen Telekom. Neben Müller-Maguhn und Auerbach waren Nii Quaynor aus Ghana für Afrika, der Japaner Masanobu Katoh für Asien und der Brasilianer Ivan Moura Campos für Lateinamerika erfolgreich.

Müller-Maguhn setzt sich seit Jahren für ein freies und transparentes Internet ein. "Es ist ganz klar, dass sich in Europa und den USA die kritischen Kandidaten durchgesetzt haben, anders als die Icann vielleicht gehofft hat", sagte Carolin Welzel von "Politik Digital" am Mittwoch. Icann selbst habe wirtschaftsnahe Kandidaten ausgesucht, dagegen zeige die Wahl, dass es offenbar einen Bedarf an unabhängiger Vertretung gebe. Auch die zweitplatzierte Hofmann zeigte sich über das Abschneiden der von den Nutzern vorgeschlagenen Kandidaten zufrieden. Die Arbeit fange aber erst an: So stehe das Problem, wer welches Zugriffsrecht auf welche Domainnamen habe. Es könne nicht sein, dass geschützte Marken Privilegien für sich forderten, sagte Hofmann.

Wahlen sind Test für weitere Internet-Wahlen

Beobachter sahen in der Online-Abstimmung auch einen Test für das Wählen per Internet. Gleich zu Beginn hatten die Organisatoren jedoch mit massiven technischen Problemen zu kämpfen, viele Wähler konnten bis zum Schluss nicht abstimmen. Einige Wähler und Kandidaten hatten das Wahlsystem außerdem als zu kompliziert und undemokratisch bezeichnet. Mit 11 309 Wählern lag Europa in der Wahlbeteiligung weit vorn. In Afrika hatten sich lediglich 130 Menschen an der Wahl beteiligt. In Nordamerika gaben 3 449 Internet-Nutzer ihre Stimme ab.

Nach einer Umfrage ist das Internet-Kontrollorgan bei den deutschen Internet-Nutzern weitgehend unbekannt. Fast zwei Drittel der Befragten kennen die Internet-Verwaltung Icann nicht, ergab eine Online-Umfrage des Hamburger Forschungs- und Beratungsinstituts MediaTransfer. Nur 27,8 % der insgesamt 1 000 Befragten war die Icann überhaupt ein Begriff.

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