An weiteren Brauereien interessiert
Interbrew noch immer auf Brautschau

Der belgische Brauereikonzern Interbrew hält nach der bevorstehenden Übernahme der hannoverschen Gilde-Brauerei nach weiteren deutschen Biermarken Ausschau. Bereits mit Gilde und den schon übernommenen Brauereien Beck's und Diebels Alt wird Interbrew zur Nummer eins auf dem deutschen Biermarkt.

Reuters HANNOVER. "Wir sind weiterhin auf der Suche, allerdings müssen unsere Kriterien passen", sagte Interbrew-Sprecher Corneel Maes am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wollen in Deutschland, dem weltweit drittgrößten Biermarkt, die führende Rolle spielen." Konkrete Kaufpläne wollte Maes nicht bestätigen.

Interbrew hatte sich am Dienstag mit der Stadt Hannover, die zehn Prozent an Gilde hält, auf Standort- und Arbeitsplatzgarantien geeinigt. Daraufhin zog die Stadt ihre Klagepläne gegen die Übernahme zurück. Damit kann Interbrew nach den Worten von Maes bereits auf weit mehr als 60 Prozent der Anteile an der Gilde-Brauerei hoffen, deren wichtigste Tochter die bundesweit bekannte Marke "Hasseröder" ist. Das Angebot für die gesamte Gilde-Gruppe beläuft sich auf 575 Millionen Euro und läuft bis Ende dieser Woche.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Verbandes wird Interbrew nun mit 11,8 Millionen Hektorlitern Bier pro Jahr zur führenden Brauerei-Gruppe in Deutschland vor Holsten (11,0 Mio Hektoliter) und der Binding-Brauerei (8,8 Mio Hektoliter). Der deutsche Biermarkt war 2001 mit 108 Millionen Hektoliter Bier mit minus 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig.

Der noch überwiegend mittelständisch geprägte deutsche Biermarkt ist auch bei anderen internationalen Brauereikonzernen ins Blickfeld gerückt. Für die nach eigenen Angaben fünftgrößte deutsche Brauerei Gilde hatten sich auch der niederländische Konzern Heineken und die britisch-südafrikanische Brauerei SAB Miller interessiert.

Interbrew als weltweit drittgrößter Bierkonzern (200 Biersorten in 120 Ländern) ist nun bereits in weiten Teilen Deutschlands mit Ausnahme des Südens präsent. Die deutsche Brauereibranche geht davon aus, dass Interbrew auch dort Ausschau hält. "In Süddeutschland dominieren vor allem die Hersteller von Weizenbier. Und dieses gehört sicherlich zum einem Vollsortiment einer Brauerei", sagte Erich Dederichs vom Deutschen Brauer-Bund. Allerdings seien auch andere nationale wie internationale Brauerei-Gruppen an Weißbier-Brauereien interessiert. Das mache diese teuer und nicht jede sei zu haben. Der niederländische Brauer Heineken, weltweit Nummer vier, kooperiert bereits mit der Bayerischen BrauHolding und deren Weißbiermarke "Paulaner".

Das Interesse großer Konzerne an deutschen Biermarken zeige deren Stärke und eine Übernahme bringe zudem auch zusätzliche Chancen auf dem Weltmarkt, sagte Dederichs.

"Wir wollen weiterhin keine feindliche Übernahme", sagte Interbrew-Sprecher Maes mit Blick auf die Übernahme von Gilde. Interbrew sicherte der Stadt Hannover zu, dass fünf Jahre lang betriebsbedingt niemand entlassen wird. Zudem werden der Stadt für 15 Jahre Gewerbesteuern und der Erhalt des Standortes für mindestens 30 Jahre garantiert. Zehn Jahre lang wird Interbrew auch Sponsoraktivitäten von jährlich 3,5 Millionen Euro fortführen.

Die Garantien gelten nur für den Gilde-Standort Hannover. Der Standort Wernigerode gilt wegen der größten Gilde-Marke "Hasseröder" als sicher. Auch der Standort Braunschweig mit der Regionalmarke "Wolters" werde weitergeführt. Überlegungen für einen Weiterverkauf etwa an Holsten gebe es nicht, sagte Maes.

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