An Übernahme des Springer-Buchverlages interessiert
Bertelsmann will Sonopress abgeben

Die Bertelsmann AG will ihren Mediendienstleister Sonopress an die kanadische Cinram-Gruppe abgeben. Cinram, die an der Börse in Toronto notiert ist, ist einer der weltweit führenden Hersteller von CD und DVD.

HB/lip/hps HAMBURG. Die Bertelsmann AG will ihren Mediendienstleister Sonopress an die kanadische Cinram- Gruppe abgeben. Cinram, die an der Börse in Toronto notiert ist, ist einer der weltweit führenden Hersteller von CD und DVD. Die Übernahme will der kanadische Konzern offenbar in Aktien bezahlen. Es gehe um einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, heißt es in Unternehmens-Kreisen.

Für die Trennung von Sonopress strebt Bertelsmann offenbar eine Beteiligung an Cinram an. Ein reiner Verkauf kommt den Kreisen zufolge nicht in Frage. Das Geschäft soll frühestens Ende März abgeschlossen werden.

"Arvato führt regelmäßige Gespräche mit Unternehmen aus der Mediendienstleistungsbranche, dazu zählt auch der kanadische Speichermedienkonzern Cinrem", sagte ein Sprecher der Bertelsmann-Tochter Arvato, zu der Sonopress gehört. Sonopress war erst kürzlich von der Bertelsmann Music Group zu Arvato ausgegliedert worden. Der Dienstleister vertreibt mit seinen 3900 Mitarbeitern Produkte aus den Bereichen Musik, Video und Software. Mit mehr als drei Millionen CD-, CD-Rom- und DVD-Titeln pro Tag gehört Sonopress weltweit zu den führenden Medienvervielfältigern.

Arvato will sich an anderer Stelle offenbar stärken: Nach Informationen aus Firmenkreisen soll die Bertelsmann - Tochter unter anderem durch Zukäufe zu einem der weltweit führenden Tiefdruckkonzerne aufsteigen. So schielt das Unternehmen auf die beiden Druckbetriebe des Axel- Springer- Verlags. In der Vergangenheit wurde Arvato auch als Kandidat für einen Börsengang gehandelt. Meldungen über entsprechende Pläne für eine Aktienplatzierung wurden aber am Wochenende zurückgewiesen.

Die Neuausrichtung von Arvato ist nur ein Mosaikstein für einen weiteren Umbau des Medienkonzerns, der verstärkt auf substanzorientierte Firmen der "Old Economy" setzen soll. So steht offenbar auch die Übernahme der Verlagsgruppe Ullstein Heyne vom Berliner Zeitungskonzern Axel Springer durch den zur Bertelsmann gehörenden Buchverlag Random House kurz bevor. Das Unternehmen ist weltweit die Nummer eins im Buchgeschäft. Eine Sprecherin von Springer wollte dies nicht kommentieren. Der Verkauf von Ullstein Heyne an Random House war seit langem erwartet worden.

Familie Mohn will ihren Einfluss stärken

Zudem will die Eigentümer-Familie Mohn ihren Einfluss bei der Bertelsmann AG wieder deutlich verstärken. Patriarch Reinhard Mohn erklärte in einem Beitrag in der "Welt am Sonntag", dass seine Frau Liz Mohn künftig das Zepter in der Hand halte.

"Federführend für die Wahrnehmung des Familieneinflusses habe ich meine Frau eingesetzt", schrieb Mohn in dem Beitrag. Alle wesentlichen Entscheidungen in der Hauptversammlung der Bertelsmann AG sollten nur mit der Zustimmung der Familie getroffen werden. Dazu gehöre auch die Besetzung des Aufsichtsrats, heißt es aus Gütersloh.

Damit hat Reinhard Mohn erstmals öffentlich den Machtwechsel vollzogen, der seit Monaten vorbereitet wird. Seit Dezember sitzt seine Tochter Brigitte als Familienvertreterin in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG). Damit setzt sich das entscheidende Gremium, das drei Viertel der Stimmrechte von Bertelsmann hält, erstmals zur Hälfte aus Mitgliedern der Familie Mohn zusammen. Neben Reinhard, Liz und Brigitte Mohn nimmt auch Sohn Christoph (Lycos Europe) einen der acht Gesellschafterplätze ein.

Ausgeschlossen von der Machtrochade bleibt Sohn Andreas. Der in Hamburg lebende Autor sorgte kürzlich in Gütersloh für Irritationen. Grund: In einem Beitrag für die Tageszeitung "Die Welt" hatte er gefordert, es sei an der Zeit, dass Medienvertreter mit der Macht der Konzerne und ihrer Bekanntheit im Rücken in die Politik einsteigen.

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