An zu niedriger Beteiligung
Präsidentenwahl in Montenegro gescheitert

Die Präsidentenwahl in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro ist nach einem Boykottaufruf der Opposition an zu niedriger Wahlbeteiligung gescheitert. Mit nur etwa 45,9 % sei die gesetzliche Mindestbeteiligung von 50 % der etwa 450 000 Stimmberechtigten in der jugoslawischen Teilrepublik verfehlt worden, teilten die Organisationen CeSID und CEMO am Sonntag in Podgorica mit.

HB/dpa PODGORICA. Insgesamt bewarben sich elf Kandidaten um das Amt.

Der klare Favorit Filip Vujanovic bezeichnete das Ergebnis als Folge der "ganz normalen Abstinenz" der Wähler und nicht als Folge des Boykottaufrufs der "destruktiven Opposition". Die amtliche Wahlkommission machte zunächst keine Angaben und kündigte die ersten Ergebnisse für Montag an. Nach einem Scheitern muss der Wahlgang, der den Nachfolger des bisherigen Präsidenten Milo Djukanovic bestimmen soll, wiederholt werden.

Vujanovic, derzeitiger Parlamentspräsident, erhielt nach Angaben der Wahlbeobachtergruppen 83,9 % der abgegebenen Stimmen. Er war mehrere Jahre lang Regierungschef und hatte sein Amt nach den Parlamentswahlen im Oktober Djukanovic überlassen. Djukanovic hat die Bildung seines Kabinetts mit der Beendigung der Präsidentenwahl verbunden. Beide Politiker streben die Unabhängigkeit Montenegros an und sehen die vorgesehen Umgestaltung der Bundesrepublik mit Serbien in einen losen Staatenbund nur als Übergangsetappe zur Selbstständigkeit.

Mit seinen 170 000 Stimmen habe er das beste Ergebnis von allen bisherigen Wahlen erreicht, sagte Vujanovic am Sonntagabend in Podgorica. Für ihn hätten sogar mehr Wähler gestimmt als für die siegreiche Koalition (der er angehört). Das sei ein Beweis, dass die Kraft der "destruktiven Parteien" schwindet, sagte Vujanovic, der einen Sieg bei der Wahlwiederholung - voraussichtlich im kommenden Januar - erwartet.

Djukanovic, dessen "Demokratische Liste für ein europäisches Montenegro" bei der letzten Parlamentswahl die absolute Mehrheit errungen hatte, rief bei seiner Stimmabgabe zu politischer Stabilität auf. "Damit wir uns den ökonomischen und demokratischen Reformen widmen und die schweren sozialen Probleme lösen können, müssen alle Institutionen funktionsfähig sein", sagte er. "Und die Institution des Staatspräsidenten ist eine der wichtigsten."

Die oppositionellen Parteien, die für den Erhalt eines Bundesstaates aus Serbien und Montenegro sind, hatten ihre Anhänger aufgerufen, den Wahlen fernzubleiben. Eine gescheiterte Wahl muss nach Angaben der Wahlkommission mit den gleichen Kandidaten wiederholt werden. Nach einem zweiten Scheitern wird eine spätere Neuwahl ausgeschrieben. An der Mindestbeteiligung sind in der größeren jugoslawischen Teilrepublik Serbien bereits zwei Anläufe zur Wahl eines Präsidenten gescheitert. Deswegen werden in beiden Republiken Stimmen laut, die gesetzlich vorgeschrieben Mindestbeteiligung aufzuheben.

Ein Stromausfall in der Hauptstadt Podgorica hat die Wahl am Abend behindert. Das montenegrinische Stromversorgungsunternehmen machte zunächst keine Angaben zum Grund der Unterbrechung. In Podgorica lebt etwa ein Viertel der Wahlberechtigten.

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